Sport : Vizemeister schlägt Meister

Alba Berlins Basketballer verlieren deutlich mit 66:80 in Bonn

Maike Westphal[Bonn]

Zweieinhalb Minuten vor der Schlusssirene war das Spiel endgültig entschieden. Der Bonner Moussa Diagne erhöhte per Dunking auf 74:59 und ließ sich dabei auch nicht vom fünften Foul des Berliners Adam Chubb stören. Vor 6000 jubelnden Zuschauern wurde der Rest zum fröhlichen Schaulaufen für die Baskets Bonn: Der Vizemeister besiegte Meister Alba Berlin im Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga deutlich 80:66 mit (36:34).

Es war nicht nur die Neuauflage des letztjährigen Endspiels um die Deutsche Meisterschaft, sondern auch die Begegnung zweier mental angeschlagener Mannschaften: Während die Berliner noch die bittere Heimniederlage gegen Real Madrid in der Europaliga in den Köpfen hatten, galt es für Bonn nach zuletzt drei Niederlagen in Folge, eine längere Negativserie zu vermeiden. Dass alle Beteiligten auf Wiedergutmachung aus waren, war dem kampfbetonten und zähen Spiel anzusehen. Bis zur Halbzeit konnte sich keines der beiden Teams entscheidend absetzen. Die letzte Aktion, vielleicht vorentscheidende vor der Pause gehörte Bonn: Vier Sekunden vor der Sirene kam Aufbauspieler Earl Jerrod Rowland an den Ball, dribbelte quer über das ganze Feld und schloss per Korbleger zur 36:34-Halbzeitführung. Diese Aktion schien den US-Amerikaner zu beflügeln, im zweiten Durchgang übernahm er zunehmend die Initiative. Dreimal drückte er jenseits der 3-Punkte-Linie ab, dreimal landete der Ball im Netz. 22 Punkte markierte Rowland insgesamt, 14 davon nach der Pause.

Und noch einen Bonner bekamen die Berliner nicht in den Griff: Brandon Bowman wirkte wie elektrisch aufgeladen, traf phasenweise, von wo und wie er wollte, und war oft nur durch Fouls zu stoppen. Auch er kam auf 22 Punkte.

Die Berliner wirkten dagegen müde. Sie trafen nicht nur schlechter, sondern waren meist auch den entscheidenden Schritt langsamer – flog irgendwo ein unkontrollierter Ball herum, so landete er stets in den Händen eines Bonners. Nicht einmal die Freiwürfe wollten Alba gelingen: Zwölf Mal versagten den Berlinern an der Linie die Nerven – zu oft, um sich am Schluss noch einmal heranzukämpfen. Durch die 80:66-Niederlage und den gleichzeitigen Sieg von Frankfurt in Bremerhaven fiel Alba in der Tabelle hinter den Bonnern auf Rang fünf zurück.

Alba-Trainer Luka Pavicevic wollte sich nach dem Spiel nicht äußern. Sein Assistent Konstantin Lwowsky sagte: „Bonn war mental da, als es galt, das Spiel zu packen. Es wäre aber falsch, zu glauben, man müsse jetzt alles anders machen.“

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