Sport : Vierte Liga vor großer Kulisse

Tausende Zuschauer kamen zum ersten Spieltag der Oberliga – Aufsteiger BFC Preussen ist der erste Tabellenführer

Marco Bosch

Trainer Theo Gries wollte nichts beschönigen. „Das war eine desolate Leistung meiner Mannschaft“, sagte er. Tennis Borussia hatte die Oberliga-Saisonpremiere am Freitagabend beim Ludwigsfelder FC gründlich verpatzt: 1:3 lautete der überraschende Endstand. Der Ludwigsfelder FC war bereits nach 120 Sekunden durch Christian Rauch in Führung gegangen. Dies war aber nicht der erhoffte Weckruf für die Charlottenburger. Nach einer halben Stunde war es erneut Rauch, der sich durchsetzen konnte und TeBe mit 0:2 in Rückstand brachte. Nach dem kurzzeitigen Anschluss durch Daniel Petrowsky in der 36. Spielminute bestimmten die Ludwigsfelder auch in der zweiten Halbzeit das Spiel. Ronald Maschke, der Sportlicher Leiter von TeBe, bemängelte in erster Linie die „schlechte Einstellung“ der TeBe-Spieler, die sich in den entscheidenden Szenen „nicht aggressiv genug“ wehrten und durch „leichtfertige Fehler“ den Gegner sogar noch stark machten. Maik Eidtner traf Mitte der zweiten Halbzeit zum 3:1-Endstand. Mit Blick auf das kommende Heimspiel gegen den 1. FC Union hofft Maschke, „dass das erste Spiel der Saison auch gleich das schlechteste war“.

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Dem SV Yesilyurt gelang es am Freitag, sein Heimspiel im Jahnsportpark gegen den BFC Dynamo mit 2:1 erfolgreich abzuschließen. Überschattet wurde die Partie jedoch von Auseinandersetzungen einiger gewaltbereiter Fußballfans mit der Polizei nach dem Abpfiff. 150 Randalierer attackierten die Polizei beim Verlassen des Stadions und beschädigten in Prenzlauer Berg mehrer Fensterscheiben und Autos. Fünf Polizisten mussten im Krankenhaus ambulant behandelt werden. Zuvor hatten 1418 Zuschauer ein gutklassiges Oberligaspiel gesehen. Die erste Halbzeit blieb weitgehend ausgeglichen, war jedoch geprägt von Unkonzentriertheiten im Abschluss und einigen Abspielfehlern im Mittelfeld. Nach dem Wechsel kam zunächst Dynamo besser ins Spiel: Danny Kukulies erzielte per Kopf das 1:0 für den BFC. Danach besann sich Yesilyurt auf das eigene technische Vermögen und drehte das Spiel. Das 1:1 köpfte Erlan Turan in der 50. Minute nach schöner Flanke von Sezer Badur. In der 79. Minute nutze Mittelfeldspieler Gökhan Ahmetcik einen Ballverlust von Christian Brutschin in der Dynamo-Abwehr aus und erzielte den verdienten 2:1-Endstand. Am Sonntag distanzierte sich BFC-Präsident Mario Weinkauf „von den Krawall-Zuschauern“, bezeichnete aber auch den Einsatz der Polizei als „unverhältnismäßig und unkontrolliert“.

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Einen vergleichsweise unaufgeregten Sonntagnachmittag erlebten die Betzeiligten in Torgelow. Im Spartakus-Stadion trennten sich der Torgelower SV Greif und Türkiyemspor 0:0, vor immerhin 1500 Zuschauern. Nur 900 waren erwartet worden. Dietrich Lehmann, Sportlicher Leiter des Oberliga-Aufsteigers aus Mecklenburg-Vorpommern, war sehr zufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft: „Man hat gesehen, dass wir in der Oberliga mithalten können.“ Türkiyemspors Manager Fikret Ceylan hatte ebenfalls wenig auszusetzen: „Wir konnten in der Vorbereitung nur auf Kunstrasen trainieren, dafür war die Leistung der Mannschaft heute okay.“ Für das nächste Spiel gegen den SV Yesilyurt wird sich Türkiyemspor jedoch deutlich steigern müssen: „Da müssen wir viel kompakter stehen“, weiß Ceylan. In vier bis fünf Wochen wolle der Manager dann Bilanz ziehen, in welche Richtung es in dieser schwierigen Oberliga-Saison gehe.

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Am Sonnabend gewann der BFC Preussen gegen die TSG Neustrelitz deutlich mit 4:2. Überragender Akteur auf Seiten der Berliner war Marcello Bellomo, der vom SV Yesilyurt zu den Preussen gekommen ist. Mit dem Sieg stehen die Preussen in der Tabelle der Oberliga vorerst auf Platz eins – als Aufsteiger. Geschäftsführer Werner Knaack geht davon aus, „dass die Tabellenführung nur eine Momentaufnahme ist“. Das Auftaktspiel beherrschten die Preussen klar. Nachdem die Berliner durch Ahmir Mohra mit 1:0 in Führung gegangen waren, schafften die Neustrelitzer zwar den Ausgleich, doch in der Folgezeit präsentierten sich die Preussen geschlossener und taten mehr für das Spiel. Adem Öztürk brachte den Gastgeber mit einem strammen Schuss aus halblinker Position in Führung. Neuzugang Bellomo erhöhte den Abstand mit seinem Treffer zum 3:1. Dem 19-jährigen Abwehrspieler Erdal Özdal gelang sogar noch das 4:1. Bellomo hatte die Chance, das Ergebnis mit einem Elfmeter auf 5:1 auszubauen, vergab jedoch. Das 4:2 von Neustrelitz kurz vor Schluss kam zu spät, um noch Einfluss auf das Spiel zu haben. Die nächsten Gegner der Preussen sind der Berliner AK und TeBe, deswegen war es für Werner Knaack „unheimlich wichtig, schon einmal drei Punkte auf der Habenseite verbuchen zu können“.

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Die Freude beim 1. FC Union, dem Favoriten für den Aufstieg, über die ersten drei Punkte blieb eher verhalten. Den 2:1 (1:1)-Sieg über den Berliner AK fasste Mittelfeld-Routinier Jörg Schwanke in der treffenden Analyse zusammen: „Das war ein Arbeitssieg, nicht mehr und nicht weniger.“ Und auch der ehemalige Profi Jörg Heinrich wusste die 90 Minuten im Stadion an der Alten Försterei richtig einzuordnen. „Das war eines dieser typischen Saison-Auftaktspiele“, sagte der frühere Dortmunder, der Mitte der zweiten Halbzeit mit seinem Tor zum 2:1 die Entscheidung erzwungen hatte. Der 1. FC Union wird sein zweifellos vorhandenes Potenzial am Freitagabend noch nicht vollständig abgerufen haben. Am kommenden Sonntag wartet nun im Mommsenstadion Tennis Borussia auf die Köpenicker. Union hat in der vorigen Saison schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht mit TeBe. Seinerzeit als Regionalligist noch eine Klasse höher spielend schied Union im Mommsenstadion mit 0:2 aus dem Berliner Pokalwettbewerb aus. Einige Union-Fans konnten das nicht verkraften: Sie zettelten Krawalle an.

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