Sport : Volle Halle, schlechte Quote

Der Basketball-Bundesliga fehlen Fernsehzuschauer und eine bundesweite Ausstrahlung

Benedikt Voigt

Berlin. Am Freitagabend konnte Otto Reintjes seiner Liga nicht helfen. „Ich habe kein Messgerät zu Hause“, sagt der Chef der Basketball-Bundesliga, „da würde es der Quote nichts nützen, wenn ich zehn Fernseher anmachen würde.“ Seine Liga hat ein Problem mit der Einschaltquote; nur knapp mehr als 100 000 Zuschauer schalten durchschnittlich ein, wenn das Deutsche Sportfernsehen ein Basketballspiel am Freitagabend live überträgt. Doch da Reintjes nicht zu der kleinen Bevölkerungsgruppe zählt, deren Fernsehverhalten gemessen wird, kann er nicht persönlich die Quote steigern. Am Freitagabend saß er ohnehin nicht vor seinem Fernseher. „Ich bin einer von denen, die lieber die Spiele live in der Halle sehen“, sagte Otto Reintjes – und fuhr zum Spiel Leverkusen gegen Bonn.

Die Quoten sind nicht das einzige Problem, das die Bundesliga in der Rückrunde belastet, die für Alba Berlin heute mit dem Spiel gegen die Gießen 46ers in der Max-Schmeling-Halle (15 Uhr) beginnt. Im Dezember verabschiedete sich der Traditionsverein Brandt Hagen in die Insolvenz und stellte damit das Lizenzierungsverfahren in Frage. Alle Spiele der Hagener sind annulliert, die Bundesliga muss die Saison mit 15 Klubs zu Ende spielen. Zugleich fehlt ein Namenssponsor für die Liga.

Die Verantwortlichen sehen die Situation nicht dramatisch. „Man kann nicht sagen, dass die Bundesliga nichts wert ist, weil sie keinen Hauptsponsor findet“, sagt Marco Baldi. Der Vizepräsident der Arbeitsgemeinschaft Basketball-Bundesliga vergleicht die Situation mit seinem Verein Alba Berlin, bei dem er den gleichen Posten innehat. „Wir hatten auch ein Jahr lang keinen Trikotsponsor.“ Baldi führt die Situation im Sommer nach der Kirch-Krise für die schwierige Vermarktungslage an. Zwei potenzielle Sponsoren sind nach Auskunft von Reintjes kurz vor der Unterzeichnung abgesprungen. Weil es keinen Namenssponsor gibt, hat die Bundesliga das Projekt zurückgestellt, von jenem Geld eigene Fernsehbilder für die dritten Programme zu produzieren. „Es fehlt uns nichts Weltbewegendes“, sagt Reintjes. Doch, ein Klub ist aus der Liga verschwunden.

Marco Baldi sagt: „Hagen war ein faules Ei.“ Während alle anderen Klubs rechtzeitig an einer Lösung gearbeitet hätten, um den neuen Standard von Hallen für mindestens 3000 Zuschauer zu erfüllen, habe der Traditionsklub dies versäumt. „Man darf diesen Fall nicht dramatisieren“, sagt Baldi, „ein Lizenzierungsverfahren wird niemals ausschließen können, dass ein Verein Insolvenz anmeldet.“ Reintjes möchte dennoch Konsequenzen ziehen. „Man muss sich überlegen, ob die Vereine nicht ihre wichtigsten Sponsorenverträge vorlegen müssen.“

Das schwierigste Thema aber sind die Einschaltquoten. Obwohl die Zuschauerzahlen in den Hallen weiter steigen, ist Basketball noch weit davon entfernt, sich als Fernsehsportart zu etablieren. In der Liga glaubt man, dass sich der Sendeplatz am Freitagabend nicht bewährt hat. Und Baldi vermisst seinen Verein in den Übertragungen. „Die Fußball-Bundesliga wird auch nicht ohne Bayern München gesendet, wo sich 70 Prozent freuen, wenn Bayern verliert.“

Offensichtlich aber müssen sich die Verantwortlichen auch mit dem Gedanken anfreunden, dass der Sport mit dem großen roten Ball regional, aber nicht national verbreitet ist. „Man muss überlegen, wie man die regionalen Strukturen stärken kann, um überregionales Interesse zu schaffen“, sagt Reintjes. Durch neue Hallen, steigende Zuschauerzahlen und mehr sportliche Qualität sieht er die Bundesliga auf einem guten Weg.

Allerdings neigt er dazu, die Liga wie ein schlechter Marktschreier anzupreisen. Als ihn am Freitag der DSF-Reporter auf die Negativschlagzeilen im Fall Hagen anspricht, antwortet er: „Welche Negativschlagzeilen? Die Liga brummt ohne Ende – was will man mehr?“ Wie wäre es mit einem Namenssponsor, mehr Fernsehzuschauern und einem 16. Verein?

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