Sport : „Vielleicht passiert noch ein Wunder“

Schalkes Pfarrer über Trost und Auferstehung

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Herr Dohm, wie gefragt waren Sie als Seelsorger nach dem verlorenen Derby?

Als Seelsorger ist man auf der Basis des Glaubens krisenerfahren. Es ist ein großer Verlust an Hoffnung, den alle Schalker hinnehmen mussten. Aber wir haben nicht das Leben verloren.

Glauben Sie noch an den Titelgewinn?

Wir nehmen das doch nicht einfach so fatalistisch hin und geben auf. Die Mannschaft ist in der Verantwortung, einen versöhnlichen Abschluss zu schaffen.

Und wenn es nicht so kommen sollte?

Mein Ziel des Lebens besteht in der Auferstehung. Deshalb ist so ein Ereignis auf diesem Weg niemals absolut. Es ist nur ein innerliches Hindernis. Allerdings tue ich mich selbst damit schwer. Die Ereignisse schmerzen und machen traurig. Aber vielleicht passiert ja noch ein Wunder.

Ist dafür göttliche Hilfe notwendig?

Meine Zusage der biblischen Verheißung ist: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot verdienen. Die Spieler sollen Mut behalten und sich gut vorbereiten.

Verstehen Sie, dass von einigen Schalkern wieder einmal der Fußballgott für das Scheitern verantwortlich gemacht wird?

Nein, die Mannschaft hat in Dortmund mit bleiernen Knochen gespielt. Es gibt nur einen Gott. Das ganze Gerede ist eine Vereinnahmung für die eigene Seite. Das ist das goldene Kalb der Fußballspieler.

Sie haben das Drama 2001 miterlebt. Ist der Schmerz vergleichbar?

Das kam damals viel plötzlicher. Deshalb kann man das nicht miteinander vergleichen, auch nicht den Schmerz.

Beten Sie noch einmal mit den Spielern?

Ich weiß nicht, ob es eine geplante Begegnung noch geben wird. Ich bin eher so etwas wie ein Betriebsseelsorger. Ich beschäftige mich nicht nur mit den leitenden Angestellten, sondern mit allen.

Werden Sie am Samstag eine Kerze in der Stadionkapelle entzünden?

Ich zünde bei jedem Spiel eine Kerze an. Das ist seit Beginn der Saison so. Das gehört zur Öffnung der Kapelle dazu. Man hofft natürlich immer, dass es hilft.

Die Fragen stellte Jörg Strohschein.

Hans-Joachim Dohm, 63, ist evangelischer Gemeindepfarrer in Gelsenkirchen-Bismarck, Mitglied des Schalker Ehrenrats und zuständig für die Kapelle in der Arena auf Schalke.

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