Vierschanzentournee : Morgenstern siegt in Innsbruck

Thomas Morgenstern ist nach seinem Erfolg in Innsbruck der Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee wohl nicht mehr zu nehmen. Den deutschen Springern fehlt in diesem Winter die Konstanz.

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Springer auf dem Sprung. Thomas Morgenstern ist nach einer starken Saison auch bei der Vierschanzentournee eine Klasse für sich.
Springer auf dem Sprung. Thomas Morgenstern ist nach einer starken Saison auch bei der Vierschanzentournee eine Klasse für sich.Foto: Reuters

Bei der Auffahrt zum Innsbrucker Berg Isel wunderte sich ein Shuttle-Fahrer über die vielen Fahrzeuge, die am Straßenrand parkten. „Ja müssen die alle heute nicht arbeiten?“, fragte er. Als Österreicher müsste er die Antwort eigentlich wissen. Seit einigen Jahren, seit dem Höhenflug der österreichischen Skispringer, ist das dritte Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck für viele seiner Landsleute ein Feiertag. Selbst wenn das Springen auf einen Werktag fällt. Auch diesmal gab Thomas Morgenstern den meisten der 22 000 Zuschauer im Bergisel-Stadion Gelegenheit, ihre rot-weiß-roten Fahnen zu schwenken und für den Sieger am Ende die Hymne vom „Land der Berge“ anzustimmen.

„Jetzt weiß ich, wie sich Wolfgang Loitzl und Gregor Schlierenzauer gefühlt haben, als sie hier gewonnen haben“, sagte Morgenstern nach seinem ersten Sieg in Innsbruck. Mit Sprüngen auf 126,5 und 129,5 Meter dominierte er das dritte Springen der Vierschanzentournee vor dem Polen Adam Malysz und dem Norweger Tom Hilde. Weil Simon Ammann, sein größter Konkurrent im Duell um den Gesamtsieg, nur Vierter wurde, konnte sich der Österreicher in der Gesamtwertung mit 27,3 Punkten vom Schweizer absetzen. Das entspricht 15 Metern Vorsprung, weshalb ihm der Gesamtsieg kaum noch zu nehmen sein dürfte.

„Das Duell zwischen Morgenstern und Ammann war nach Garmisch-Partenkirchen spannend, jetzt ist es unspannend geworden“, sagte der deutsche Bundestrainer Werner Schuster. „Morgenstern hat die Klasse gezeigt, die er schon die ganze Saison gezeigt hat.“ In Innsbruck feierte der Olympiasieger von Turin seinen sechsten Saisonsieg. Auch in Oberstdorf hatte Morgenstern gewonnen, in Garmisch-Partenkirchen blies ihn der Wind auf Rang 14 zurück. „Es war heute sogar ein bisschen leichter als in Oberstdorf“, sagte Morgenstern. „Es ist ein Wahnsinn, wenn man ab 120 Metern die Leute in dem Kessel spürt.“ Eine ähnliche Stimmung dürfte ihn nun auch am Donnerstag beim letzten Springen in Bischofshofen erwarten, wo er als dritter Österreicher hintereinander die Tournee gewinnen kann.

Das sind Dimensionen, in denen kein deutscher Skispringer denkt. Ihnen fehlt in diesem Winter die Konstanz, bei jedem Springen schafft ein anderer die deutsche Bestleistung. Diesmal war es Michael Uhrmann, der mit einem zweiten Sprung auf Rang acht flog. Mit 126,5 Meter segelte er genauso weit wie Morgenstern. „Ich habe mich während der Tournee verbessert, aber es fällt nicht so auf, weil ich nicht weit vorne bin“, sagte Uhrmann.

Auch der Bundestrainer freute sich mit ihm, doch abgesehen vom Zehntplatzierten Pascal Bodmer konnte ihn das Ergebnis von Innsbruck nicht zufrieden stellen. Richard Freitag landete auf Platz 19, Stephan Hocke auf Rang 23 und Severin Freund auf Rang 24. Michael Neumayer schied bereits im ersten Durchgang aus. „Heute wohnen zwei Seelen in meiner Brust“, sagte Schuster. „Ich freue mich über Michael, aber wir haben unseren Aufstieg selbst gebremst.“ In der Gesamtwertung ist Uhrmann Neunter, Freund und Freitag folgen auf den Plätzen 12 und 13.

Ganz vorne steht Thomas Morgenstern. „Er ist in einer Superform, die hat er heute ausgespielt“, sagte der österreichische Trainer Alexander Pointner. In Bischofshofen müsste schon viel schief laufen, damit er nicht zum ersten Mal die Tournee gewinnt. Simon Ammann sagte: „Ich bin froh, dass jetzt erstmal ein Ruhetag kommt, damit ich am Donnerstag spritzig antreten kann, das macht mir ein kleines bisschen Hoffnung.“ Siegesgewiss klingt das nicht mehr.

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