Sport : Viertes Drittel auf dem Fahrrad

Eisbären-Trainer Pagé straft seine Mannschaft mit Extra-Training

Claus Vetter

Berlin. Axel Kammerer war sichtlich zufrieden. Der meist gut gelaunt wirkende Tölzer lächelte - allerdings nicht lange. Denn dann störte sich der Trainer aus Kassel daran, dass sich im Augenblick seines Triumphes im Sportforum Menschen bemüßigt sahen, die Wertigkeit des Eishockey-Pokals herunterzuspielen. Kammerer bügelte die Meckerer ab: „Ich bin ein Befürworter des Pokals. Es gibt einen Titel zu gewinnen, und dann können wir großen Klubs auch mal etwas für die kleinen Vereine tun. Wir waren in Dresden, dann in Landshut, und da kamen viele Zuschauer.“

Im Pokal-Viertelfinale haben die Huskies am Dienstag in Berlin gespielt, bei den Eisbären, dem Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) – und 4:2 gewonnen. Weil sie „motiviert waren und das Spiel ernst genommen haben“, wie ihr Trainer sagte, und weil der Gegner mit einer eigentümlichen Mischung aus Müdigkeit, Arroganz und Unlust agierte. Das wiederum erstaunte Eisbären-Trainer Pierre Pagé dann doch so sehr, dass er am späten Dienstagabend zu erstaunlichen Maßnahmen griff. „Wir hatten zu viele Spiele“, sagte der Kanadier. „Wir brauchen mehr Training. Wir fangen am besten gleich an zu arbeiten, das vierte Drittel findet auf dem Fahrrad statt.“ Also wurde im Fitnessraum gestrampelt, die letzten Eisbären-Spieler konnten erst um 23 Uhr die Heimfahrt antreten, also eineinhalb Stunden nach Spielschluss.

Die unverhoffte Trainingseinheit am späten Abend führte zu einem geringen Humorfaktor bei den Betroffenen. Nur nicht lustig machen, schien die Parole zu lauten. „Wir haben verloren, weil der Gegner besser war“, sagte etwa Stürmer Yvon Corriveau. Da wiederum war sein Trainer anderer Meinung: „Schon am Dienstagmorgen hatte ich ein schlechtes Gefühl. Das Training war lausig“, sagte Pagé. „Ich wusste, das Spiel gegen Kassel wird schwerer, als eine Herde Pferde durchs Feuer zu treiben.“

Die Eisbären hätten sich endlich mal einen Titel holen können, fast im Vorbeigehen. Da Zweitligist SC Riessersee vor dem Aus steht, wären die Berliner mit einem Sieg gegen Kassel vermutlich ins Finale durchgerutscht. Das Endspiel wird nun – wie sich das auch in der DEL in den jüngsten Jahren so gehörte – ohne Berliner Beteiligung stattfinden.

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