Sport : Volksheld statt Volksheld

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Stefan Hermanns über die Lösung

für Herthas Probleme

Es wird Dieter Hoeneß vermutlich nicht gefallen, dass in Berlin zurzeit über den Best Case debattiert wird, der sich für Hertha BSC sehr schnell zum Worst Case entwickeln könnte. Einer von Hoeneß’ Lieblingssätzen lautet nämlich, dass er nicht in Worst-Case- Szenarios denke, er also nicht bei allem, was er tut, vor allem den denkbar schlechtesten Fall im Hinterkopf hat. Der Best Case für den Berliner Fußball-Bundesligisten sieht im Moment so aus: Andreas Thom, der Trainer für drei Spiele, gewinnt nun nach dem überraschenden Unentschieden in Dortmund sowohl gegen 1860 München als auch beim 1. FC Köln, tritt danach aber verabredungsgemäß zugunsten eines richtigen Cheftrainers wieder in die zweite Reihe. Zum Worst Case wird das Ganze, wenn Hertha dann mit dem neuen Trainer das erste Spiel der Rückrunde in Bremen verliert und das Publikum schließlich beim Heimspiel gegen Stuttgart nach dem Volkshelden Andreas Thom ruft.

Eine solche Situation hat es bei Hertha schon einmal gegeben. Knapp zwei Jahre ist es her, dass der damalige Amateurkoordinator Falko Götz kurzfristig die Profis trainieren musste und dabei so erfolgreich war, dass sein schon verpflichteter Nachfolger Huub Stevens in Berlin eigentlich von Anfang an nicht richtig gewollt war.

Wäre es angesichts dieser Erfahrung nicht besser gewesen, wenn Hoeneß den neuen Trainer, den er ohnehin nach der Winterpause vorstellen will, sofort verpflichtet hätte? Unter normalen Umständen nicht. Unter normalen Umständen nämlich hätte die verunsicherte Hertha nach dem 1:6 von Bremen nicht so schnell zu sich selbst zurückgefunden, und nach drei möglichen Niederlagen zum Ende der Hinrunde wäre der neue Trainer schon verschlissen, bevor er seine Mannschaft richtig kennen gelernt hätte. Der Einstieg nach der Winterpause hingegen garantiert ihm einen einigermaßen unbelasteten Neuanfang.

Eigentlich gibt es nur einen Ausweg aus diesem Dilemma. Falko Götz müsste neuer Trainer bei Hertha BSC werden. Der eine Volksheld geht, der andere kommt zurück. Das Problem ist, dass Götz noch bei 1860 München unter Vertrag steht. Am Samstag spielen die Münchner in Berlin. Beim letzten Mal gewann Hertha 6:0. Es war das letzte Spiel von Peter Pacult als Trainer der Sechziger.

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