Vize-Herbstmeister : Die schöne alte Welt der Bayern

Nach der Vorrunde der Bundesligasaison redet sich der Tabellenzweite FC Bayern München an Europas Spitze.

Oliver Trust
Rensing
Treffen der Torhüter. Lehmann (r.) schaut Bayerns Rensing bei der Arbeit zu. -Foto: ddp

StuttgartUli Hoeneß vergaß an diesem für ihn ärgerlichen Abend nicht, Franck Ribéry zu erwähnen, der wegen seiner Verletzung nicht hatte mitspielen können. Dann wünschte er „schöne Feiertage“ und verschwand aus Stuttgart. Dort hatten die Bayern nur 2:2 gespielt und damit die Herbstmeisterschaft riskiert. Trotzdem überwog in der Welle der bayrischen Selbsteinschätzungen, die sich auf die Zuhörer ergoss, das Positive. Die Botschaft von Manager Hoeneß, Trainer Jürgen Klinsmann und Klubchef Karl-Heinz Rummenigge lautete: Die Münchner sind wieder wer, national und international.

„Wir haben uns in der Champions League eingefunden“, sagte Klinsmann. Am Freitag werden die Bayern ihren Achtelfinalgegner in der Champions League kennen lernen: Sporting Lissabon, Villarreal, Atletico Madrid, Real Madrid, Chelsea, Arsenal oder Inter Mailand. Egal wer es dann wird – laut Klinsmann brauchen die Bayern keinen Gegner zu fürchten, sie befinden sich ja schon „auf Augenhöhe mit den europäischen Topklubs“.

„Wichtig ist, dass wir dran sind“

Trotz des Unentschiedens von Stuttgart tönte viel Selbstbewusstsein aus dem Lager der Bayern herüber. Fast hätte Hoeneß seinen Ärger über „zwei Punkte, die wir haben liegen lassen“ vergessen. Zweimal schlug ein leidenschaftlich kämpfender VfB Stuttgart durch Sami Khedira zu, einmal in der 45. Minute und einmal in der 90. Minute plus. Ärgerlich für die Bayern, oder? Nein, sagte Hoeneß. „Wichtig ist, dass wir dran sind“, konterte der Manager und meinte die Tabellenspitze. „Ab Januar greifen wir an.“ Und Rummenigge meinte: „Jetzt greifen die Mechanismen von Jürgen.“ Auf die Frage, wie viel die Bayern ohne Ribéry überhaupt wert sind, redete Rummenigge sofort den Rest der Mannschaft stark, der in Stuttgart mit viel Routine über die Runden kam: „Keine Mannschaft der Welt kann einen Ribéry ersetzen. Wenn bei Barcelona Messi fehlt, ist das nicht mehr das Barca.“

Man machte einen hübschen Bogen um ein paar Baustellen, deren Existenz dies späte 2:2 von Stuttgart offenbarte. Die Abwehr der Bayern, inklusive Torwart Michael Rensing, hinkt dem allgemeinen Niveau etwas hinterher, was stolze 24 Gegentore in 17 Ligaspielen belegen. Es passt noch nicht alles zusammen. Die Bayern-Oberen aber redeten sich derart in eine stolze Sichtweise, dass Klinsmann fast die Nöte seiner Mannschaft außer Acht gelassen hätte als er sagte, es sei schade, dass nun die Winterpause käme.

Urlaub dringend nötig

Viele der Bayern-Kicker schlichen müde davon. Luca Toni, Schütze des 2:1, geschwächt durch einen Magen-Darm-Virus. Oder Bastian Schweinsteiger, der sagte: „Wir sind auffällig fit, aber vom Müdigkeitsaspekt her ist Urlaub dringend nötig.“ Philipp Lahm wollte am Sonntag nicht mal die Partie des schärfsten Konkurrenten aus Hoffenheim anschauen, „weil ab dieser Sekunde Urlaub ist“. Dass dieser Urlaub nicht für alle gleich sein wird, machte gleich darauf Uli Hoeneß wieder deutlich. Bevor er sich zusammen mit Rummenigge der Zukunft widmete, schimpfte er noch einmal kurz über die Rote Karte für Massimo Oddo, die sich der Italiener mit seinem Kung-Fu-Sprung gegen Christian Träsch redlich verdiente. Da Hoeneß vor allem aber dem FC Bayern verpflichtet ist, kümmerte er sich schon wieder intensiv um die Zukunft des Vereins. Kapitän Mark van Bommel bekam ein neues Angebot, Ze Roberto war zu ersten Gesprächen da, Bastian Schweinsteiger will bleiben – und man müht sich um Ivica Olic vom Hamburger SV.

0 Kommentare

Neuester Kommentar