Voller Förderfokus auf Olympia : Sporthilfe streicht WM- und EM-Prämien

Die Deutsche Sporthilfe hat am Dienstag in Berlin ihr neues Konzept vorgestellt. Der Vorteil soll in einer besseren Planbarkeit bei der Verbindung von Spitzensport und Ausbildung liegen.

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Duale Olympiasiegerin. Franziska Weber holte Kanu-Gold in London.
Duale Olympiasiegerin. Franziska Weber holte Kanu-Gold in London.Foto: dapd

Wenn es um Geld geht, verliert der Mensch oft seine Lockerheit. Der Sportler zumal. Michael Ilgner kennt das. Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Deutsche Sporthilfe hat zuletzt bestimmt keinen Spaß an den Diskussionen um die Förderung der deutschen Athleten gehabt. Erst recht nicht daran, dass ein Olympiasieger wie Diskuswerfer Robert Harting am lautesten nach mehr Unterstützung geschrien hat.

Ilgner versucht, es locker wegzumoderieren vor den Mikrofonen im Hause eines bekannten deutschen Automobilherstellers am Salzufer in Charlottenburg. Ja, der Harting sei „in seiner Art etwas zu drastisch“ geworden. Aber im Prinzip habe er sogar recht. Das Risiko sei im Spitzensport eben individualisiert. Doch im neuen Förderkonzept für die Spiele von Rio de Janeiro 2016 sei jetzt vieles einfacher, transparenter – und, das sagt Ilgner nicht, meint es aber sicher: gerechter.

Die Deutsche Sporthilfe hat am Dienstag in Berlin ihr neues Konzept vorgestellt. Das Fördersystem ist überschaubarer geworden, die Anzahl der Fördergruppen wurde auf ein Viertel eingedampft. Für die Athleten ist einfacher nachvollziehbar, was sie erhalten. So gibt es etwa in der sogenannten „Elite Förderung“ zwischen 400 und 800 Euro monatlich, in der Zeit beginnend 18 Monate vor den Olympischen Spielen im Programm „Elite Plus“ sogar 1500 Euro pro Monat.

Die Summen hören sich für professionelle Sportler, die ja auch mögliche Olympiateilnehmer sind, lustig an. Aber ein Silvio Heinevetter etwa wird mit seinen Kollegen aus der Handballmannschaft nicht in den Genuss der Förderung kommen. Auch werden A-Kader von Sportarten wie Fußball, Eishockey, Basketball und Ski Alpin natürlich nicht unterstützt. Es gehe nur um jene Sportler, die eine „duale Karriere“ leben, sagt Ilgner.

Der Vorteil am neuen System liege in einer besseren Planbarkeit bei der Verbindung von Spitzensport und Ausbildung. Franziska Weber, in London Olympiasiegerin im Kanu, sagt, die Elite-Förderung sei für sie in ihrem Parallelleben als Sportlerin und Studentin essenziell. „Denn Zeit für einen Nebenjob habe ich nicht.“

Trotzdem sieht auch sie das derzeitige Fördersystem als nicht ausreichend an. Etwas verdienen können nur Sportler, die bei Olympia ganz oben stehen. „Da würde ich nicht auf die Medaillenprämie verzichten wollen, das ist ein großer Anreiz.“ 15 000 Euro bekam Weber in London für ihren Olympiasieg. Olympiaprämien als verdienter Bonus seien auch weiter vorgesehen, sagt Ilgner. Allerdings werde es keine EM- oder WM-Prämien mehr geben. Das sei angesichts der unterschiedlichen Häufigkeit von internationalen Meisterschaften in verschiedenen Sportarten nur gerecht. Es setzt allerdings die Athleten noch mehr unter Druck. Sie müssen sich vor allem auf Olympia fokussieren.

Die Sportförderung stellt ihr Konzept um, aber Probleme bleiben. Aufwand und Ertrag stehen in vielen olympischen Sportarten in keinem Verhältnis. Ein so opulentes Förderprogramm wie etwa das in Großbritannien gibt es in Deutschland nicht. Olympiasiegerin Weber sagt, sie habe immer gewusst, dass sie mit ihrem Sport nicht reich werden würde. Und die duale Karriere habe durchaus Vorteile: „Wenn ich mich verletzte und aus dem Sport aussteigen muss, fängt mich mein Studium auf.“

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