Sport : Vierschanzentournee: Suche nach dem verlorenen Scheck

Benedikt Voigt

Zwischen der Aufzeichnung für die "Tagesthemen" und der Aufzeichnung für den Südwestrundfunk hatte Sven Hannawald seinen Betreuer erspäht, der ein Briefkuvert in der Hand hielt. "Was ist drin?", fragte Hannawald, während er das Mikrophon in der Hand hielt, und der Mann im Anorak des Deutschen Skiverbandes, der das Preisgeld abgeholt hatte, zählte auf: Tagessiegprämie und Extraprämie für den Sieg in allen vier Springen. Hannawald aber vermisste noch einen Scheck. "Was ist mit dem Scheck für den Sieger der Gesamttournee? Den gab es immer." Sein Betreuer schaute noch einmal prüfend in das Kuvert und antwortete dann, dass derjenige schon weg sei, der ihm den Umschlag übergeben hatte. Und weil der Betreuer immer noch ungläubig blickte, sagte Hannawald: "Ohne Scheiß, das ist so."

Vielleicht ist es ganz gut, dass der neue Volksheld seit vier Jahren Werner Heinz an seiner Seite weiß. Der Manager dürfte ihm erklären können, dass das Preisgeld, das Hannawald vermisste, in dem Auto für den Gesamtsieger der Vierschanzentournee inbegriffen ist. Das Gefährt hat immerhin einen Wert von 45 000 Euro. Doch die Beiden hatten während der Tournee nur selten Kontakt. "Wir haben nur miteinander telefoniert", sagte der Manager. Das wird sich in den nächsten Tagen ändern, denn der 51-Jährige kann sich vor Anfragen für Sven Hannawald kaum noch retten. "Viele Journalisten und Fernsehsender haben angefragt", sagt der Manager.

Auch Sponsoren melden sich bei Heinz. Auf den Skiern ist momentan noch eine Werbefläche zu haben. "Zwei neue Sponsoren haben sich gemeldet und zwei, mit denen wir schon verhandelt haben", sagt der gelernte Kaufmann. Besonders letztere dürften sich jetzt ärgern. "Wir sind damals finanziell nicht klar gekommen", sagt Heinz. Nun müssen sie deutlich mehr bezahlen, Hannawalds Marktwert ist enorm gestiegen. Doch der Manager verspürt keine Eile. "Ich mache nur langfristige Verträge, meistens Dreijahresverträge."

Vor Saisonbeginn stand Hannawald noch ohne Sponsor da, ehe ein Mobilfunknetzbetreiber sich seine Dienste sicherte. Drei Verträge waren im Sommer ausgelaufen und wurden nicht verlängert, da er in der vergangenen Saison seinen sportlichen Tiefpunkt hatte. "Die letzten 18 Monate haben ihn sehr geprägt." Sein großer Vorteil sei jetzt, dass Hannawald sympathisch rüberkomme. Die Fans sind anscheinend seiner Meinung, denn im Laufe der 50. Vierschanzentournee ist das Merchandising mit Hannawald-Produkten um 1000 Prozent gestiegen. Am besten verkaufen sich die blauen Mützen mit dem Hannawald-Logo an der Seite: Über seinem Schriftzug prangt dort ein Schneekristall mit einem H in der Mitte.

Vor vier Jahren ist Hannawald vom ehemaligen Bundestrainer Rudi Tusch an Heinz vermittelt worden. Der Trierer managt außer dem Skispringer noch den Formel-1-Rennfahrer Nick Heidfeld. Heinz muss seinem Kunden allerdings nicht erzählen, was er mit dem vielen Preisgeld der Tournee machen soll. "Ich will mal ein Haus und Frau und Kinder haben", sagt Hannawald, "jetzt kann ich schon mal die Garage zahlen."

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