Vierschanzentournee : Lauter Favoriten in der Spur

Der Schweizer Simon Ammann will endlich die Vierschanzentournee gewinnen, doch die Gegner haben gegenüber dem Olympiasieger enorm aufgeholt.

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Thomas Morgenstern. Foto: REUTERS
Thomas Morgenstern.Foto: REUTERS

Geht es nach Simon Ammann, so steht der Sieger der 59. Vierschanzentournee bereits vor dem ersten Springen fest. „Ich habe schon vor der Saisonbeginn den Sieg zum Ziel erklärt“, sagte er der „Neuen Züricher Zeitung“, „ich werde die Tournee gewinnen.“ Offenbar fehlt es dem doppelten Doppelolympiasieger im Skispringen nicht an Selbstbewusstsein, allerdings spricht ein Fakt auch gegen dieses Vorhaben: Er ist schon mehrmals als Favorit in die Tournee gegangen – und hat sie trotzdem noch nie gewonnen.

Einzig der Vierschanzentournee-Sieg fehlt dem 29 Jahre alten Schweizer in seiner eindrucksvollen Erfolgssammlung. In dieser Saison liegt er im Gesamtweltcup auf Rang fünf, was allerdings vor allem an seinen mäßigen Ergebnissen zuletzt in Engelberg (Platz 6, 9 und 12) lag. Nach seinem ersten Training vor dem heutigen Auftaktspringen in Oberstdorf (16 Uhr, live im ZDF) ist er wieder optimistisch. „Der Sprung läuft wieder“, sagt er, „ich konnte die Timing-Probleme beim Absprung überwinden.“ Allerdings ist er der Konkurrenz nicht mehr so überlegen wie in der vergangenen Saison, als er mit einem neuen Bindungssystem allen davongeflogen ist – abgesehen von der Vierschanzentournee. Inzwischen haben die Konkurrenten nachgerüstet. „Manchmal wünschte ich mir, es hätte überhaupt keine Pause gegeben“, sagt der Schweizer Sportler des Jahres 2010.

Dem Österreicher Thomas Morgenstern geht es ähnlich. Auch er ist schon öfter als Favorit zur Tournee angereist, doch mehr als ein zweiter Platz in der Saison 07/08 sprang nie heraus. Er geht allerdings mit einer ganz anderen Taktik als Ammann in die vier Springen von Oberstdorf, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen: nur keinen Druck aufbauen. „Als Favorit zu kommen, ist eine große Ehre“, sagt der 24 Jahre alte Springer. „Letztendlich sind es für mich vier normale Weltcupspringen, bei denen am Schluss ein Gesamtsieger auf dem Papier steht.“

Während Morgenstern die Erwartungen absichtlich herunterspielt, sieht ihn sein Heimtrainer Heinz Kuttin deutlich in der Favoritenrolle: „So wie Thomas Morgenstern momentan hinsichtlich Form, Reife und Persönlichkeit drauf ist, muss zuerst einer kommen, der besser springt.“ Das haben auch die Ergebnisse der letzten fünf Weltcupspringen unterstrichen: Viermal landete er auf Rang eins, einmal auf Platz zwei. Und vielleicht ist die Verletzung seines Teamkollegen Gregor Schlierenzauer, der wegen eines Innenbandanrisses im Knie frühestens beim dritten Springen in Innsbruck starten kann, auch ein Vorteil für ihn. Das teaminterne Duell zwischen Schlierenzauer und Morgenstern hatte in den letzten Jahren für Spannungen gesorgt, die das österreichische Team in der vergangenen Saison sogar mit dem Einsatz eines Humorberaters zu bekämpfen versuchte. Nun sagt Morgenstern: „Ich bin gut drauf.“

Das kann auch der Österreicher Andreas Kofler von sich behaupten. Das letzte Springen vor der Tournee in Engelberg hat er gewonnen. Und wie man die Tour über die vier Schanzen als Sieger beendet, weiß der 26 Jahre alte Titelverteidiger auch. „Das ist für mich in diesem Jahr eine neue Situation, ich kann befreit in die Tournee starten“, sagt er, „ich habe schon mal gewonnen.“

Wolfgang Loitzl ist Österreichs dritter Hoffnungsträger. Er hat ebenfalls die Tournee schon gewonnen, 2008. Auch spricht für ihn, dass er nach einem durchwachsenen Start in Engelberg seine Form gefunden hat. „Die Formkurve hat sich stabilisiert“, sagt Loitzl, der 30-jährige Routinier. Der älteste unter den aktuellen Favoriten ist Adam Malysz. Der 33 Jahre alte polnische Volksheld hat sich vor der Tournee mal wieder in eine aussichtsreiche Position geschoben. In Engelberg überzeugte er mit den Plätzen 14, 2 und 3, im Gesamtweltcup steht er zurzeit auf Platz sechs. Sein einziger Tourneesieg stammt zwar aus dem Jahr 2001, doch der gelernte Dachdecker hat sich in den letzten Jahren wieder in der Weltspitze etabliert. In Vancouver gewann er zwei Silbermedaillen. „Dies ist die anstrengendste Woche in jeder Saison, da jeder die Tournee gewinnen will“, sagt Malysz. Auch die Deutschen würden natürlich gerne gewinnen, nur stehen die Chancen dafür nicht sonderlich gut, obwohl sich gestern immerhin elf von ihnen für das heutige Springen qualifizierten.

Etwas besser sieht es bei den Finnen aus, die in Janne Ahonen sogar einen fünfmaligen Tourneesieger aufbieten können. In dieser Saison steht für den Altmeister des Skispringens jedoch lediglich ein 20. Platz als Bestleistung zu Buche. Vielleicht macht es ja sein Landsmann Matti Hautamäki besser, der in dieser Saison mit einer beeindruckenden Konstanz von den Schanzen fliegt: Nie landetet er schlechter als Platz sieben. Und Konstanz ist genau jene Leistung, die bei den acht Wertungsdurchgängen der Tournee besonders gefragt ist.

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