Sport : Viva Eisbären

Die Berliner übernehmen durch einen 6:1-Sieg gegen müde Hamburger die Führung in der Play-off-Serie

Claus Vetter

Berlin - „Viva Welli“ – unter diesem Motto führten Anhänger der Eisbären gestern Nachmittag eine Choreographie auf. Sie sollte auf einen spannenden Play-off- Abend in ihrer unter dem Namen Wellblechpalast firmierenden Eishalle von Hohenschönhausen einstimmen. Als die Fans kurz vor Beginn des dritten Viertelfinalspiels um die deutsche Eishockey-Meisterschaft zwischen den Eisbären und den Hamburg Freezers ihre Luftballons durch die Luft wirbelten und blaue, rote und weiße Papptafeln in die Höhe hielten, konnte ja niemand ahnen, was für ein unaufgeregtes Spiel bevorstand. 4:2 für Hamburg, 7:4 für Berlin – so lauteten die Ergebnisse der ersten Partien der Best-of-seven-Serie. Am Sonnabend kam dann ein 6:1 (5:0, 1:0, 0:1) für die Eisbären gegen desolate Hamburger hinzu.

Viva Freezers? Nur bei der Verkündung der Startaufstellungen machten die Hamburger Spieler noch einen lebhaften Eindruck. Da mussten sie ja auch noch nicht flink über das Eis schlittern, das konnten sie nämlich nicht mehr in ihrem sechsten Spiel innerhalb von zwölf Tagen. Irgendwann sind eben auch Spielstress gewohnte Eishockeyprofis mit ihrer Kraft am Ende. Die ausgeruhten Eisbären, die vor den Play-offs anderthalb Wochen pausieren durften, hatten wenig Mühe mit dem langsamen und zweikampfschwachen Gegner. Schon nach 17 Spielminuten hatten 5000 Zuschauer fünf Berliner Tore gesehen. Zwei davon waren schön herausgespielt: Das erste durch Brandon Smith und das 3:0 durch Denis Pederson nach blendender Vorarbeit von Nathan Robinson – die anderen drei Treffer durch Florian Busch, Deron Quint und Richard Mueller fielen vor allem, weil dilettantische Hamburger Fehler vorausgingen.

Mark Beaufait traf im zweiten Drittel bei Berliner Unterzahl noch zum 6:0, bevor dann die Freezers mit ihrem einzigen Tor durch Peter Sarno ein ansonsten einseitiges Spiel abrunden durften. Gegen die aufgeweckten Eisbären, bei denen allerdings Pederson verletzt ausschied, konnten sie am Sonnabend nichts ausrichten. Aber die Ausgeruhtheit ist schließlich der Luxus des nach den Punktspielen besser platzierten Teams. So erfüllt die lange Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga auch ihren Sinn. Nach 56 Spieltagen waren die Eisbären Zweiter, die Freezers Siebter. Über den drei Spiele langen Umweg der Qualifikationsrunde erreichten die Hamburger die Play-offs.

Wie lange die Freezers an der Endrunde um die Meisterschaft noch teilnehmen dürfen? Am Mittwoch könnten die Eisbären ihre vier Siege zusammenhaben, die zum Halbfinaleinzug reichen. Am Ostermontag gibt es aber erst einmal Spiel drei in Hamburg (14.30 Uhr, live auf Premiere) und Stürmer Robinson, gestern bester Berliner Spieler, sagte: „Noch sind wir weit davon entfernt, die Serie zu beenden, die werden sich noch wehren.“ Auch Robinsons Trainer Don Jackson forderte gestern natürlich, dem Gegner „weiterhin größten Respekt“ entgegen zu bringen.

Derlei Aussagen klingen wenig aufgeregt. Sie zeugen davon, dass sich die Eisbären in ihrer Konzentration nicht mit verbalen Kinkerlitzchen aus dem Konzept bringen wollen. Dafür war gestern die Sprache des Verlierers von höherem Unterhaltungswert. Hamburgs Trainer Bill Stewart stritt natürlich ab, dass seine Mannschaft ein Kraftproblem habe. „Vielleicht haben wir ein Kopfproblem“, sagte der Kanadier. Einige seiner Spieler müssten endlich die „Strumpfhosen ausziehen“ und „wie Männer“ spielen. „In 48 Stunden haben wir eine neue Chance gegen die Eisbären“, schimpfte Stewart. „Ich muss nur bis dahin jeden meiner Spieler von der Wichtigkeit des Spiels überzeugen.“ Er sei schließlich mit dem Erreichen des Viertelfinales nicht zufrieden. „Auch wenn einige bei uns den Eindruck machen, als seien sie damit zufrieden.“ Gemessen am gestrigen Auftritt der Freezers könnte es so sein – was wiederum den Eisbären nur recht sein kann.

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