Sport : Volle Kanne um 15 Uhr 30

Philipp Köster

Passiert ja immer wieder mal, dass ich samstags nicht ins Stadion kann: Silberne Hochzeit der Schwiegereltern, Familienausflug an den Ententeich oder so.

Um trotzdem nicht erst in der Sportschau zu erfahren, dass der FC Bayern wieder gewonnen hat, tue ich den Nachmittag über einiges, um über die Spielstände informiert zu bleiben. Ich höre Radio, meditiere vor dem Videotext und klingele alle drei Minuten bei Freunden im Stadion durch: „Sag mal, wie steht’s denn?“

Kann man natürlich nur machen, wenn man allein auf der Couch im Wohnzimmer sitzt. Hat sich hingegen Besuch angesagt, sind Taktik und Einfühlungsvermögen gefragt.

Neulich beispielsweise war eine Familienfeier bei uns daheim, Anpfiff um halb vier zur besten Bundesliga-Zeit. Als Mitveranstalter konnte ich weder die Festgesellschaft mit strenger Stimme um Ruhe bitten („Keinen Mucks will ich hören, Bundesliga-Konferenz läuft gerade!“), noch konnte ich mich nach einer halben Stunde mit dem Hinweis entschuldigen, ich habe nun Wichtigeres zu tun. Also erfand ich abenteuerliche Ausreden, um wenigstens punktuell dem Bundesliga-Geschehen zu folgen. Mal setzte ich neuen Kaffee auf (obwohl noch drei volle Kannen auf dem Tisch standen), mal tat ich so, als hätten gerade neue Gäste an der Tür geklingelt („Bleib sitzen, ich mach auf“).

So richtig funktionierte das allerdings nicht. Beim ersten erschummelten Abstecher ans Radio lief gerade kein Fußball, sondern ein vierminütiger Beitrag über eine Ruderregatta in Duisburg. Und bei der zweiten Auszeit brabbelte der Reporter aus Bochum endlos, so dass ich mit zwei weiteren vollen Kaffeekannen, aber ohne Informationen über die Zwischenstände der anderen Spiele zurück ins Wohnzimmer wankte und mir schwor: Das nächste Mal gehst du wieder ins Stadion. Und trinkst Bier, keinen Kaffee.

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