Sport : Vier Tore gegen Anschutz

Der amerikanische Eisbären-Besitzer sieht die 2:4-Niederlage gegen die Kölner Haie

Claus Vetter

Berlin - Der kleine Bereich im Sportforum Hohenschönhausen, in dem bei Heimspielen der Eisbären prominente Gäste Platz nehmen dürfen, ist bei Auftritten des deutschen Eishockeymeisters eher selten ausgebucht. Gestern allerdings war das Blau der rund 50 Plastikschalensitze auf der so genannten „Vip-Tribüne“ nicht zu sehen. Denn dort saßen bekannte Menschen aus Politik und Wirtschaft, unter ihnen Klaus Wowereit und Philip Anschutz. Der Regierende Bürgermeister Berlins und der Eigner der Eisbären sahen allerdings ein Spiel, dessen Ausgang ihnen nicht gefallen konnte, schließlich verloren die Eisbären 2:4 (1:1, 0:1, 1:2) gegen die Kölner Haie. Für die Berliner war die unglückliche Niederlage nach zwei Siegen ein kleiner Rückschlag.

Dabei hatte der Nachmittag freundlich begonnen für die Eisbären. Exakt zwei Minuten waren gespielt, da erhoben sich Wowereit und Anschutz von ihren Sitzen, um Applaus zu spenden: Andy Roach hatte im Berliner Powerplay mit einem Distanzschuss das 1:0 für die Eisbären erzielt. Nachdem sich die Prominenz auf der Tribüne wieder gesetzt hatte, machten die Berliner weiter Druck. Allerdings gab sich Kölns Torwart Adam Hauser keine Blöße. Durch eine Berliner Unachtsamkeit kamen die Haie ins Spiel: Unbehelligt konnte Lasse Kopitz bei Kölner Überzahl von der blauen Linie aus das 1:1 erzielen.

Im zweiten Drittel gelang Sebastian Furchner nach einem Konter das zweite Kölner Tor. Die Berliner trafen selbst in Überzahl nicht ins Tor, sondern durch Mark Beaufait nur den Pfosten. Die Schwächen im Powerplay waren beim Meister auch im Schlussabschnitt unübersehbar, erst bei der zweiten 5:3-Überzahl setzte Stefan Ustorf mit dem verdienten Treffer zum 2:2 der Berliner Powerplay-Schluderei ein Ende. Doch knapp vier Minuten vor der Schlusssirene gelang Yvan Ciernik nach einem Konter das Tor zum glücklichen Kölner 3:2, Moritz Müller traf sogar noch zum 4:2 – nach einem Berliner Fehlpass, was Pierre Pagé die Laune verdarb. Seine Spieler Florian Busch, André Rankel und Tobias Draxinger hätten in der Szene gezeigt, „dass sie nichts gelernt haben“, schimpfte der Trainer. „Sie wollten Helden sein und jetzt sind die Punkte weg.“ Und das sei besonders ärgerlich, weil das Spiel sehr gut gewesen sei: „Wir hatten 36 zu 16 Torschüsse.“ Allerdings liegen die Eisbären in der Pagéschen Wertung meist vorne.

Die Prominenz auf der Tribüne hatte gestern am Ende also keinen Grund zur Freude. Ohne zu applaudieren verließen Wowereit und Anschutz ihre Plätze im mit 5000 Zuschauern ausverkauften Sportforum. Häufig werden der Regierende Bürgermeister und der Eisbären-Eigner dort nicht mehr zu sehen sein, schließlich haben die Bauarbeiten an der O2 World, der Großarena am Ostbahnhof, begonnen – und da wird die Prominenz in zwei Jahren bei Eishockeyspielen komfortabler sitzen als gestern. Es war natürlich so, dass Anschutz nicht nur zum Spaß, sondern vor allem wegen seines Hallen-Projektes in Berlin weilte. Öffentlich dazu äußern wollte sich der Milliardär aus Denver auch gestern nicht. Dafür sagte Wowereit nette Dinge über die Eisbären. Das Grundkonzept des Meisters sei es ja, auf junge Spieler zu setzen. „Man muss die Perspektive sehen“, sagte Wowereit. Und müsse auch Geduld haben, wenn es mal nicht so läuft – was gestern der Fall war und die elfte Berliner Saisonniederlage im 18. Spiel zur Folge hatte.

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