Völler vs. Bierhoff : Käse, Scheißdreck, Mist - Teil zwei

Rudi Völler kritisiert den Nationalteamverkäufer Oliver Bierhoff - und wird von ihm zurechtgewiesen. Das Verhältnis der beiden war nie frei von Verwerfungen.

Stefan Hermanns
Bierhoff Völler Foto: dpa
Als sie noch ein Team waren: Bierhoff und Völler beim Training im August 2001. -Foto: dpa

Oliver Bierhoff könnte im Moment ziemlich zufrieden sein. Der Manager der deutschen Fußballnationalmannschaft erlebt gerade Oliver-Bierhoff-Tage. Am Sonntag durfte er eine als öffentliche Trainingseinheit getarnte Werbeveranstaltung für einen DFB-Sponsor moderieren. Für den Montag hatte er den Nationalspielern diverse Werbe- und Sponsoringaktionen verordnet, und am Mittag wohnte er der Verkündung bei, dass die Zusammenarbeit des Deutschen Fußball-Bundes mit der Lufthansa fortgesetzt wird. In seiner Funktion als Teammanager ist Bierhoff auch so etwas wie der oberste Werbeleiter für das Produkt Nationalmannschaft. Ein dankbarer Job. Die Marke besitzt derzeit überragende Sympathiewerte. Für die Person Oliver Bierhoff scheint das nicht uneingeschränkt zu gelten.

Am Montag jedenfalls sah sich Bierhoff im Fachmagazin „Kicker“ einem üblen Angriff ausgesetzt. Rudi Völler, der frühere Bundestrainer und jetzige Sportdirektor von Bayer Leverkusen, hatte sich den Frust von der Seele geredet, und seit seiner „Käse, Scheißdreck, Mist“-Rede weiß man, dass seine Wortwahl in Zeiten höchster Erregung nicht immer stubenrein ist. „Oliver Bierhoff sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen“, sagte er. „Das permanente Sich-selbst- auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen.“

Vordergründig geht es um einen tatsächlichen oder auch nur eingebildeten Konflikt zwischen der Nationalmannschaft und der Bundesliga. Während die Nationalmannschaft zurzeit das Gute im deutschen Fußball repräsentiert, modern spielt und damit auch noch erfolgreich ist, scheinen die Klubs mit dieser Entwicklung nicht Schritt zu halten. Ihre Bilanz im Europapokal war zuletzt beschämend, jedes Lob für die Nationalmannschaft gerät damit indirekt zu einer Kritik an der Liga. Und mit Lob am eigenen Produkt ist Werbeleiter Bierhoff noch nie sparsam gewesen. Er habe die Bundesligavereine keineswegs in eine Ecke stellen wollen, erklärte er gestern, er habe lediglich die Fakten dargestellt.

Das reichte schon, um bei Völler „schlimmste Magenkrämpfe“ auszulösen. Offenbar hatte es ihn besonders erregt, dass die sportliche Leitung der Nationalmannschaft immer wieder auf dem Thema Philosophie als Basis allen Glücks herumreitet. „Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden“, sagte Völler. „Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht.“ Bierhoff entgegnete, dass Völler in der Tat keine Philosophie für ihn erfunden habe, „aber in Italien hat man sie gefunden“. Selbst mit seinen Füßen maltesischer Bauart hat er es dort, anders als Völler, zum Meister und Torschützenkönig gebracht.

Bierhoff glaubt jedenfalls, dass die Fakten für ihn sprechen, insofern könne er auf die Kritik „recht entspannt reagieren“. Dann lederte er los und hielt einen fünfminütigen Monolog, der unter anderem die recht entspannten Wendungen „eine absolute Frechheit eigentlich“ und „vollkommener Schwachsinn“ enthielt. „Es ist schon ein bisschen traurig, dass man, wenn man keine Argumente hat, auf einmal persönlich wird und unter die Gürtellinie geht“, sagte Bierhoff. Auf dieses Niveau werde er sich nicht begeben.

Man muss dazu wissen, dass das beiderseitige Verhältnis nie frei von Verwerfungen gewesen ist. Unter dem Teamchef Völler wurde Bierhoff als Kapitän der Nationalmannschaft schleichend entmachtet. Völler wiederum hat das Gefühl, dass seine Arbeit als Teamchef im Nachhinein herabgewürdigt wird. Jedes Lob an der neuen Nationalmannschaft unter Jürgen Klinsmann und jetzt Joachim Löw lässt sich auch als Vorwurf an Völler und dessen Arbeit lesen. In Bierhoff, dem eloquentesten Verkäufer der Nationalmannschaft, könnte er daher so etwas wie den Hauptschuldigen für diese nachträgliche Geschichtsklitterung ausgemacht haben.

Dass Völler und Bierhoff noch einmal dicke Freunde werden, ist nicht zu erwarten; dazu sind beide, der impulsive Bauchmensch Völler und der überlegte Kopfarbeiter Bierhoff, einfach zu verschieden. Immerhin kündigte Bierhoff an, dass er nicht nachtragend sei und sich beide bestimmt auch mal wieder zusammensetzen würden. „Aber anrufen muss ich ihn jetzt erstmal nicht mehr.“

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