Sport : Voller Selbstvertrauen

Die Mannschaft für die Basketball-WM steht – und der Supercup hat gezeigt: Weltmeister Jugoslawien zu schlagen ist gar nicht mehr so schwer

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Von Benedikt Voigt

Braunschweig. Er sah nicht aus, wie jemand, der gerade ein großes Lebensziel erreicht hat. Misan Nikagbatse saß mit grimmiger Miene in der Eingangstür des Mannschaftsbusses, schrieb missmutig Autogramme und verschenkte Schweißbänder an junge Fans. Seit drei Tagen wusste der Aufbauspieler von Olympiakos Piräus, dass er mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft (29. August bis 8. September) nach Indianapolis fahren darf. Trotzdem sagte Nikagbatse: „Ich bin frustriert." Bundestrainer Henrik Dettmann hatte ihn im Supercup beim 87:88 gegen Jugoslawien nach zwei Verlängerungen etwas zu lange auf dem Spielfeld gelassen. In der wichtigen Endphase der regulären Spielzeit hatte er dann zu viel gewollt und prompt zwei Korbleger daneben geworfen. „Das ist normal, er ist 20 Jahre alt“, sagte der Bundestrainer, „aber er hat immer gut verteidigt, deshalb fährt er auch mit zur WM.“ Marvin Willoughby und Drazan Tomic hingegen lässt Dettmann zu Hause. „Das ist keine Entscheidung gegen Tomic, sondern eine Entscheidung für drei Aufbauspieler.“

In Mithat Demirel, der gegen Jugoslawien ein gutes Spiel und acht Punkte machte, sowie Misan Nikagbatse und Pascal Roller hat der Bundestrainer gleich drei Spielmacher im Zwölf-Mann-Kader für die Weltmeisterschaft. Dafür stehen ihm in Patrick Femerling (18 Punkte, elf Rebounds) und Robert Maras nur zwei echte Centerspieler zur Verfügung. Gegen Jugoslawien hat allerdings auch Stephen Arigbabu mit acht Punkten und guter Verteidigung gezeigt, dass er eine gute Alternative auf der Centerposition ist. „Ich hatte vor dem Supercup das Gefühl: Das ist die Mannschaft“, erklärte Dettmann. „Jetzt wollen wir diese Mannschaft weiter entwickeln.“

Das dramatische Spiel gegen den Welt- und Europameister hatte bereits einige Hinweise auf die WM geliefert. „Wir werden in Indianapolis viele knappe Spiele sehen“, sagte Svetislav Pesic. Der jugoslawische Nationaltrainer kämpft zurzeit noch gegen einen Virus, den sich sein Team in der Türkei eingefangen hat. „Uns fehlt eine gute physische Verfassung“, sagte Svetislav Pesic. Zudem ist auch Centerspieler Vlade Divac von den Sacramento Kings noch nicht in Form. Trotzdem sind die Jugoslawen – mit fünf Spielern der nordamerikanischen Profiliga NBA – das Team, das bei der WM die USA am ehesten schlagen kann. Pesic sagt: „Alle können gewinnen, und die Amerikaner könnten auch ein Spiel verlieren.“

In der Startformation des deutschen Teams stehen Mithat Demirel und Stefano Garris (beide Alba Berlin). Ihr Vereinskollege Marko Pesic – Sohn des jugoslawischen Nationaltrainers – kommt als sechster Mann von der Bank, eine Rolle, die er bei Alba nur selten hat. „Als sechster Mann so eine gute Leistung zu bringen – das zeigt, dass er einen großen Charakter hat“, sagte Dettmann. Marko Pesic hatte gegen die Mannschaft seines Vaters zwölf Punkte erzielt, darunter den Korbleger zum 77:77 eine Sekunde vor dem Ende der ersten Verlängerung.

Der NBA-Spieler Dirk Nowitzki machte zwar gegen Jugoslawien insgesamt 25 Punkte, doch er traf nur drei von 14 Würfen aus der Halbdistanz. „Dirk ist auch noch nicht fit“, sagte Dettmann. Erst seit Montag trainiert der ehemalige Würzburger mit dem deutschen Team. In Braunschweig musste er gleich drei Spiele in drei Tagen bestreiten. Doch auch als Nowitzki gegen Jugoslawien auf der Bank saß, konnte das deutsche Team um Patrick Femerling das Niveau halten. Ein Ein-Mann-Team ist die deutsche Basketball-Nationalmannschaft keinesfalls.

„Deutschland hat sich durch seinen vierten Platz bei der EM Respekt verschafft“, sagte Marko Pesic, „die Mannschaft hat Selbstvertrauen und will gewinnen.“ Im Spiel gegen Jugoslawien hatte es dann zwar doch nicht zum dritten Sieg gereicht. „Aber wir können sehr stolz sein, denn wir haben nur unglücklich verloren“, sagte Flügelspieler Stefano Garris, „die Zeiten sind vorbei, als wir gegen Jugoslawien mit 20 Punkten verloren haben.“ Wann aber kommen die Zeiten, da Deutschland den Weltmeister schlägt? Stefano Garris sagt: „Vielleicht ja schon in diesem Sommer.“

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