• „Völler muss ein Zeichen setzen“ Jupp Derwall über die Probleme vor dem Spiel gegen Kamerun

Sport : „Völler muss ein Zeichen setzen“ Jupp Derwall über die Probleme vor dem Spiel gegen Kamerun

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Haben Sie im Geiste schon die deutsche Mannschaft fürs Spiel gegen Kamerun aufgestellt?

Na klar. Ziege fehlt bei mir. Dass er jetzt wieder gehandelt wird, versteht niemand. Vielleicht will Völler aber auch ein Zeichen gegenüber anderen setzen. Nachdem wir bei der WM 1982 im ersten Gruppenspiel 1:2 gegen Algerien verloren hatten, ließ ich die Spieler laufen. Die sollten nachdenken, die sollten gedanklich unter Druck geraten.

Bei der WM 1982 hatten Sie die gleiche Situation, die heute herrscht. Vor dem letzten Gruppenspiel konnten drei Teams weiterkommen, Sie mussten Österreich besiegen, das gelang mit 1:0. Muss man denn bei so einer Situation Spieler überhaupt noch motivieren?

Ich habe damals die Spieler genommen, die gegen Algerien verloren haben. Da wussten die Jungs, dass sie die Chance zur Wiedergutmachung erhalten haben. Gegen Österreich musste man dann keinen motivieren.

Soll Völler also das Team aufbieten, das gegen Irland den 1:0-Vorsprung verspielt hat?

Nein, im dritten WM-Spiel geht das nicht mehr. Nach dem 0:1 gegen die DDR bei der WM 1974 wussten einige Spieler, dass sie auf die Bank mussten. Bundestrainer Schön hat dann Bonhof und Hoeneß spielen lassen, als Zeichen für die anderen.

Sie hatten 1982 mit Breitner, Magath und Schumacher Wortführer. Jetzt gibt kaum einer den Anführer. Ist das Team zu harmonisch, gerade vor so einem wichtigen Spiel?

Solche Harmonie ist ein Nachteil. Da werden zu wenig Reizpunkte im Sinne der Mannschaft gesetzt. Es fehlen die Persönlichkeiten; ein Kahn ist zu wenig. 1982 hatten wir einige, welche die anderen aufrüttelten.

Wie kann ein Trainer solch ein Handikap ausgleichen?

Das ist schwer. Da muss man zumindest darauf achten, dass die Kondition stimmt, damit man wenigstens da keine Probleme hat.

Oliver Bierhoff hat gerade seinen Einsatz gefordert. Insgeheim müsste Rudi Völler ja aufatmen. Endlich ein wenig Leben im Kader.

Bierhoff will sich halt wieder ins Spiel bringen. Aber er bringt dann seine Leistung nicht, da ist so ein Vorstoß nicht so gut.

1984, bei der EM, war die gleiche Konstellation wie heute. Damals schied Ihr Team nach dem 0:1 gegen Spanien in der Vorrunde aus. Was haben Sie da vor dem Spiel falsch gemacht?

Wir hatten eine völlig neue Mannschaft. Junge Spieler wie Völler, Brehme, Rolff waren gekommen. Es fehlten Persönlichkeiten. Aber bis dahin lief es gut für uns, wir waren Gruppenerster. Na ja, vielleicht lief es zu gut.

Und wie haben Sie den jungen Völler für das Spanien-Spiel aufgebaut?

Den musste man nicht groß motivieren. Der war gut drauf. Aber ihm fehlte die Erfahrung.

Das Gespräch führte Frank Bachner.

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