Sport : Vier gewinnt

Friedhard Teuffel

hegt Hoffnung für die deutschen Leichtathleten Eine Weltmeisterschaft ist zwar eine Bühne für Helden, Titel und Rekorde, aber die deutsche Leichtathletik hat in Helsinki eine ganz neue Entdeckung gemacht: Vierte Plätze können so schön sein. Vier Mal sind deutsche Athleten auf Platz vier gekommen, und diese vier zeigen vielleicht sogar noch mehr als die gewonnenen Medaillen, was sich in der deutschen Leichtathletik verbessert hat. Kurz nach ihrem Zieleinlauf sprach die Hürdensprinterin Kirsten Bolm nach ihrem vierten Platz noch von der „Holzmedaille“, doch das war nur der übliche Reflex. Schon wenig später war sie über ihre Leistung genauso glücklich wie die anderen auf Platz vier, der Zehnkämpfer André Niklaus, der Hammerwerfer Markus Esser und der Geher André Höhne.

Die vierten Plätze bringen das deutsche Team nicht nur in der Länderwertung (nicht zu verwechseln mit dem Medaillenspiegel) nach vorne. Viel wichtiger ist die Wirkung nach innen. Es sind vier vierte Plätze in vier ganz unterschiedlichen Disziplinen. Sie widerlegen die Annahme, die Deutschen könnten in der Leichtathletik nur noch Erfolg haben, wenn sie etwas zum Werfen oder Stoßen in die Hand nehmen. Dem Quartett ist außerdem eine Leistungssteigerung zuzutrauen, Niklaus ist erst 23 Jahre, Esser 25, und für einen Geher wie Höhne sind 27 Jahre auch noch kein Alter. Niklaus wäre es unangenehm gewesen, wenn er wegen eines möglichen Regelverstoßes des Zweitplatzierten Roman Sebrle noch auf Platz drei vorgerückt wäre. So haben die vier nicht in erster Linie eine Medaille verpasst, sie haben gewonnen für die deutsche Leichtathletik.

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