Sport : Volkswagen statt Mercedes

Ein gutes Jahr nach seinem Rücktritt bei Hertha hat Jürgen Röber wieder einen Job – Trainer in Wolfsburg

André Görke

Wolfsburg. Am Montagabend klingelte ein letztes Mal das Telefon. Peter Pander war dran, der Manager des VfL Wolfsburg. Zwei, drei Minuten redete er auf Jürgen Röber ein, dann sagte er: „Bis gleich, okay?“ „Ja, bis gleich.“ Irgendwo bei Wolfsburg, spät in der Nacht, legte der Manager dann die Papiere auf den Tisch. Röber lächelte. In jener Nacht unterschrieb er einen Arbeitsvertrag für drei Jahre als Trainer beim VfL Wolfsburg.

Am nächsten Vormittag wurde die Nachricht offiziell verkündet. Als Röber am Nachmittag das erste Training leitete, standen etwa 300 Menschen hinter dem Zaun. „Schönen guten Tag“, sagte Röber nur. Als die Menschen klatschten, musste Röber wieder lächeln. Lange hatte er auf diesen Tag gewartet. Ein Jahr war er seit seinem Rücktritt bei Hertha BSC arbeitslos gewesen. Und manche glaubten schon, er sei sogar auf dem besten Wege, in Vergessenheit zu geraten.

Jetzt ist Röber zurück im Geschäft. In der Nacht nach der Unterschrift war er nach Berlin zurückgefahren, um ein paar Sachen zu packen. Am Vormittag dann fuhr er über die Autobahn wieder nach Wolfsburg. Es ist 12.50 Uhr, als er die Geschäftsstelle erreicht. Das Wetter ist trübe, Röber sitzt in seinem Mercedes, von seiner Wohnung in Charlottenburg bis zum neuen Arbeitsplatz sind es etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit gewesen. Das mit Röbers Mercedes haben sie noch am Vormittag geregelt. Auf der Geschäftsstelle bekam Röber den Schlüssel für seinen neuen Dienstwagen in die Hand: Ein grauer Phaeton von Volkswagen, natürlich mit Wolfsburger Kennzeichen.

Als die Pressekonferenz kurz nach 14 Uhr beginnt, sagt Manager Pander: „Na, Mensch. Es ist ja mal wieder richtig was los.“ Etwa 50 Journalisten sind aus dem Bundesgebiet angereist, trotz des kurzfristigen Termins. Am Abend zuvor hatte der Klub seinem bisherigen Trainer Wolfgang Wolf empfohlen, sein Amt niederzulegen. Offiziell heißt es, „Herr Wolf habe um Vertragsauflösung gebeten“. Insider berichten aber, dass ihn der VfL spätestens am Sonnabend nach dem Spiel gegen Cottbus beurlaubt hätte.

Jetzt wird Röber auf der Bank sitzen – ausgerechnet gegen Cottbus. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte Röber nach einer Niederlage in der Lausitz seinen Rücktritt erklärt. Es gibt gewisse Parallelen zwischen seiner und der Personalie Wolf. Auch Röber wusste vor einem Jahr, dass er am Ende der Saison für einen anderen Trainer Platz machen würde. Als dann mit Hertha der Erfolg ausblieb, „ging es irgendwann nicht mehr“, sagt Röber. Am 6. Februar 2002 trat er zurück. Sechs Jahre war er in Berlin gewesen, er hat Hertha in die Bundesliga und in die Zwischenrunde der Champions League geführt. Hertha nahm unter seiner Regie vier Jahre am Europapokal teil. Zwischen 1998 und 2002 war nur Bayerns Trainer Hitzfeld erfolgreicher.

In Wolfsburg wird Bernd Storck als Kotrainer an Röbers Seite arbeiten. „Das eine Jahr Ruhe tat mir gut“, sagt Röber. „Ich brauchte das. Trotzdem, jetzt wollte ich wieder arbeiten.“ Röbers Stimme ist fest, energisch, vielleicht sogar ein bisschen zu laut. Er trägt einen dunklen Anzug, dazu ein weißes Hemd und Krawatte. In der Hand hält er seine Brille. Röber gilt als eitel, bedacht auf gutes Aussehen. Er rennt häufig durch den Schlosspark, „zehn, elf Kilometer am Tag, weil ich zu dick geworden bin“. Jetzt rennt er in Wolfsburg. Seit eineinhalb Jahren ist in der Branche bekannt, dass Röber mit dem VfL in Kontakt steht. „Da beschäftigt man sich natürlich mit dem Verein“, sagt er. Sein Kotrainer etwa hatte sich bereits im Dezember auf der Tribüne der Volkswagen-Arena blicken lassen. Damals stand schon fest, dass Wolf gehen würde. Das Puzzle setzt sich zusammen.

Wolfsburg will nach vorn – und steht im Mittelfeld. Mit einem Konzern wie Volkswagen im Rücken ist das zu wenig. Im Sommer hat VW schon Stefan Effenberg gelockt. Jetzt also Röber, der Trainer aus der Hauptstadt. „Geben Sie mir vier, fünf Wochen Zeit“, sagt Röber. Der Klub habe Perspektive, „die Situation ist ähnlich wie damals in Berlin“, aber erst wolle er mit den Spielern reden. „Aber ich freue mich wahnsinnig.“

Und das sieht man dann auch. Ab 16.20 Uhr, auf dem Platz. Röber ist in seinem Element, er gestikuliert wild, spricht laut, den Körper nach hinten verbogen, die Hände davor. So haben ihn die Berliner in Erinnerung, so lernen ihn jetzt die Wolfsburger kennen. Beim Torschusstraining sitzt fast jeder Ball. Die Stimmung ist gut, und sie wird immer besser. Am Ende lachen sie alle, die Zuschauer klatschen. Aus Röbers Sicht könnte es ruhig so weitergehen.

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