Sport : Visionär und Zirkusdirektor

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Karsten Doneck zum Tode

Robert Schwans

Bequem war er nie. Sein Verhalten wirkte mitunter kauzig. Er provozierte gerne, aber selten um der Provokation willen. So ein Mensch spaltet: hier die Claqueure, dort die Buh-Rufer. An Robert Schwan (Foto: dpa), seiner Art und seinen Ideen entzündeten sich oft endlos scheinende, höchst kontroverse Diskussionen. Medienschelte oder Misstrauensvoten empörter Vereinsmitglieder prallten jedoch an ihm ab. Ob in seiner Funktion als Manager des FC Bayern München, als persönlicher Berater von Franz Beckenbauer oder als Aufsichtsratvorsitzender von Hertha BSC – immer hatte der streitbare Mann aus Kitzbühel nur eines im Sinn: an verkrusteten Strukturen zu kratzen, um den Profifußball hier zu Lande voranzubringen.

Dieser Robert Schwan lebt nicht mehr. Im Alter von 80 Jahren ist er Samstagnacht an seinem Zweitwohnsitz in Reith bei Kitzbühel an Herzversagen gestorben. Der passionierte Bergsteiger war erst in der Woche zuvor nach einem leichten Herzinfarkt gründlich von den Ärzten durchgecheckt und dann wieder heimgeschickt worden.

Als „starke Persönlichkeit, Visionär und harten Arbeiter“, würdigte der FC Bayern den Verstorbenen in einem Nachruf. Bei den Münchnern war Schwan 1966 der erste hauptamtliche Manager überhaupt im deutschen Fußball geworden. Nach elf Jahren trat er zurück, die Bayern hatten von 1974 bis 1976 gerade dreimal hintereinander den Europapokal der Landesmeister gewonnen. „Für den FC Bayern war er einer der Architekten, die das Fundament gelegt haben, auf dem der Klub heute steht“, rühmte Franz Beckenbauer Schwans Wirken.

76 Jahre war Robert Schwan schon alt, als er sich kurz vor Weihnachten 1997 im Berliner Hotel Esplanade noch einmal einer ganz neuen, unerwarteten Herausforderung stellte: Er ließ sich zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats von Hertha BSC wählen. Unter Schwan stürmten die Herthaner im Sommer 1998 als Bundesligadritter erstmals in die Champions League. Aber der Verein gerierte durch Schwans Verhalten immer wieder auch mal zum Zirkusunternehmen mit Schwan als allmächtigem Direktor. Unvergessen ist jene unrühmliche Tat von Schwan als er eigenmächtig nach einer 1:3-Niederlage beim TSV 1860 München den damaligen Hertha-Trainer Jürgen Röber entließ, unwiderlegbar dokumentiert von den Kameras und Mikrofonen des Fernsehens. Schwan wurde vom Verein zurückgepfiffen. Und war Manns genug, sich später zu entschuldigen. „Ich bin da a bisserl durchgedreht“, sagte er.

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