Sport : Vierschanzentournee: Mit Lkws auf Schneesuche

Benedikt Voigt

Das Skifahren rund um Oberstdorf hat schon mal mehr Spaß gemacht. Auf dem Nebelhorn zum Beispiel müssen sich die Freunde der Abfahrt mit einem Lift und einer Schneedecke von 40 Zentimetern abfinden. Neuschnee? Null, meldet der Wintersportbericht der Gemeinde. Auch den Skilangläufern geht es momentan nicht besser. Von 79 möglichen sind exakt sechs Kilometer auf dem Rundkurs Rohrmoos/Tiefenbach gespurt. Aber es gibt sowieso andere Beschäftigungen, die einem bei 9,4 Grad über null und Sonnenschein einfallen können, Spazierengehen zum Beispiel. Auf keinen Fall Skispringen.

Genau das soll aber in den kommenden Tagen in Oberstdorf stattfinden. Wenn die Temperaturen nicht noch höher steigen, startet am Donnerstag auf der Schattenbergschanze die 49. Vierschanzentournee mit dem Qualifikationswettbewerb (13 Uhr, live auf RTL). "Wir schaffen das", hatte Claus-Peter Horle schon in der vergangenen Woche gesagt. 2200 Kubikmeter Schnee musste der Vorsitzende des örtlichen Organisationskomitees mit seinen Helfern vom Skiklub Oberstdorf herankarren, weil die natürliche Schneeproduktion mal wieder ausfiel. Auch in den übrigen Veranstaltungsorte der Vierschanzentournee, Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen blieb der natürliche Schnee aus. Dennoch haben die Veranstalter schon in der vergangenen Woche verkündet, dass die Tour stattfinden kann. "Man kann insofern optimistisch sein, dass die Präparation der Anlagen zu hundert Prozent gesichert ist", sagt Walter Hofer, der Renndirektor des Internationalen Skiverbandes (FIS). Allerdings schränkt auch er ein: "Was natürlich offen bleibt, ist die tatsächliche Wetterlage vor Ort."

So geht das schon den gesamten Winter. Fünf Weltcupspringen mussten in dieser Saison ausfallen, weil selbst auf den norwegischen Schanzen der Schnee ausblieb. "Das sagt alles", findet Hofer, "es hat uns schlicht eine Großwetterlage erwischt, die man nicht planen kann." Weil die Springen in Lillehammer, Ramsau, Liberec und Engelberg abgesagt wurden, versuchten die deutschen Skispringer in Gällivare (Schweden) ihre gute Form zu halten.

Damit Martin Schmitt überhaupt die Möglichkeit bekommt, einen Sieg wie im Vorjahr in Oberstdorf zu wiederholen, mussten die Helfer vom örtlichen Skiklub auf ihrer Weihnachtsfeiertage verzichten. Nur am Nachmittag des Heiligabends durften die Helfer ruhen. "Am ersten und zweiten Feiertag müssen die Jungs an der Schanze voll ran", sagt Claus-Peter Horle. Zehn Lastwagen fahren seit einer Woche auf der Suche nach Schnee die Hochlagen rund um Oberstdorf ab. Im Rohrmoos, im Rappenalptal und dem Kleinwalsertal sind sie fündig geworden. An der Schattenbergschanze wird der Schnee mittels eine Windenwalze über den Aufsprung und den Auslauf verteilt. Die Anlaufspur bekommt noch eine Sonderbehandlung. Abgehobeltes Eis aus der Eissporthalle soll für ein sicheres Hinabgleiten der Aktiven sorgen. Nur bei Temperaturen über zehn Grad gibt es Schwierigkeiten, für alle Springer die gleichen Bedingungen in der Anlaufspur herzustellen.

Die Zuschauer glauben nicht, dass das Wetter dem ersten Springen Probleme bereiten könnte. Seit Anfang Dezember ist das erste Springen mit 18 000 Zuschauern ausverkauft. Selbst für die Qualifikation am Donnerstag sind mit 8000 Karten doppelt so viele wie in der vergangenen Saison verkauft worden. Gut möglich also, dass ein paar Kurgäste in dieser Saison beim Kartenkauf für die Vierschanzentournee leer ausgehen. Aber selbst für diese weiß der Wintersportbericht Oberstdorf eine Alternative. Das Kristall Kur- und Freizeitbad hat geöffnet - bei jedem Wetter.

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