Sport : Vollbeschäftigt

Oliver Jonas fühlt sich wohl als Stammtorwart der Eisbären – trotz vieler Gegentore zum Saisonstart

Claus Vetter

Berlin - Na gut, es lief noch nicht ganz so rund beim ihm, sagt Oliver Jonas. Aber das konnte auch niemand ernsthaft erwarten, zum Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). „Es wäre doch schade, wenn ich jetzt schon in Topform wäre“, sagt der Torhüter der Eisbären. „Dann müsste ich diese Schüsse halten bis zu den Play-offs.“ Kurze Pause bei den Ausführungen. Logisch, ist angekommen: das mit der blendenden Verfassung geht im Eishockey nicht über eine Saison. Überhaupt, sagt Jonas, Thema Eisbären: „Unser Start vor zwei Jahren war holpriger als diesmal“.

Oliver Jonas ist selbstbewusst geworden, die Situation ist für den 25-Jährigen in dieser Saison bei seinem Klub dankbarer geworden: Er ist bei den Eisbären die Nummer eins im Tor. Die Teilzeithüterschaft der vergangenen Jahre, in denen er sich mit Richard Shulmistra und dann mit Rich Parent die Einsätze teilen musste, ist abgeschafft. So komfortabel hat Jonas seit vier Jahren nicht mehr gehalten, seit er das Team der Universität von Harvard mit dem Physik-Diplom verließ und aus den USA in die Heimat zurückkehrte. „Ich bekomme jetzt mehr Vertrauen, und Vertrauen ist leistungsfördernd.“ Bislang sah das in dieser Saison bei dem aus Neuss stammenden Profi nicht immer danach aus. 24 Gegentore hat sein Klub in sechs Spielen kassiert, 21 davon Jonas, der beim 3:8 gegen Mannheim für ein Drittel das Tor für den 18-jährigen Ersatzmann Youri Ziffzer verlassen musste.

Klar, dass Jonas kritisiert wurde. „Wir sind eben sehr offensiv ausgerichtet. Da passiert vor unserem Tor viel. Unser Torverhältnis ärgert mich auch, aber mit dem Druck von außen kann ich besser umgehen als mit der Situation in der Vergangenheit.“ Ein Spiel spielen, ein Spiel Pause – das war in der Vorsaison der Rhythmus bei den Eisbären. Dieses Prozedere sei bei ihm „leistungshemmend“ gewesen, sagt Jonas.

Der junge Mann mit dem kurzen Blondschopf ist anspruchsvoller geworden, nicht nur in Berlin. Seine internationale Karriere hat nach seinem furiosen Auftritt bei der Weltmeisterschaft in Finnland vor anderthalb Jahren – dort hatte er die beste Fangquote aller Torhüter – kaum stattgefunden. Bei der WM im Frühjahr in Prag und beim World Cup war Olaf Kölzig Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft, vor dem Krefelder Robert Müller. Jonas war meist nur als Tourist dabei. „Ich war mit meiner Berücksichtigung bei den beiden Nationaltrainern nicht zufrieden“, sagt er. Wie bitte? Mit den Nominierungskriterien eines Hans Zach, der sich ungern kritisieren lässt, oder des umgänglicheren Franz Reindl nicht zufrieden? „Nein, das hat mir nicht gepasst. Denn wenn ich eine Chance bekommen habe, war meine Leistung doch immer zufriedenstellend.“ Unter dem neuen Bundestrainer Greg Poss gibt es beim Deutschland-Cup im November den Neustart. Für das Turnier – diesmal in Hamburg und Hannover – rechnet sich Jonas etwas aus. „Auch weil ich glaube, dass der Kölzig nicht kommt.“

Wer weiß? Schließlich ist Olaf Kölzig momentan arbeitslos, da in der National Hockey League nicht gespielt wird. Doch auch wenn er kommt: Jonas könnte damit umgehen, sagt er. Er werde seine Leistung in den nächsten Spielen steigern, sich für die Auswahl aufdrängen. Heute, beim Spiel gegen Augsburg (14.30 Uhr, Sportforum), will er den Anfang machen, Dienstag soll es beim Spiel in Hannover genauso gut weitergehen. „Denn wir haben noch nicht überragend gespielt, das muss nun passieren. Da nehme ich mich nicht aus.“ Bei allem Selbstbewusstsein: Oliver Jonas ist selbstkritisch geblieben.

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