Sport : Vielseitigkeit: Protest mit Erfolg

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Aachen - Es war ein seltenes Bild, das sich den Besuchern in der Aachener Soers am Samstagmittag bot. Mit skeptischem Blick stand Michael Jung vor dem Springreitstadion – in gespannter Erwartung, ob die Wettkampfrichter seinen Einspruch akzeptieren würden. Bei der abschließenden Geländeprüfung der Vielseitigkeitsreiter hätte der Doppelolympiasieger von London das Begrenzungsfähnchen auf einer Hecke um ein Haar abgeräumt. Die Richter werteten die Szene als Verweigerung, Jung („Vom Gefühl her war ich drüber“) legte Protest ein – und die Jury ruderte zurück.

Am Ende lag der Reiter aus dem Nordschwarzwald in der Einzelwertung hinter dem australischen Sieger Christopher Burton mit Leilani und Sandra Auffarth aus Ganderkesee auf Platz drei. Über Jungs Missgeschick mit Sam – der erste Schreckmoment für das erfolgsverwöhnte Paar seit Jahren – staunte auch Teamkollege Andreas Dibowski. „Bei so einem erfahrenen Pferd und einem Reiter wie Michael Jung rechnet man mit so etwas nicht“, sagte der 47-Jährige, der mit Butts Leon Rang vier im Einzel erreichte und mit der Mannschaft souverän die Nationenwertung vor Großbritannien und Schweden gewann.

Doch Jung hat auch für schlimmere Zwischenfälle als den von Aachen bereits vorgesorgt. Zu Hause in Horb hat der 30-Jährige rund 30 Pferde in den Boxen stehen, von denen er täglich ein Dutzend selbst reitet. Beim CHIO hatte er neben Sam auch den neunjährigen Wallach Halunke dabei, mit dem er Siebter wurde. Für die EM der Springreiter in Malmö (29. August bis 1. September) gilt Halunke als Alternative für Sam. Mit seinem Top-Pferd hat Jung dagegen vor allem die WM im nächsten Jahr und Olympia 2016 im Blick.

So weit gehen die Gedanken von Christopher Burton bei weitem nicht. Nachdem der 31-Jährige seinen Vorjahressieg in Aachen vor der starken deutschen Konkurrenz wiederholt hatte, strahlte er über sein Pferd: „Was für eine großartige Stute, sie ist wirklich unglaublich.“ Aber nicht mehr lange, denn der stolze Burton verriet über die 17-Jährige noch: „Sie geht demnächst in Rente.“ Andreas Morbach

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