Sport : Vierschanzentournee: Das Fell des Bären

Hartmut Moheit

Abgehakt. Martin Schmitt ist seit Oberstdorf um 90 000 Mark reicher. Spekulieren wir mal, wie es weitergehen wird nach dieser ersten Station der Vierschanzentournee. Es folgen noch Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen. Auf das Konto des Teeny-Stars werden am Ende fast eine halbe Million fließen, zudem wird er künftig mit einem flotten Coupé aus Ingolstadt durch den Schwarzwald düsen. Als immaterielle Beigabe wird er sich rühmen können, erster Skispringer in 49 Jahren gewesen zu sein, der hintereinander auf allen vier Schanzen gewonnen hat. Für die Konkurrenz bleiben nur noch - die nicht unattraktiven - Brosamen übrig ...

Im Ernst: Bei der außergewöhnlichen Klasse von Martin Schmitt ist das tatsächlich möglich. Allein, wie er in Oberstdorf mit einem Schanzenrekord den Erfolg sicherte, das spricht für ihn. Was wäre aber passiert, hätte ihn das Luftpolster durch irgendeinen Umstand nicht so tief ins Tal getragen? Das kann ihm übrigens auch auf einer der folgenden Tourneestationen passieren. Am Urteil über seine Klasse würde das kaum etwas ändern. Lediglich diejenigen, denen er den zusätzlichen Druck zu verdanken hat, kämen in Erklärungsnöte. Nicht das Team um Bundestrainer Reinhard Heß, der ohnehin keiner von denen ist, die das Fell des Bären verteilen würden, noch bevor er erlegt ist.

Selbst wenn es eine Binsenweisheit ist: Der Sport ist nach wie vor keine Einbahnstraße. Gerade in der vorolympischen Saison investieren alle Länder mit Skisprung-Tradition enorme Mittel, um ihrerseits Erfolg zu haben. Sollte es den Deutschen dennoch gelingen, am Ende der Vierschanzentournee jedesmal vorn gewesen zu sein, dann bestünde immer noch ausreichend Zeit und Grund zur Euphorie. Wer jedoch einen Sieg - wie den von Martin Schmitt in Oberstdorf - nur abhakt, alles andere danach als Pflichterfüllung ansieht, der wird seinen Leistungen nicht gerecht.

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