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Vierschanzentournee : Auftaktspringen in Oberstdorf abgebrochen

Wind und Schnee, angefangen, mehrfach unterbrochen, ewig beraten und dann doch abgebrochen: Das Skispringen in Oberstdorf wurde zum ersten Mal abgesagt. Der Nachholtermin für den Auftakt der Vierschanzentournee steht schon fest.

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Erst rote, dann weiße Fahne: Der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf wurde wegen Wind und Schnee abgebrochen. Foto: dpa
Erst rote, dann weiße Fahne: Der Auftakt der Vierschanzentournee in Oberstdorf wurde wegen Wind und Schnee abgebrochen.Foto: dpa

Kurz nach 18 Uhr hatte sich an der Bushaltestelle in der Oberstdorfer Prinzenstraße eine fünzigköpfige Menschentraube gebildet. Viele hatten deutsche oder österreichische Fahnen dabei, sie kamen aus der Arena am Fuße der Schattenbergschanze. Sie hatten zuvor bei heftigem Schneefall und Minustemperaturen mindestens eineinhalb Stunden vergeblich auf das erste Springen der Vierschanzentournee gewartet. „Mir ist kalt“, sagte eine verhinderte Zuschauerin. Es war ihr auch egal, dass in diesem Moment auf der hell erleuchteten Schanze im Hintergrund der erste Springer die Anlaufspur hinunterfuhr. Sie hatte nur noch eine Sorge: „Kommt heute noch ein Bus?

Die frierende Zuschauerin hatte die richtige Entscheidung getroffen, eine kalte Stunde und elf Springer später entschied sich die Jury, das erste Springen der Vierschanzentournee am Sonntag abzusagen. Es ist das erste Mal, dass der Auftakt im Allgäu verschoben werden musste. Das Springen wird nun am Montag (17.30 Uhr/ARD) nachgeholt, erneut in Oberstdorf, und stellt alle Beteiligten vor eine schwierige Aufgabe. „Ich komme nicht“, sagt der Mann, der den Pressezugang am Kurhaus bewacht, „ich muss morgen arbeiten und viele andere Helfer auch.“

Die Trainer allerdings begrüßten die Entscheidung. „Ich bin schon erleichtert, das hat heute keinen Sinn gemacht“, sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster, „da hätte man auch würfeln können – und es war sogar gefährlich.“ Starker Schneefall und wechselnde böige Winden verhinderten einen fairen Wettkampf. „Das Zusammentreffen von Schnee und Wind ist das Problem“, sagte Walter Hofer, Renndirektor des Internationalen Skiverbandes (Fis). Die Bedingungen brachten sogar die Sicherheit der Athleten in Gefahr. Wie der deutsche Springer Marinus Kraus bei seinem Sprung unabsichtlich deutlich machte.

Das Springen wird am Montag nachgeholt - doch erneut droht schlechtes Wetter

Ihn erwischte eine starke Böe im Flug, er geriet gefährlich ins Schaukeln und konnte einen Sturz nur knapp vermeiden konnte. „Die Bedingungen sind kritisch“, sagte er, „man muss Glück haben, dass man nicht auf der Nase liegt.“ Der österreichische Trainer Heinz Kuttin gab allerdings auch Marinus Kraus Mitschuld an dem Fast-Unglück: „Er hat beim Absprung auch einen Fehler gemacht.“

Besonders das ständige Warten und die viertelstündlichen Verschiebungen hatten Kraus’ Konzentration geschadet. „Das Warten ist für uns der Horror pur, weil wir keine Ruhe haben.“ Ständig musste er damit rechnen, in die Spur herunter gelassen zu werden. Markus Eisenbichler lobte ihn „Das war eine Meisterleistung, dass Marinus Kraus den Sprung gestanden hat.“ Auch Eisenbichler machte eine Negativerfahrung mit dem Oberstdorfer Winden. „Man spürt in der Luft, was da mit einem passiert“, sagte der 23 Jahre alte Sportsoldat, „plötzlich kommt der Rückenwind rein, bumm, geht der Ski runter, da musste ich einfach landen.“

Die Jury verschob das Springen auch deshalb immer wieder, weil für den Abend eine Wetterbesserung vorhergesagt worden war – die allerdings nie eintraf. „Die Zuschauer tun mir leid“, sagte der österreichische Trainer Heinz Kuttin. 24 500 Zuschauer warteten im Schneetreiben. Viele von ihnen blieben bis zur Absage im Stadion, bei manchem stieg sogar mit jeder Stunde Wartezeit die Stimmung. Woran die alkoholischen Angebote in der Oberstdorfer Arena allerdings nicht unschuldig waren. Andere vertrieben sich die Zeit mit Ententanz. Die österreichischen Springer machten eine Schneeballschlacht und die ARD begann irgendwann in ihrer Verzweiflung, auch die Vorspringer zu interviewen. Bevor um 19.12 Uhr das Springen endgültig abgesagt wurde, ging im Warteraum der Skipringer auch noch das Trinkwasser aus.

„Ich springe heute nicht mehr da runter“, sagte Marinus Kraus nach seinem Fast-Sturz geschockt. Das musste er auch nicht mehr, allerdings wird sich diese Frage für ihn am Montagabend erneut stellen. Die ersten Wettervorhersagen kündigten das gleiche Wetter wie am Sonntag an: Schnee und Wind.“

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