Sport : Vier Stopps für ein Halleluja

Sebastian Vettel siegt auch beim Großen Preis der Türkei vor seinem Teamkollegen Mark Webber

Karin Sturm[Istanbul]
Begrüßung nach 58 Runden. Die Techniker des Red-Bull-Rennstalls empfangen Sebastian Vettel euphorisch nach dem Großen Preis der Türkei. Foto: AFP
Begrüßung nach 58 Runden. Die Techniker des Red-Bull-Rennstalls empfangen Sebastian Vettel euphorisch nach dem Großen Preis der...Foto: AFP

Eigentlich war alles so wie zuletzt fast immer in der Formel 1: Sebastian Vettel raste mit weitem Abstand als Erster über die Ziellinie, reckte die Arme zum Jubel in die Luft und seine Stimme brach vor lauter Freude, als er mit seinem Team in der Box funkte. „That’s what I am talking about!“, brüllte der Red-Bull-Pilot also nach einem perfekten Rennen, in dem er von der Pole Position gestartet war und seine Führung nie abgegeben hatte. Der 23-Jährige ist der erste Deutsche, der den Großen Preis der Türkei gewinnt. „Es hat von vorne bis hinten alles gepasst“, sagte Vettel. Er hat nun 93 WM-Punkte und in der Gesamtwertung 34 Zähler Vorsprung auf den Briten Lewis Hamilton, der im McLaren als Vierter ins Ziel kam.

Für Vettel lief das Rennen perfekt – für den Rest des Feldes war es eher ein chaotischer Grand Prix. Denn wegen Problemen mit den Reifen, die einen deutlich höheren Verschleiß hatten als angenommen, musste alle Teams von der geplanten Strategie mit drei Stopps auf vier Stopps umstellen. Das Mercedes-Team beispielsweise musste einige Enttäuschungen hinnehmen. Nico Rosberg fiel nach dem dritten Platz im Qualifying auf den fünften Rang zurück. Sein Teamkollege Michael Schumacher schaffte es nur auf Rang zwölf. Ein Fahrfehler des Rekordweltmeisters gleich zu Beginn des Rennens führte zum Crash mit Witali Petrow im Renault, so dass Schumacher gleich in die Box musste. Schumacher selbst gab zu: „Ich muss das wahrscheinlich auf meine Kappe nehmen, muss es mir aber noch einmal anschauen. Danach war das Rennen kaputt, weil ich eine neue Nase brauchte, und danach war alles ein Kompromiss.“

In Vettels Lager herrschte ausschließlich Zufriedenheit. Nach seinem Ausrutscher im Training am Freitag, als er seinen Wagen heftig demolierte, hatten die Ingenieure des Teams viel am Auto basteln müssen, damit die Revanche für den Ärger von Istanbul im letzten Jahr, als es eine Kollision zwischen Vettel und Mark Webber gab, glückt. Vettel lobte sein Team ausgiebig: „ Gerade nach dem verpatzten Freitag war das ein guter Lohn, auch für die Mechaniker. Der Start war super. Dann war es wichtig, gleich im ersten Teil wegzukommen von den Jungs dahinter.“ Vettel hatte im Rennen stets zwischen vier und neun Sekunden Vorsprung auf die Konkurrenz. So konnte er auch nach den zahlreichen Stopps immer wieder als Erster aus der Box fahren. „Das hilft bei der Strategie“, sagte Vettel.

Vettels Teamkollege Mark Webber fuhr auf den zweiten Platz. Red-Bull-Sportkoordinator Helmut Marko war deshalb rundum zufrieden und lobte seine Fahrer ausgiebig: „Sebastian ist sensationell gefahren, er hatte taktisch alles unter unter Kontrolle. Bei Mark war es etwas schwieriger, weil er hinter Rosberg hing und sein Reifenverschleiß höher war, aber dann sind ihm zwei tolle Überholmanöver gelungen.“

Rosberg machte zunächst einmal seine Ankündigung vom Samstag wahr, von seinem starken dritten Startplatz aus gleich am Start an Webber vorbeizufahren. Als er darüber nach dem Qualifying in der Pressekonferenz mit Vettel gewitzelt hatte, während Webber gerade gefragt wurde, was er denn tun könne, um in Zukunft wieder näher an Vettel heranzukommen, hatte der Australier gezeigt, dass seine Nerven ziemlich blank liegen. „Jetzt bleib’ mal gefällig ernst“, motzte er erst Rosberg an, ehe er auch noch zwei deutsche – als Vettel-Freunde identifizierte – Journalisten ins Visier nahm: „Und ihr haltet jetzt auch mal den Mund“, schimpfte er – obwohl die beiden gar nichts gesagt hatten.

Doch im Laufe des Rennens konnte Rosberg seine gute Ausgangsposition nicht halten, war danach über seinen fünften Platz auch etwas enttäuscht: „Ich kann mich nicht wirklich freuen.“

Trotzdem gab sich Mercedes-Sportchef Norbert Haug zuversichtlich: „Nico hat heute einen McLaren und einen Ferrari geschafft. Vettel, Webber, Alonso und Hamilton waren nicht zu packen.“ Nick Heidfeld holte als Siebter immerhin noch einige Punkte, ärgerte sich aber über einige unnötige Auseinandersetzungen mit seinem Renault-Teamkollegen Petrow: „Das hat mich am Ende mindestens einen Platz gekostet.“ Adrian Sutil wurde 13., Timo Glock konnte wegen eines Getriebedefekts nicht starten.

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