Sport : Vielseitiger Spezialist

Zehnkämpfer André Niklaus bestreitet am Sonntag beim Istaf im Olympiastadion einen Dreikampf

Friedhard Teuffel

Berlin - Früher einmal ist André Niklaus noch mit einem Paar Schuhe zum Zehnkampf gefahren. Damit ist er dann gerannt, gesprungen und hat auch noch geworfen. Das reicht ihm jetzt nicht mehr. Zwölf Paare hat er im Gepäck, wenn er sich zu einem Wettkampf aufmacht. In der umfangreichsten Disziplin der Leichtathletik will Niklaus immer mehr Spezialist werden.

Mit diesem Anspruch ist der 24 Jahre alte Berliner in diesem Jahr weit gekommen, bis auf Platz vier bei der Weltmeisterschaft in Helsinki. Beim Istaf am Sonntag im Olympiastadion darf er seine Kräfte noch mehr konzentrieren, die Veranstalter haben sich nämlich einen Dreikampf für ihn ausgedacht. Beim Kugelstoßen wird er mitmachen, beim Speerwerfen und beim Stabhochsprung. „Ich hoffe, dass die anderen mich akzeptieren und mir vielleicht noch ein paar Tipps geben“, sagt Niklaus. Bei den deutschen Meisterschaften im Juni in Bochum-Wattenscheid hatte Niklaus auch am Stabhochsprung teilgenommen. Das ist seine stärkste Disziplin. „Diesmal trete ich gegen die internationale Spitze an, das ist noch etwas aufregender“, sagt er.

Immerhin gibt es für ihn am Sonntag ein ganz spezielles Ziel. Je nachdem, welche Punktzahl Niklaus erreicht, gewinnt er zwischen vier und zwölf Flüge, die er für seine Trainingslager gut gebrauchen kann. Für das volle Dutzend müsste er auf 2300 Zehnkampfpunkte kommen. „Wenn ich 13,50 Meter stoße, fünf Meter springe und zwischen 55 und 56 Meter werfe, schaffe ich das“, hat sich Niklaus ausgerechnet. Bei der WM in Helsinki hatte er diese Leistungen klar übertroffen. Beim Kugelstoßen stellte er mit 14,24 Metern eine persönliche Bestleistung auf, ebenso beim Speerwerfen mit 61,74 Metern. Der Höhepunkt war der Stabhochsprung, als Niklaus seine Bestmarke von 5,30 Metern wieder erreichte und die ganze Bühne für sich allein hatte, weil die anderen Zehnkämpfer schon nach 5,00 Metern ausgestiegen waren. Am Ende kam Niklaus in Helsinki auf seine bisher höchste Gesamtpunktzahl: 8316.

Das Istaf ist für ihn ein netter und sinnvoller Abschluss dieser Saison. Zuvor bestreitet die Kugelstoßerin Astrid Kumbernuss an diesem Samstag von 15 Uhr an in Elstal, im Olympischen Dorf von 1936, den wohl letzten Wettbewerb ihrer Karriere. Am Sonntag wird sie dann im Olympiastadion offiziell verabschiedet.

André Niklaus hat dagegen den vielleicht erfolgreichsten Teil seiner Karriere noch vor sich. In der nächsten Saison könnte er eine internationale Medaille anstreben, bei der Europameisterschaft in Göteborg. Dazu will er sich weiter spezialisieren. Bisher sind es vier Bundestrainer der Leichtathletik, die sich um seine Weiterentwicklung kümmern, koordiniert von seinem Zehnkampftrainer Rainer Pottel. Mit einem Turntrainer hat Niklaus auch schon zusammengearbeitet, und jetzt soll noch ein weiterer fachfremder Experte dazukommen. „Ich muss mich vor allem im Sprint verbessern, und da liegt das Hauptaugenmerk auf der Kraft“, sagt Niklaus. Ein Trainer der Gewichtheber könne ihm da helfen. Um Erfolg im Zehnkampf zu haben, kann Niklaus wohl nicht vielseitig genug sein.

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