Vierschanzentournee : Schmitt zum Auftakt Fünfter

Martin Schmitt wird zum Auftakt der Vierschanzentournee Fünfter – ganz zufrieden ist er damit nicht. Der Schweizer Simon Ammann gewinnt das erste Springen.

Benedikt Voigt[Oberstdorf]
Martin Schmitt
"Ich habe alles rausgeholt" Martin Schmitt. -Foto: ddp

Als Martin Schmitt sich gestern Abend auf den Bakken der Schattenbergschanze setzte, erhöhte der Stadionsprecher den Druck auf ihn. Erst ließ er die 22 000 frierenden Zuschauer in Oberstdorf seinen Namen rufen, dann forderte er sie auf, erstmals an diesem minus fünf Grad kalten Abend die Welle zu starten. Und steigerte damit die ohnehin hohe Erwartungshaltung im Publikum mit den deutschen Fahnen. Dieses wusste längst, dass Martin Schmitt wieder zu alter Form gefunden hat, es hatte das in den letzten Tagen oft lesen und hören können. Dabei wird freilich gerne vergessen, dass der 30 Jahre alte Skispringer in dieser Saison noch keinen Sieg und keinen Podestplatz erreicht hatte. Als Martin Schmitt also gestern Abend in die Spur ging, lastete großer Ballast an Erwartungen auf seinen Schultern. Er hat nicht enttäuscht.

Mit einem sehr guten ersten Sprung auf 134,5 Meter und einem durchschnittlichen zweiten Satz auf 129 Meter beendete Martin Schmitt das erste Springen der Vierschanzentournee auf Platz fünf. „Da kann ich nur gratulieren, er hat im ersten Durchgang bei schlechten Bedingungen einen fantastischen Sprung gezeigt“, sagte der neue Bundestrainer Werner Schuster. Martin Schmitt wirkte weniger glücklich. „Ich hatte mir im ersten Moment doch etwas mehr erhofft“, sagte er. Nach dem ersten Durchgang hatte er auf Platz vier gelegen. „Aber am Abend werde ich mich auch über den guten Tourneeauftakt freuen können.“

Sofort jubeln konnte der Schweizer Simon Ammann, der mit Sprüngen von 136,5 und 134 Meter seiner Rolle als Tourneefavorit gerecht wurde. Er siegte vor dem Österreicher Wolfgang Loitzl (135 und 134 Meter) und dem Überraschungsdritten, dem Russen Dimitri Wassiljew (134,5 und 136 Meter). „Wie das genau gegangen ist, weiß der Wassiljew wohl selber nicht“, sagte Österreichs Cheftrainer Alexander Pointner.

Simon Ammann kann mit dem Druck besser umgehen als Martin Schmitt

Auch Simon Ammann spürte die Last der Erwartungen. „Am schwierigsten ist es, mit sich selber zurechtzukommen“, sagte er, „aber ich habe mich super in Wettkampflaune gebracht.“ Der Doppelolympiasieger von 2002 konnte zum ersten Mal ein Springen bei der Vierschanzentournee gewinnen. Allerdings denkbar knapp. Lediglich 1,2 Punkte fehlten Wolfgang Loitzl für seinen ersten Weltcupsieg, weil er bei der Landung den Telemark unsauber setzte. „Ich musste alles aus mir herausholen“, sagte Simon Ammann, „für mich ist das ein Riesending.“ Der Österreicher Gregor Schlierenzauer, der als zweiter Favorit auf den Tourneesieg gilt, belegte nach einem guten zweiten Sprung Platz vier. „Wir sind in Schlagdistanz“, sagte der österreichische Sportdirektor Toni Innauer.

Mit den deutschen Springern war der Bundestrainer zufrieden. Michael Neumayer auf Rang neun, Michael Uhrmann auf Rang zehn und Stephan Hocke auf Rang 15 komplettierten die deutsche Bilanz. „Eine super Startposition für die Tournee“, urteilte Werner Schuster. Neumayer und Uhrmann verschenkten im zweiten Durchgang eine bessere Ausgangsposition. „Sie hätten mehr machen können, aber es ist super, dass sie sich unter den besten Zehn der Welt behaupten konnten“, sagte Schuster. Martin Schmitt war im zweiten Durchgang in den alten Fehler verfallen. „Er ist bei der Anfahrt mit dem Gesäß zu tief gekommen, alles weitere waren Folgefehler“, sagte Fernsehexperte Jens Weißflog, „daran merkt man seine Anspannung.“

Vor dem Neujahrsspringen in Garmisch-Partenkirchen liegt das Feld eng beisammen. „Es kam mir vor wie das Taktieren bei einem Radrennen, niemand wollte die Führung übernehmen“, sagte der Alexander Pointner. Und am Ende legte jeder das Ergebnis zu seinen Gunsten aus. So sprach Simon Ammann Martin Schmitt weiter Chancen auf den Gesamtsieg zu. Und erhöhte damit wieder den Druck auf den Deutschen.

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