Vierschanzentournee : Gregor Schlierenzauer auf den Spuren von Björn Wirkola

Skispringer Gregor Schlierenzauer könnte mit dem dritten Vierschanzentournee-Sieg in Folge Geschichte schreiben. Die erste Bewährungsprobe steht für ihn am Sonntag auf dem Plan , wenn in Oberstdorf das Auftaktspringen stattfindet.

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Schönes Motiv. Neben dem Skispringen betätigt sich Gregor Schlierenzauer auch als Fotograf rund um die Schanze.
Schönes Motiv. Neben dem Skispringen betätigt sich Gregor Schlierenzauer auch als Fotograf rund um die Schanze.Foto: imago sportfotodienst

Die ungewöhnlichen Leistungen des Skispringers Björn Wirkola spiegeln sich sogar in der norwegischen Sprache wider. Das Idiom „Nach Wirkola springen“ bedeutet in Norwegen, keine richtige Chance zu haben, weil jemand anderes schon die ganze Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. So wie eben Wirkola, als er 1967, 1968 und 1969 die Vierschanzentournee gewann. Vielleicht wird es eines Tages, zumindest im österreichischen Sprachraum, ein ähnliches Idiom geben: nach Schlierenzauer springen.

Der Österreicher Gregor Schlierenzauer kann in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge die Vierschanzentournee gewinnen, die am Sonntag mit dem Auftaktspringen in Oberstdorf beginnt. Die Qualifikation findet am Samstag (16.30 Uhr, live in der ARD) statt. Schlierenzauer wäre der zweite Athlet, dem dieses Kunststück gelingt, nach Björn Wirkola eben. „Ich kann sicherlich auch gewinnen“, schreibt Gregor Schlierenzauer in seinem Blog, „ich mache mir da aber weniger Gedanken als die Experten oder Medien.“ Ein dritter Sieg bei der Vierschanzentournee in Folge wäre nur ein weiterer historischer Erfolg in der Vita des 23 Jahre jungen Österreichers.

Gute Chancen für Schlierenzauer

Die Vorzeichen stehen nicht schlecht. Gregor Schlierenzauer hat in diesem Winter schon wieder zwei Weltcupsiege in Kuusamo und Lillehammer verbuchen können. Im Gesamtweltcup liegt er hinter dem Polen Kamil Stoch auf dem zweiten Platz. Allerdings patzte er bei der Vierschanzentournee-Generalprobe am vergangenen Samstag und landete im ersten Springen nur auf Rang 27. „Ich war enttäuscht, dass ich nicht gut gesprungen bin, aber nicht beunruhigt, schließlich weiß ich, woran es scheiterte“, sagte Schlierenzauer. Bei ihm hapert es im Moment mitunter an der richtigen Anfahrtsposition. Im zweiten Wettbewerb in Engelberg konnte er tags darauf mit Rang vier etwas Wiedergutmachung betreiben.

Zwar gibt es neben Kamil Stoch, dem Norweger Anders Bardal oder den Deutschen Severin Freund und Andreas Wellinger einige Anwärter auf den Tourneesieg. Gregor Schlierenzauer bringt aber genau das mit, was es in den kommenden zehn Tagen brauchen wird: Erfahrung, Konstanz, Nervenstärke und Selbstbewusstsein. Letzteres hat er schon beim ersten Weltcupspringen in Klingenthal unter Beweis gestellt, als er sich gemeinsam mit Anders Bardal weigerte, bei gefährlichen Windbedingungen von der Schanze zu springen. Und wieder hinunter kletterte.

Skispringen und Fotografie

Das Gesetz der Serie spricht ebenfalls für den Österreicher. 2008 stammte letztmals ein Vierschanzentourneesieger nicht aus dem Land der Berge. Von 20 Springen in dieser Zeit gewannen die Österreicher 15. „Wir haben in diesem Jahr die Chance auf einen sechsten Streich und wollen die auch nutzen“, sagte der österreichische Cheftrainer Alexander Pointner der „Kleinen Zeitung“. Allerdings ist ihm in dieser Saison erstmals seit Jahren ein wenig die Mannschaft abhanden gekommen: Neben Schlierenzauer bot bislang nur Thomas Morgenstern ansprechende Leistungen. Von seinem Sturz in Titisee-Neustadt abgesehen. „Das ist Spitzensport“, sagt Pointner, „wir waren in den letzten Jahren sehr verwöhnt.“

Doch Gregor Schlierenzauer ist stark genug, um die Last der rot-weiß-roten Hoffnungen alleine zu schultern. „Skispringen ist immer noch eine Einzelsportart“, sagte er am Freitag. Trotz seiner erst 23 Jahre ist er bereits erstaunlich reif. Neben dem Skispringen hat er in der Fotografie ein zweites Interessensgebiet entdeckt. Er hat bereits mehrere Ausstellungen bestritten, seine jüngste heißt „Stille Momente“ und zeigt vor allem Bilder rund ums Skispringen. „Das Beste an diesem Bild sind die Farben“, kommentiert Gregor Schlierenzauer ein Bild der Bergisel-Schanze von Innsbruck, „das liegt daran, dass ich das Foto um 4.30 Uhr in der Früh geschossen habe, bei einem Werbedreh.“

Seine Fotokarriere fördert vor allem sein Sportsponsor, im Skispringen hat er alles selber erreicht. Längst trägt er den inoffiziellen Titel „Bester Springer aller Zeiten“, weil er so viele Weltcupspringen gewonnen wie kein anderer, 52 an der Zahl. Sechs WM-Titel hat er auch schon, 2010 holte er mit der österreichischen Mannschaft Gold. In Sotschi 2014 wird es für ihn vor allem darum gehen, nach zwei Bronzemedaillen die erste Einzelgoldmedaille zu gewinnen. Das ist noch nicht einmal Björn Wirkola gelungen.

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