Sport : Voigt fährt voraus

Der Berliner Radprofi verteidigt das Gelbe Trikot bei der Deutschland-Tour

Hartmut Scherzer[St. Anton]

Als Erster tauchte Jens Voigt aus dem Dunkel des Tunnels auf. Willensstark stampfte der deutsche Radprofi die letzten 900 Meter lange Steigung zum 1762 Meter hohen Arlbergpass hinauf. Voigt stieg aus dem Sattel, blickte kurz links zurück zu Levi Leipheimer und reckte die rechte Faust. Sein Tagwerk war vollbracht: Erneut eine Etappe gewonnen und auch noch das Gelbe Trikot bei der Deutschland-Tour verteidigt.

Mit 24 Sekunden Vorsprung vor dem Vorjahressieger Leipheimer startet der 34-jährige Mecklenburger mit Wohnsitz Berlin heute im wohl entscheidenden Zeitfahren über 38,2 Kilometer in Bad Säckingen. „Fast 40 Kilometer, da kann man auch mal drei Minuten verlieren“, sagte Voigt skeptisch. Doch für Leipheimer steht der Gesamtsieger bereits so gut wie fest, er sagt: „Jens ist sehr stark, er ist mein Favorit.“ Die Deutschland-Tour endet am Mittwoch in Karlsruhe.

Vor dem Tunnel hatte es noch danach ausgesehen, als könnte Leipheimer seinen Vortageserfolg wiederholen. Nur der Russe Andrej Kaschetschkin konnte dem Antritt und der Beschleunigung des Gerolsteiner-Kapitäns zwei Kilometer vor dem Ziel folgen. Das Loch zwischen dem Spitzenduo und dem Paar Voigt und Jewgeni Petrow schien zu groß für einen Zusammenschluss – war aber nicht groß genug. „Die steilen Stücke kann ich eben nicht so“, sagte Voigt, „aber dann habe ich das Kilometer-Schild gesehen, das Stück kenne ich, das ist ein bisschen flacher.“ Prompt legte er das große Kettenblatt auf und schloss im Tunnel wieder zu Leipheimer auf. Den großen Gang treten, das könne er. „Da hängen mich nicht so viele ab“, sagte Voigt.

Eine spezielle Bergshow lieferten Sebastian Lang und Erik Zabel ab. Schon nach zehn Kilometern hatten sich der Zeitfahr- und der Sprintspezialist abgesetzt, zwischenzeitlich führten sie sogar mit elf Minuten, kletterten zur allgemeinen Überraschung auch als Erste über den schwersten Berg dieser Rundfahrt, das 1873 Meter hohe Hahntennjoch. 160 Kilometer dauerte die Flucht der beiden auf für sie ungewöhnlichem Terrain. Dann schüttelten sich Lang und Zabel die Hand – und wurden sechs Kilometer vor dem Ziel von den Tempofahrern um Voigt und dessen Helfern vom CSC-Team förmlich stehen gelassen. „Ich wollte die beiden Sprintwertungen gewinnen, deswegen bin ich früh losgefahren“, erklärte Zabel seine ungewöhnliche Taktik. „Ich hab’s angefangen und dann durchgezogen.“

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