Vielseitigkeitsreiter : Auf dem Sprung zu Gold?

Die deutschen Vielseitigkeitsreiter können am Dienstag alles gewinnen - und so die Spiele in Athen vergessen machen. Dort mussten sie ihre Medaillen zurückgeben.

Nikolaus Schmidt[Hongkong],Katja Reimann
Olympische Sommerspiele 2008
Konzentriertes Duo. Ingrid Klimke und Abraxxas absolvieren den Geländekurs mit seinen 39 Hindernissen auf fünf Kilometern ohne...Foto: ddp

Die Sonne in Hongkong ging gerade auf, da stapften Ingrid Klimke und ihr Team am Montagmorgen noch ein letztes Mal über die Geländestrecke der Vielseitigkeitsreiter. Jedes der 39 Hindernisse auf dem fast fünf Kilometer langen und sehr hügeligen Kurs wurde genau inspiziert. Nichts sollte dem Zufall überlassen werden, denn die fünf deutschen Reiter kämpfen in China um Gold. Und auch darum, sich die Goldmedaillen zurückzuholen, die ihnen vor vier Jahren in Athen nach einem technischen Fehler aberkannt wurden.

Im Gelände wollten sie angreifen – und ritten gestern nicht nur schnell, sondern auch weitgehend fehlerfrei über die schwierige Strecke auf dem Golfplatz im Beas River Country Club. Nach den Dressurprüfungen und dem Geländeritt liegen sie nun mit 158,10 Strafpunkten in Führung vor Australien (162,00) und Großbritannien (173,70). „Es war ein großer Tag für uns. Wir hatten einen Plan und wir haben ihn genau umgesetzt“, sagte Bundestrainer Hans Melzer. Doch wer schließlich die Goldmedaillen in den Händen hält, ist noch nicht ausgemacht. Diese Entscheidung fällt erst heute – im dritten und letzten Teil des Vielseitigkeitswettbewerbs, dem Springreiten.

Zwei Springen finden heute im Reitstadion von Hongkong statt, eines für die Mannschaftswertung und eines für die 25 besten Einzelreiter. Auch da liegen die Deutschen bislang an der Spitze. Hinrich Romeike führt mit seinem Pferd Marius vor seiner Teamkollegin Ingrid Klimke mit Abraxxas. Vom Geländeritt war Klimke begeistert. „Ich fand es schade, dass der Kurs so schnell zu Ende war. Ich wäre am liebsten nochmal geritten“, schwärmte sie.

Nur knapper Vorsprung auf Australien

Einzig Mannschaftsmitglied Peter Thomsen hatte Pech: Sein Pferd verweigerte den Sprung über eine Hecke. Für die Gesamtwertung der Reiter ist das allerdings nicht relevant, denn zum Schluss zählen nur die Ergebnisse der besten drei. Besser noch: Nach Thomsens Ritt wussten die anderen über die Tücken der Strecke Bescheid. Wie schwierig die war, zeigte sich schon daran, dass es keiner der 68 Starter schaffte, innerhalb der erlaubten Zeit von acht Minuten zu bleiben. Acht kamen gar nicht ins Ziel.

Vor dem Springen ist der Vorsprung der Deutschen sehr knapp. Nur 3,90 Strafpunkte liegt das australische Team hinter Deutschland. Das entspricht im Springparcours weniger als einem Abwurf, der vier Fehlerpunkte bringt. Es reicht ein zu langsamer Ritt, und die goldene Medaille ist futsch.



Dass man sich lieber nicht zu früh freuen sollte, wissen die deutschen Vielseitigkeitsreiter von den Olympischen Spielen in Athen. Damals führten sie nach Dressur, Gelände und Springen. Doch nach der Siegerehrung wurden ihnen die gewonnenen Goldmedaillen wieder aberkannt. Das französische Team, von den Deutschen vermeintlich um den Sieg gebracht, hatte Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof CAS eingelegt. Bettina Hoy, damals Mitglied der deutschen Mannschaft und Führende in der Einzelwertung, hatte die Startlinie im Springparcours regelwidrig zweimal überquert. Hoy erhielt nachträglich viele Strafpunkte, ihr Team musste die Medaillen zurückgeben. Klar, dass die fünf Reiter dies nun mit einem Sieg wieder wettmachen wollen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben