Sport : Vier Fäuste und ein Sofa

Ein Bild der Boxprofis Wladimir und Witali Klitschko – und seine Geschichte

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Ist es also geschehen, haben Witali und Wladimir Klitschko ihre BoxKarriere doch aufgegeben? Vielleicht war die bittere Niederlage von Wladimir gegen Lamon Brewster zu Ostern einfach zu viel, und der Sieg von Witali gegen Corrie Sanders ein paar Tage später konnte die tiefen Wunden in der Seele der Boxer nicht heilen lassen.

Daniel Josefsohn muss lachen. Er kann sich gut erinnern an den Tag, als er dieses Foto machte. Und wir, die Box-Fans, können uns beruhigen, die beiden hören gar nicht auf, das Bild stammt aus dem Jahr 1998, und die Bärte, aber wirklich nur die Bärte, sind Maskerade. Josefsohn fotografierte damals eine Serie für das Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Motto: Wir lassen Hoffnungsträger alt aussehen.

„Die beiden wussten damals nicht wirklich, was mit ihnen geschah“, sagt Josefsohn. „Die haben wahrscheinlich gedacht, sie seien in einen falschen Film geraten. Aber sie waren nett, sehr nett und höflich. Die Bademäntel der beiden sind privat, die stammen nicht von uns.“ Und das Bier auf dem Tisch? „Keine Ahnung“, sagt Josefsohn, „wahrscheinlich irgendein Schwarzbier.“

Der 41-jährige Fotograf hat in Berlin gerade eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum hinter sich. Für das Foto in Hamburg hatte Josefsohn extra eine Maskenbildnerin dabei, und neben den angeklebten Bärten hat der Fotograf „den beiden nur ein bisschen mehr Licht in die Augen gegeben“. Witali war damals 27 Jahre alt, Wladimir gerade 22. Aufgenommen wurde es in Hamburg-Wandsbek, im Box-Gym von Universum Box-Promotion, genauer gesagt, in der Hausmeisterwohnung von Monika und Dieter Balschun. Das Gym gehört Klaus-Peter Kohl, der die Klitschkos 1996 unter Vertrag nahm. Die Balschuns sind mittlerweile eng befreundet mit den Klitschkos. Die Balschuns waschen seit August 1998 die Wäsche aller Boxer im Gym und betreuen die Sparringspartner. Witali und Wladimir Klitschko schauen regelmäßig rein, bei den Balschuns.

Auf die Frage, ob es ältere Menschen in Deutschland gut haben, antwortete Witali: „Bei uns in der Ukraine ist es so: Da hören die jüngeren den älteren Leuten mehr zu. Aber natürlich wird es für beide Seiten nach zwei Stunden langweilig, denn jeder hat seinen eigenen Standpunkt. Wie im Kindergarten: Die Jungs spielen mit den Jungs, die Mädchen mit den Mädchen.“ Tsp

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