Sport : Völlers Problemfall

Ballacks Formkrise strahlt nun auch auf die EM aus

Felix Meininghaus

Dortmund. Matthias Sammer ist immer für eine unerwartete Reaktion gut. Minutenlang hatte der Trainer von Borussia Dortmund den 2:0-Erfolg des BVB gegen den FC Bayern München geschäftsmäßig bis emotionslos analysiert, als Sammer doch noch plötzlich sehr lebhaft wurde. Ausgerechnet beim Thema Michael Ballack und der Kritik an dem Bayern-Regisseur. Da fühlte sich der frühere Weltklasse-Libero angesprochen. Es gehe nicht, dass einem solchen Akteur ständig eingeredet werde, wie schlecht er sei, sagte Sammer. Vielmehr müsse Ballack auch zwischen Flensburg und Friedrichshafen den Respekt erhalten, den er außerhalb Deutschlands genieße. Schließlich „machen wir hier einen Spieler platt, der bei der EM der entscheidende Mann sein soll“.

Die EM? Die beginnt am 12. Juni, eigentlich gehörte sie nicht zur Pressekonferenz nach diesem Prestigeduell. Hier wollten die Zuhörer wissen, warum Dortmund in der ersten Halbzeit so schwach gespielt hatte. Und warum die Bayern in der zweiten Halbzeit auf dem Platz so leblos wirkten. Und ob die Bayern nun endgültig die Hoffnung auf den Titel aufgegeben haben. Aber Sammer ist zu sehr Gerechtigkeitsfanatiker, als dass er einen lange kritisierten Weltklassespieler im Regen stehen ließe.

Und zumindest Rudi Völler sprach der Dortmunder Coach damit aus der Seele. Denn der Teamchef der deutschen Nationalmannschaft dachte auf seinem Platz im Westfalenstadion sehr intensiv an die EM. Ballack ist in diesen Überlegungen ein wichtiger Punkt. Allerdings ist Ballack im Moment auch ein Problem. Völlers wichtigster Spieler befindet sich seit Rückrundenbeginn im Tief, ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht.

Im Gegenteil: Die endlosen Diskussionen über fehlende Führungs- und Spielmacherqualitäten scheinen den Nationalspieler immer mehr zu zermürben. Wie weit sich Ballack von seiner Normalform entfernt hat, konnte Völler in Dortmund erleben: Ballack tauchte völlig ab. Für Ideen im Bayern-Spiel sorgt derzeit vor allem der junge Sebastian Schweinsteiger.

Eigentlich fiel Ballack nur zweimal wirklich auf: als er die Elfmeter-Entscheidung zugunsten der Dortmunder so heftig kritisierte, dass ihm Schiedsrichter Markus Merk die Gelbe Karte zeigte, und 15 Minuten später, als er nach einer Attacke gegen Gambino Gelb-Rot sah. Da stand es schon 2:0 für die Dortmunder. Nach Ewerthon mit seinem Strafstoß (58.) hatte auch noch Wörns getroffen (61.). Das Team von Trainer Ottmar Hitzfeld brach nach dem Rückstand völlig ein und leistete kaum noch Gegenwehr. „Wir müssen jetzt den zweiten Platz sichern“, sagte Hitzfeld, „schließlich liegt Stuttgart nur knapp hinter uns.“ Wenn sich die Bayern weiterhin solche Aussetzer wie in Dortmund leisten, qualifizieren sie sich nicht einmal direkt für die Champions League.

Rudi Völler aber muss sich jetzt immer mehr Gedanken machen. Wie baut man Michael Ballack wieder auf? Und: Wer könnte eine Alternative zu ihm darstellen? Falls der Teamchef moralische Unterstützung benötigt: Kollege Sammer steht jederzeit zur Verfügung.

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