Viertelfinale erreicht : Dortmund reift in der Champions League

Die Dortmunder fühlen sich in der Champions League inzwischen heimischer als in der Bundesliga. Trainer Jürgen Klopp glaubt, den Grund dafür zu kennen.

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Immer, wenn das Flutlicht strahlt. In dieser Champions-League-Saison ist Borussia Dortmund noch unbesiegt.
Immer, wenn das Flutlicht strahlt. In dieser Champions-League-Saison ist Borussia Dortmund noch unbesiegt.Foto: AFP

Fußballfans können schon ziemlich fordernd sein. Das bemerkenswerte Spiel gegen Schachtjor Donezk war noch keine halbe Minute abgepfiffen, da intonierte die Dortmunder Südtribüne in tosender Lautstärke: „Wir wollen den Derbysieg!“ Dabei galt es eigentlich, nicht das ewig brisante Spiel bei Schalke am Samstag in den Fokus zu rücken, sondern den Augenblick zu genießen. 15 Jahre ist es her, dass der BVB in der Champions League bis ins Viertelfinale vorgedrungen ist.

3:0 gegen den mit zig Millionen hochgerüsteten Ukrainischen Meister, das war nicht nur ein klares Ergebnis, sondern auch eine Demonstration der europäischen Stärke. Was der BVB in der Champions League abliefert, ist eine bemerkenswerte Leistung für einen Klub, der in den vergangenen beiden Jahren auf internationalem Terrain noch für zu leicht befunden worden war. Jürgen Klopp sprach von einem „großartigen Moment, und genau so fühlt es sich an“. Dortmunds Trainer geriet ins Schwärmen, als er nach den Toren von Felipe Santana, Mario Götze und Jakub Blaszczykowski die Eindrücke Revue passieren ließ: „Wir waren heute unglaublich stark, und das von der ersten Sekunde an. Es war eine große Leistung, ich bin stolz auf meine Mannschaft.“

Kapitän Sebastian Kehl, der wohl wie Sven Bender im Derby gegen Schalke ausfallen wird, stufte die Leistung des Deutschen Meisters als „phasenweise berauschend“ ein. Borussia Dortmund ist immer noch in der Lage, seinen Fußball mit jugendlichem Überschwang zu präsentieren. Allerdings, ohne sein Engagement mit naiven Fehlern zu gefährden. Fünf Siege und drei Unentschieden, so lautet die bisherige Ausbeute in Europa.

In der Bundesliga spielt die Borussia nicht so konstant, was die Vermutung nahe legt, die Dortmunder legten ihren Fokus auf die Abende, an denen sie sich mit dem europäischen Fußballadel messen dürfen. Klopp widerspricht dieser Einschätzung und betont stattdessen, dass seiner Mannschaft Gegner liegen, die selbst den Anspruch haben, das Spielgeschehen zu bestimmen. „Unser Gegenpressing ist deutlich besser geworden, aber in der Bundesliga brauchen wir diese Qualität nicht zu häufig. Da müssen wir andere Lösungswege finden, und das ist uns in dieser Saison nicht immer so zuverlässig gelungen.“

Die Champions League ist also ein Wettbewerb ganz nach Dortmunder Gusto, und mit jedem Sieg rückt die Borussia weiter in den Kreis der Titelfavoriten. Mircea Lucescu, rumänischer Trainer in Diensten von Donezk, hatte vor dem Spiel in Dortmund verkündet, der Sieger dieses Duells würde ins Finale von Wembley einziehen. Es würde ihn „sehr freuen, wenn er als Hellseher ähnliche Qualitäten hätte wie als Trainer“, sagte Klopp, als er mit dieser Aussage konfrontiert wurde, „aber so richtig glauben mag ich daran noch nicht. Wir denken noch nicht so weit.“

Zumindest sind sie beim BVB inzwischen so selbstbewusst, dass sie sich durchaus zutrauen, auch das Viertelfinale zu überstehen. „Ich hoffe sehr, dass unsere Reise hier noch nicht zu Ende ist“, sagte Kevin Großkreutz. Auch Klopp verspürt Lust auf mehr. „Wir können nicht an jedem Tag die Fußballwelt verändern, aber an manchen“, sagt der Trainer.

Tatsächlich ist die Borussia weiterhin in der Lage, sich an sich selbst zu berauschen und dabei ihren mitreißenden Fußball mit hoher taktischer Disziplin zu verbinden. Leidenschaft und Effizienz, das ist eine Kombination, die diese Mannschaft zu Großem befähigt. Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender Spaßfaktor. Direkt nach dem Spiel feierten die Dortmunder in der Kabine eine nicht zu überhörende Party. Ob er auch das eine oder andere Stück auflegen werde, wurde Klopp gefragt. „Ganz bestimmt nicht“, betonte der Trainer, mit der Musik dieser Generation könne er nichts anfangen: „Daran sieht man, wie alt ich geworden bin.“

Bevor er in der Nacht verschwand, hat sich Mario Götze dann doch noch den Fragen gestellt und betont, man werde jetzt erst einmal den Abend genießen. „Aber dann bereiten wir uns auf das Derby vor.“ Die Fans werden es mit großem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen.

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