Sport : Vierschanzentournee: An Adam Malysz springt derzeit keiner vorbei

Der Weg zum Sieg bei der Vierschanzentournee führt nur über Adam Malysz. Der Pole sprang in der Qualifikation zum dritten Springen am Innsbrucker Bergisel mit 120,5 m Schanzenrekord und schlüpfte damit in die Rolle des Top-Favoriten. Der 23-Jährige verbesserte die Bestmarke von Dieter Thoma von 1997 um einen halben Meter. Martin Schmitt (Furtwangen) belegte hinter dem Finnen Janne Ahonen (108,5 m) mit 107 m Rang drei, Sven Hannawald (Hinterzarten) wurde mit 104 m Achter. "Wahnsinn, toll wie er springt", staunte Schmitt über den dritten Schanzenrekord der Tournee. Für Bundestrainer Reinhard Heß war der Satz des Polen sogar "außerirdisch". Malysz hatte bereits in Garmisch-Partenkirchen den Rekord um unglaubliche 6,5 m gesteigert.

Trotz der derzeit überragenden Form des Familienvaters aus Wisla hat Bundestrainer Heß seine Nummer eins Martin Schmitt aber noch nicht abgeschrieben. "Er muss auf die Tagesform hoffen, dann wird er wieder zu außergewöhnlichen Leistungen fähig sein", fügte aber hinzu: "Man muss aber auch akzeptieren, wenn es im Moment einen besseren gibt." Schmitt selbst äußerte sich zurückhaltend: "Es bringt nichts, über die Gesamtwertung nachzudenken, ich muss einfach nur einen guten Sprung machen." Die Tatsache, dass am Bergisel seit Weißflog 1984 kein Deutscher mehr gewinnen konnte, ließ ihn aber kalt. Nach zwei von vier Tourneestationen liegt der Weltcupsieger als Dritter 9,3 Punkte hinter Malysz und 18,5 Zähler hinter dem Führenden Noriaki Kasai (Japan) zurück.

Dass Schmitt überhaupt rund zehn Meter auf Kasai aufholen muss, führt Weißflog auf eine Benachteiligung durch die Kampfrichter zurück. Der dreimalige Olympiasieger hält Schmitt bereits beim Auftaktspringen in Oberstdorf für unterbewertet. "Wahrscheinlich wollten die Kampfrichter den Top-Favoriten nicht gleich zu Beginn der Tournee in den Himmel heben, um sich nicht dem Vorwurf der Parteilichkeit auszusetzen. Doch korrekt war das nicht", sagte Weißflog. Schmitt war in Oberstdorf acht Meter weiter als die alte Bestmarke gesprungen. "Martin steht diesen Wahnsinnsflug mit einem perfekten Telemark-Aufsprung. Und bekommt dafür nur Noten um 17,5. Um dies zu verdeutlichen: Die höchste Note ist 20 - für einen perfekten Sprung", sagte Weißflog.

Kasai hält er auf dem Spitzenplatz für überbewertet. "Der Japaner führt zu Unrecht in der Gesamtwertung. Bei seinem Siegessprung in Partenkirchen wurde er - trotz eines Wacklers beim Aufsprung - viel zu hoch bewertet", sagte der 36-Jährige. Dies liege daran, dass man sich seine Noten auch durch ständige Präsenz in der Spitze erarbeiten müsse. Daher sei auch Malysz bei seinem Rekordsprung in Garmisch benachteiligt worden. "Die Kampfrichter kennen ihn noch nicht allzu lange als Spitzenspringer. Wäre es mit rechten Dingen zugegangen, müsste jetzt Malysz vor Schmitt führen. Trotzdem wird es zum Duell zwischen Malysz und Schmitt kommen", glaubt Weißflog. In den K. o.-Duellen trifft Schmitt heute (13.45 Uhr/RTL live) auf Uhrmann.

Malysz hatte bereits im Training die weitestens Sätze (111,5, 114) gezeigt. Nach verhaltenem ersten Sprung überzeugte Schmitt mit 111 m ebenfalls. Auch Kasai (107 m), Ahonen (109 m) und Hannawald (104,5) kamen gut zu Recht.

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