Sport : Vierfach-Sprünge vor Silvester

Bei den Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften ist Olympia das große Thema

Frank Bachner

Berlin - Der vierfache Toeloop war zuletzt ein Problem. Stefan Lindemann stand ihn nicht mehr sicher, deshalb musste er an einem wichtigen Teil seines Kür-Programms im Training hart arbeiten. Favorit ist er trotzdem. Wer sollte ihn, den WM-Dritten von 2004, bei den Deutschen Eiskunstlauf-Meisterschaften in Berlin besiegen? Lindemann hat in Deutschland keine ernsthaften Konkurrenten, er wird wohl seinen fünften Titel gewinnen. Er hat ja auch keinen Erfolgsdruck. Der Erfurter ist der einzige Athlet in Berlin, der sicher bei den Olympischen Winterspielen in Turin starten wird. Er ist bereits qualifiziert, nur eine Verletzung kann ihn jetzt noch stoppen. Und in Turin hat er durchaus eine Medaillenchance.

Qualifiziert für Turin sind zwar auch noch die Paarläufer Aljona Sawchenko und Robin Szolkowy (beide Chemnitz), doch die gebürtige Ukrainerin Sawchenko wartet immer noch auf ihren deutschen Pass. Den kann sie bis zum Ende der Meldefrist für Turin aber nur mit einer Ausnahmegenehmigung des sächsischen Innenministers erhalten, doch der hat noch nichts entschieden. Bleibt sie bis Mitte Januar ohne Pass, wird das erfolgversprechendste deutsche Paar seit vielen Jahren in Turin fehlen. Und damit verliert die Deutsche Eislauf-Union (DEU) ein Paar mit Medaillenchancen. Schließlich wurden die EM-Vierten von 2005 beim Grand-Prix-Finale Dritter.

Turin, um dieses Thema dreht sich alles bei den Meisterschaften, die heute mit der Eistanz-Pflicht beginnen (20.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen). Erstmals seit mehr als 100 Jahren werden die Titel zwischen Weihnachten und Silvester vergeben; wegen Turin geht es nicht anders. Schließlich ist schon im Januar die EM in Lyon. Und die hat enorme Bedeutung. In Lyon können sich verschiedene deutschen Athleten für Turin qualifizieren. Und die Chance, bei Olympischen Spielen zu starten, sind so groß wie seit Jahren nicht. Die DEU darf in Turin theoretisch in jeder Disziplin wenigstens einen Athleten stellen. Das verdankt sie jüngsten guten internationalen Resultaten. „So eine Quote haben wir seit mindestens drei Olympischen Spielen nicht mehr gehabt“,sagt DEU-Sportdirektor Udo Dönsdorf. Freilich muss zum Beispiel die Deutsche Einzel-Meisterin bei der EM unter die ersten Acht kommen, nur dann ist sie für tatsächlich Turin qualifiziert. Für die DEU ist eine möglichst große Olympia-Präsenz auch aus finanziellen Gründen wichtig. Schließlich hängen die Fördergelder des Deutschen Sportbundes erheblich von Olympia-Ergebnissen ab. Und mit Ausnahme des Eistanzes sind alle deutschen Eiskunstläufer in der Förderstufe IV gruppiert - der tiefsten. Nur die Eistänzer liegen auf Stufe III.

In Berlin wird es vor allem bei den Frauen und im Paarlauf spannend. Annette Dytrt (München) gilt zwar als Favoritin im Einzel, doch sie ist nervlich so labil, dass sie leicht ihren vierten Titel verpassen könnte. Hinter ihr drängen die Vorjahreszweite Sarah Villanueva (Dortmund), das größte deutsche Talent seit Jahrzehnten, sowie Christine Berger und Denise Zimmermann (beide Mannheim).

Auch im Paarlauf drängt sich die Konkurrenz hinter Sawchenko/Szolkowy. Die DEU hat im Paarlauf zwei Olympia-Plätze und bei der EM drei Startplätze. Neben Eva-Maria Fitze und Rico Rex (Chemnitz) zählen auch Mari-Doris Vartmann/Florian Just (Dortmund) und Rebecca Handke/Daniel Wende (Möhnesee/Essen) zu den Medaillenkandidaten. Den Eistanz werden Christina und William Beier (Oberstdorf) dominieren, die Aufsteiger dieser Saison. Aber auch sie müssen um einen Olympia-Platz kämpfen. Bei der Europameisterschaft, so lautet die Vorgabe, müssen sie mindestens Elfte werden.

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