Vierschanzentournee : Es geht abwärts

Zu viel abgenommen, falsche Technik: Der einstige Skisprung-Star Martin Schmitt ist chancenlos.

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Am Boden. Martin Schmitt scheiterte beim dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck im ersten Durchgang. -Foto: ddp

Innsbruck – Gregor Schlierenzauer ist ein höflicher Mensch, deshalb nahm er den Vergleich mit Martin Schmitt als Kompliment. „Es ist schon gewaltig, wenn man mit Martin Schmitt gleichziehen kann, das ist ein tolles Gefühl“, sagte der österreichische Skispringer. Nach seinem Sieg beim dritten Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck hat er mit nur19 Jahren 28 Weltcupsiege gesammelt – genauso viele wie der zwölf Jahre ältere Deutsche. Doch eigentlich treffen diese Siege auf den früheren Martin Schmitt zu, der zuletzt am 1. März 2002 in Lahti gewonnen hat.

Der aktuelle Martin Schmitt schleicht nach dem ersten Durchgang in Innsbruck mit gesenktem Kopf an den Zuschauern vorbei. Nur 113 Meter weit ist der 31-Jährige gehüpft, das reicht noch nicht einmal, um im Finaldurchgang ein zweites Mal vor 21 000 lärmenden österreichischen Fans von der Bergisel-Schanze springen zu dürfen. Platz 34 stand für ihn in Innsbruck zu Buche. Nach Platz 23 in Oberstdorf und Platz 23 in Garmisch-Partenkirchen ist die Tendenz eindeutig: Es geht abwärts. Leider nur im Klassement und nicht auf der Schanze. Doch der Bundestrainer will den kurzen Sprung von Innsbruck aufgrund schwieriger äußerer Bedingungen nicht überbewerten. „Wenn man aus eigener Kraft nur in der Lage ist, einen Platz um 15 zu belegen, kann man bei schlechten Windbedingungen schon einmal rausfallen“, sagte Werner Schuster, „er ist nicht viel anders gesprungen als sonst.“ Genau das ist das Problem.

Martin Schmitt ist sehr weit von jener Form entfernt, mit der er einst Weltcupsiege gefeiert hat. Ebenso weit entfernt ist er von jener Form, die ihm in der letzten Saison einen vierten Platz bei der Vierschanzentournee und Silber bei der WM in Liberec beschert hatte. „Er fehlt der Mannschaft am meisten“, sagt Schuster, „wenn er vorne drin wäre, wären wir stärker als letztes Jahr.“ So aber kann er bisher nur mit Pascal Bodmer, der in Innsbruck auf Platz acht sprang, zufrieden sein.

Die Fehlerbehebung gestaltet sich schwierig. Verschwunden sind zwar die körperlichen Probleme, die Martin Schmitt im Sommer hatte, als er offenbar zu viel abgenommen hatte, um sich in Form zu bringen. Doch nun hat sich ein technischer Fehler eingeschlichen. „Er hat nach wie vor Schwierigkeiten, die Anfahrtsposition so zu gestalten, dass er den Absprung technisch sauber hinkriegt“, sagt Werner Schuster, „beim Auslösen des Sprungs liegt sein Schwerpunkt zu weit hinten, und dann muss er den Körper irgendwie vorziehen, damit er in Flugposition kommt.“ Das aber koste ihn Höhe. Zudem habe er noch nicht das richtige Material gefunden. „Wir sind auf der Suche, wir haben jetzt im dritten Wettkampf den dritten Ski gesprungen“, sagt der Bundestrainer, „da ist es wahnsinnig schwer, Selbstvertrauen aufzubauen.“

Keine guten Voraussetzungen also, um am Mittwoch beim vierten und letzten Springen der Vierschanzentournee in Bischofshofen (16.30 Uhr, live in der ARD) eine ansprechende Leistung zu bringen. Doch Werner Schuster wäre ein schlechter Bundestrainer, wenn er nicht Mut machen würde. „In Bischofshofen sehe ich die besten Chancen für ihn“, sagt er, „auf dem langen Radius sollten die Balanceprobleme in der Anfahrt nicht so auftauchen.“ Ihn aus dem Wettbewerb zu nehmen, sei keine Option. „Die Vorbereitung war zu kostbar, als dass man jetzt alles wegschmeißen sollte.“ Erst nach dem Skifliegen am Kulm werde man gemeinsam an der Technik arbeiten. „Es ist noch ein bisschen Zeit bis zu den Olympischen Spielen in Vancouver“, sagt der Bundestrainer, „er ist nicht so weit weg.“

Martin Schmitt kann in Ruhe nach dem Fehler suchen. Die jungen Mädchen, die früher in der ersten Reihe standen und seinen Namen riefen, sind verschwunden. Für Freude bei den Fans sorgt nur noch sein Helmsponsor. Wenn ein Helfer, wie in Innsbruck, lila Mützen mit Hörnchen ins Publikum wirft. Benedikt Voigt

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