Viertelfinalniederlage gegen Frankreich : England scheitert im Elfmeterschießen

Frankreich ist erster Halbfinalist bei der Frauenfußball-WM. Im Halbfinale setzte sich der deutsche Vorrundengegner gegen England durch - allerdings erst im Elfmeterschießen.

von
Nicht zu glauben. Ellen White war mit England so nah dran am Halbfinale.
Nicht zu glauben. Ellen White war mit England so nah dran am Halbfinale.Foto: Reuters

Vergleiche im Fußball zwischen Frauen und Männern sind natürlich völlig inakzeptabel, aber was England betrifft, kommt man an einer Parallele nicht vorbei: Elfmeterschießen können sie beide nicht. Englands Nationalspielerinnen durften am Samstag in Leverkusen bis zur 88. Minute vom Halbfinale träumen, dann traf Frankreich noch zum 1:1-Ausgleich, und nach torloser Verlängerung kam, was kommen musste, wenn England zum Entscheidungsschießen antritt. Der Gegner gewinnt. 4:3 hieß es im Shootout für die Französinnen, die zum ersten Mal in einem WM-Halbfinale stehen. Am Mittwoch geht es in Mönchengladbach gegen den Sieger der Partie zwischen Brasilien und den USA. 

Bei aller Tragik für das späte und finale Scheitern der Engländerinnen – dieses Spiel hatte die richtigen Siegerinnen gefunden. Frankreich spielte leichter, schöner und angriffsfreudiger. Das englische Experiment einer verstärkten Offensive dauerte nicht einmal eine halbe Minute und reduzierte sich auf einen Moment der Unaufmerksamkeit in der französischen Abwehr, als das Spiel noch gar nicht richtig begonnen hatte. Vom Anstoß weg stahl sich Kelly Smith davon, sie spielte auch noch Torhüterin Celine Deville aus, aber dann war der Winkel auch schon zu spitz und Laura Georges schlug den auf das Tor rollenden Ball heraus aus dem Strafraum. 

Viel mehr war lange Zeit nicht, obwohl doch die Französinnen mit dem Nachteil leben mussten, dass ihre Torfrau Berangere Sapowicz nach der Roten karte im Spiel gegen Deutschland für das Viertelfinale gesperrt war. Ihre Stellvertreterin Celine Deville hinterließ keineswegs einen sicheren Eindruck und flog gleich zu Beginn an einer Flanke vorbei, aber die Engländerinnen spielen viel zu verhalten, als dass sie daraus einen Vorteil hätten ziehen können.  

So erfreute sich Frankreich der unerwarteten Chance, das WM-Viertelfinale als aktive Therapie für die psychologischen Folgen der Niederlage gegen Deutschland zu nutzen. Eine knappe halbe Stunde lang dauerte diese Therapie, dann zeigte sie Wirkung. Ein erstes Signal sendete Gaetane Thiney. Bei ihrem Schuss hatte Karen Bardsley einige Mühe, erst  im Nachfassen bekam sie den Ball unter Kontrolle. Louisa Necib schoss knapp über die Latte, dann schoss die Torfrau  Marie-Laure Delie an und hatte Glück, dass der Ball eine hohe Flugbahn nahm und nicht ins verwaiste Tor segelte.  

Das Spiel verlagerte sich immer weiter in die englische Hälfte, und als kurz vor der Halbzeit die Französin Laure Lepailleur verletzungsbedingt behandelt werden musste, nutzten die Engländerinnen die zu einer improvisierten Lagebesprechung der gesamten Mannschaft vor dem eigenen Strafraum. 

Was immer sie dabei und später in der Halbzeitpause besprochen haben, es zeitigte einen leichten Aufwärtstrend. Zwar hatte Marie-Laure Delie noch einmal Frankreichs Führung auf dem Fuß, aber danach wagten sich auch die anderen mal nach vorn. Erst setzte Jill Scott einen Kopfball über das Tor, dann versuchte sie es mit dem Fuß, und schon stand es 1:0. Ihr Schuss war weder platziert noch hart, aber gut genug für die unsichere Celine Deville, die viel zu weit vor dem Tor stand. 

Frankreich stürmte weiter und hatte je zweimal durch Marie-Laure Delie und Elodie Thomis passable Torchancen. Einen Kopfball von Laure Lepailleur wischte Englands einzige Stürmerin (!) Ellen White von der Torlinie. Nichts schien zu gehen, bis Elise Bussaglia zwei Minuten vor Schluss noch mit einem Billardstoß an den linken Innenposten zum Ausgleich traf.  

Wie viel Kraft dieses stete Anrennen gekostet hatte, war in der Verlängerung zu sehen. Schwere Beine lähmten den französischen Esprit und die englische Athletik. Ellen White schoss aus bester Position ans Außennetz, Eugenie Le Sommer köpfte über das Tor. Im Elfmeterschießen hielt Karen Bardsley zwar den ersten Versuch von Camille Abily, aber die folgenden vier Französinnen traf, und den letzten beiden Engländerinnen versagten die Nerven. Claire Rafferty schoss vorbei, den letzten Elfmeter setzte Faye White an die Latte. England war draußen.

Autor

2 Kommentare

Neuester Kommentar