Viertelfinale gegen Frankreich : Spaniens letzter Angstgegner

Spanien hat noch nie ein Turnierspiel gegen Frankreich gewinnen können. Im EM-Viertelfinale heute Abend in Donezk soll diese Serie endlich reißen.

Alles Gute zum Hundertsten. Xabi Alonso könnte gegen Frankreich sein Jubiläums-Länderspiel bestreiten.
Alles Gute zum Hundertsten. Xabi Alonso könnte gegen Frankreich sein Jubiläums-Länderspiel bestreiten.Foto: dapd

Frankreich ist vermutlich der letzte Angstgegner, der dem Welt- und Europameister noch bleibt. Noch nie konnte Spanien ein Turnierspiel gegen das Nachbarland gewinnen. Im EM-Finale 1984 holte die Generation um Michel Platini gegen Spanien den Titel. 2000 drosch Raúl im Viertelfinale einen Elfmeter in letzter Minute in den Abendhimmel über Brüssel. Im WM-Achtelfinale 2006 in Hannover schossen Patrick Vieira und Zinédine Zidane Frankreich kurz vor Spielende zum Sieg. „Ich hoffe, dass diese Pechsträhne dann vorbei ist“, sagt Trainer Vicente del Bosque vor dem Spiel heute. Im siebten offiziellen Vergleich soll die Serie reißen.

Spanien hat zwar zuletzt zweimal gegen Frankreich gewonnen, aber das waren eben nur Freundschaftsspiele. Doch die großen Generationen sind bei Frankreich abgetreten. Am Samstag feiert Zidane seinen 40. Geburtstag, der Sportdirektor von Real Madrid spielt längst nicht mehr mit. Nicht einmal er tippt auf seine Landsleute: „Im Moment ist es klar, dass Spanien der Favorit ist. Nicht nur in diesem Spiel, sondern für die gesamte EM.“

Die großen Fußballer unserer Zeit spielen bei den Spaniern, so wie Xabi Alonso, der vor seinem 100. Länderspiel steht. Der rotbärtige Baske, der in Madrid spielt, wird im barcelonalastigen Mittelfeld gerne übersehen. Viele Fans und Experten würden den manchmal träge wirkenden 30-Jährigen sogar gerne auf der Bank sehen. Dann könnte Andrés Iniesta im Zentrum spielen, Pedro auf dem Flügel und bei Spanien alles ein wenig schneller nach vorne gehen. Viele sehen Xabi Alonso zwar als Klassespieler, aber angesichts der Konkurrenz als überflüssig an, als zu ähnlich zu Sergio Busquets oder Xavi.

Video: Der Vorbericht zum Spiel Spanien gegen Frankreich

Aber Nationaltrainer Vicente del Bosque setzt wie seine Vorgänger auf den Real-Strategen, seinen Spielmacher im hinteren Drittel des Feldes. Und ohne sein Stellungsspiel und seine Übersicht stünde Spanien defensiv nicht derart stabil. Auch am bisher wenig überzeugenden Rechtsverteidiger Alvaro Arbeloa gibt es Kritik, viele trauen ihm nicht zu, Franck Ribéry aufzuhalten. Ersatzmann Juanfran bot sich schon mit vorsichtigen Unzufriedenheitsäußerungen an.

Das ständige Gemäkel an der „Roja“ nervt del Bosque ohnehin. „Wir wissen nicht zu schätzen, was wir haben“, sagter er, „wir sind die einzige Mannschaft, die nicht umarmt wird, obwohl sie im Viertelfinale steht.“

Die Franzosen haben ganz andere Probleme. Nach dem 0:2 im letzten Gruppenspiel gegen Schweden raunzte Trainer Laurent Blanc den ausgewechselten Artem Ben Harfa an, in der Kabine nicht mit dem Handy herumzuspielen, Ben Harfa raunzte zurück. Und Samir Nasri und Alou Diarra stritten über Nasris Beiträge zum defensiven Wohlbefinden der Franzosen. „Es wurden schwere Geschütze aufgefahren“, berichtete Florent Malouda, „in der Hitze des Gefechts hat das, was ich gesehen habe, alte Dämonen geweckt.“ Um Auflösungserscheinungen wie bei der WM 2010 soll es sich aber nicht handeln, Verbandspräsident Noël Le Graët wertete den Kabinenkrach sogar als „sehr gutes Zeichen“. Warum auch immer. (Tsp)

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