Sport : Vierschanzentournee: Im Spiegel des Tages: Nachdenken über Rekorde

Ernst Podeswa

Wenn dem Skisprung-Bundestrainer etwas gegen den Strich geht, dann verzichtet er schon mal auf diplomatisch verklausulierte Botschaften. Und wählt stattdessen drastische Worte. Oder er greift zu verblüffenden Vergleichen. Damit auch hartgesottenen Adressaten ein bissel die Ohren klingen. Und ein Nachdenken einsetzt.

Damit die, die es angehen soll, nicht seine Meinungsäußerung stillschweigend unterm Tisch verschwinden lassen, hat Reinhard Heß gestern sogar eine Pressemitteilung formuliert. Der verantwortliche Betreuer der deutschen Skispringer appelliert an "Vernunft und Verantwortung". Und er spricht von "kosmischen Zuwachsraten" bei der Jagd nach neuen Schanzenrekorden.

Letzter Anstoß zu dieser Kritik war die Rekordverbesserung auf dem Bakken in Garmisch-Partenkirchen. Um sechseinhalb Meter steigerte der Pole Adam Malysz die Rekordmarke von Martin Schmitt, der in Oberstdorf die Bestweite gar um acht Meter übertroffen hatte. In einem Grenzbereich, in dem Zuwachsraten von einem Meter als eventuell machbar, von zwei als ungewöhnlich, von drei als sensationell angesehen werden dürfen. Malysz hat seinen Sprung mit artistischer Rücklage stehend gemeistert. Wahrscheinlich wäre jeder andere gestürzt. Mit möglicherweise schlimmen Folgen. Damit dies in Innsbruck oder Bischofshofen nicht tatsächlich passiert, deshalb hat Heß reagiert. Hoffentlich hat die Jury diese Mahnung verstanden.

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