Sport : Vielen Dank für die Blumen

Hertha BSC verschenkt beim 2:2 in Bochum einen sicheren Sieg

Stefan Hermanns[Bochum]

Der VfL Bochum hat die Rückrunde der Fußball-Bundesliga unter das große Motto „Aufholjagd“ gestellt. Allerdings hat sich der Abstiegskandidat das Szenario wohl anders vorgestellt, als es sich gestern im Ruhrstadion abgespielt hat. Nach der ersten Viertelstunde der Rückrunde lagen die Bochumer fast aussichtslos 0:2 gegen Hertha BSC zurück, am Ende aber reichte es für den VfL noch zu einem 2:2-Unentschieden. Vratislav Lokvenc bescherte den Berlinern mit seinem späten Ausgleichstreffer ein Déjà-vu-Erlebnis. Schon im Sommer, zum Saisonauftakt, hatten sie 2:0 gegen den VfL geführt und ebenfalls nur 2:2 gespielt. „Man kann eine Schablone auf das Hinspiel legen“, sagte Herthas Trainer Falko Götz.

Bis zum Anschlusstreffer der Bochumer kurz vor der Pause hatte Hertha die vielleicht beste Vorstellung der Saison gezeigt. Die Berliner setzten den VfL mit hohem läuferischen Einsatz früh unter Druck, nutzen die ohnehin vorhandene Verunsicherung des Tabellensechzehnten. Bereits nach 127 Sekunden ging Hertha in Führung. Nach dem Pass von Thorben Marx in den Bochumer Strafraum reklamierte Raymond Kalla auf Abseits, anstatt sich um seinen Gegenspieler zu kümmern. Nando Rafael nutzte den Freiraum und lupfte den Ball über Torhüter Vander hinweg zum 1:0 ins Tor.

„Besser hätte es nicht anfangen können“, sagte Götz. Zumal Hertha das Spiel weiterhin unter Kontrolle hatte und den Vorsprung früh ausbaute. Das 2:0 wurde durch einen früheren Berliner eingeleitet. Dariusz Wosz verlor den Ball im Mittelfeld, dann ging alles ganz schnell. Marcelinho schüttelte an der Seitenlinie zwei Gegenspieler ab, leitete den Ball weiter zu Marx, und dessen Pass schloss Gilberto mit einem platzierten Schuss in den Winkel des Bochumer Tores ab. Selbst Bundestrainer Jürgen Klinsmann lobte zur Pause den Auftritt der Berliner: „Die Spielzüge, die Hertha nach vorne getragen hat, waren beeindruckend.“

Allerdings trug Hertha die Spielzüge nicht weit genug nach vorne. Trotz ihrer Überlegenheit kamen die Berliner nur selten in den Bochumer Strafraum. Der VfL benötigte mehr als eine halbe Stunde, bis Herthas Torhüter Christian Fiedler bei einem Kopfball von Trojan zum ersten Mal eingreifen musste. Kurz darauf erzielte Peter Madsen per Elfmeter den Anschlusstreffer, nachdem Marx den Bochumer Zdebel im Strafraum umgerannt hatte. „Ich hatte das Gefühl, dass wir um das 1:2 betteln", sagte Manager Dieter Hoeneß.

Die Berliner vergaben leichtfertig die große Chance, durch einen Sieg in der Tabelle auf Platz vier vorzurücken. „Es war noch nie so einfach, hier zu gewinnen“, sagte Trainer Götz. In der zweiten Halbzeit aber erlebte er seine Mannschaft zu inaktiv, Hertha trat die Hoheit im Mittelfeld ab, „und dann produzieren wir viele Freistöße, die uns um die Ohren fliegen“, klagte Götz. Die wenigen Konter der Berliner verpufften wirkungslos.

Trotzdem hatte Hertha die große Chance, das Spiel zu entscheiden. Eine Viertelstunde vor Schluss dribbelte sich Yildiray Bastürk durch die Bochumer Abwehr, schlenzte den Ball dann allerdings, frei vor Vander, deutlich am Tor vorbei. „Yildiray Bastürk ist ein Bochumer und wird immer ein Bochumer bleiben“, sagte Trainer Peter Neururer. Kurz darauf fiel dann der Ausgleich für den VfL. Abwehrchef Dick van Burik verschätzte sich bei einer Flanke in den Strafraum und konnte Lokvenc nicht entscheidend am Torschuss hindern. Der Tscheche war vor der Saison auch als Neuzugang bei Hertha im Gespräch gewesen. Manager Hoeneß hatte zur Entscheidungshilfe sogar Blumen an Frau Lokvenc schicken lassen. Dass ihr Mann Hertha nun zwei Punkte klaute, war für Hoeneß „eigentlich eine Sauerei“.

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