Volleyball : Allein es fehlt der Glaube

Der SC Charlottenburg muss im Finale erkennen, dass der VfB Friedrichshafen eine Nummer zu groß für ihn ist.

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Mark Lebedew hat diesmal in der Nacht keine Videos mehr analysiert. Erstens dauerte das Mannschaftsessen bis nach Mitternacht, und zweitens: Was hätte die Analyse denn überhaupt noch gebracht? Es ist alles vorbei. Der SC Charlottenburg ist Vizemeister im Volleyball, nachdem er am Samstag in Friedrichshafen auch das dritte Spiel der Finalrunde verloren hat, diesmal 1:3 (14:25, 19:25, 25:23, 22:25). Damit war die letzte Chance, dass Lebedews Team noch den Titel gewinnt, vergeben. Stattdessen feierten die Fans des VfB Friedrichshafen. Zum siebten Mal hintereinander sicherte sich der Serienmeister den Titel.

3700 Zuschauer saßen auf den Rängen, doppelt so viele wie im ersten Finalspiel; logisch, die Meisterschaftsparty lockte. Und schon nach dem ersten Satz war klar, dass sie alle feiern konnten, die VfB-Spieler, ihr Trainer Stelian Moculescu und die Fans. „An diesem Tag war Friedrichshafen einfach zu stark“, sagte Lebedew. „Der VfB war in allen Bereichen aggressiver als wir.“ Er rechnet seiner Mannschaft hoch an, dass die sich nicht aufgab, „dass wir uns im dritten Satz herangekämpft haben und im vierten Satz drangeblieben sind, obwohl wir nicht gut gespielt haben“.

Aber das hat nichts am Gesamtergebnis geändert. Leidenschaft hatte der Australier schon vor dem Anpfiff bei seinen Spielern festgestellt, „aber ob tief im Inneren auch der Glaube an einen Sieg vorhanden war, das ist eine andere Frage“. Die Frage ist geklärt, der Glaube war nicht so ausgeprägt, wie er es gegen eine so erfahrene Mannschaft hätte sein müssen.

Kein Wunder, dass Lebedew deshalb die größten Reserven seiner Mannschaft noch im „psychischen Bereich“ sieht. Die Halbfinalsiege gegen Haching, das war Volleyball, wie ihn der Trainer sehen wollte. Aber Halbfinale und Finale, „das ist ein Riesenunterschied“. Einige Friedrichshafener Spieler standen „gefühlt schon in 100 Endspielen“, sagt Lebedew, das spürte man ganz einfach. Wer hätte denn den Charlottenburgern überhaupt zugetraut, dass sie ins Finale kommen? Kaweh Niroomand, der Manager natürlich, offiziell wenigstens. Einen Finaleinzug im Pokal oder in der Meisterschaft hatte er als Saisonziel ausgegeben. Aber sonst? „Eine Handvoll Leute“, sagt Lebedew, „sonst doch niemand.“

Deshalb ist er mit der Saison im Ganzen auch zufrieden. „Es gab nie ein Spiel, bei dem die Mannschaft nicht gekämpft hatte. Auch nicht bei Partien, die spielerisch nicht so gut gelaufen sind.“ Die ganze Mannschaft habe sich entwickelt.

Zweifellos, der SCC hat sich gesteigert. Scott Touzinsky, der Neuzugang, Olympiasieger von 2008, war wichtig fürs Team wegen seiner Siegermentalität, Diagonalangreifer Aleksandar Spirovski erlebte einen ungeahnten Leistungsschub, Salvador Hidalgo Oliva verbesserte sich im Angriff, auch Mittelblocker Felix Fischer stabilisierte sich nach einer durchwachsenen Phase zu Saisonbeginn.

Aber diese guten Einzelspieler müssen zu einer harmonischen Einheit zusammengefügt werden. Das funktionierte bis zum Halbfinale. Die Grenzen dieser Harmonie sah man im Finale. „Da geht es um gegenseitiges Vertrauen, das man sich in großen Kämpfen aufgebaut hat“, sagt Lebedew. Und in diesem Punkt hat Friedrichshafen einfach mehr zu bieten. Dazu kommen „Kleinigkeiten, bei denen ich vor dem dritten Finalspiel nicht optimal gearbeitet habe“, sagt Lebedew. Welche das sind, will er nicht preisgeben.

Wenn’s nach ihm geht, würde er gerne auch in der neuen Saison an diesen Kleinigkeiten arbeiten, obwohl sein Vertrag ausläuft. Die entscheidenden Gespräche werden in Kürze stattfinden. Aber am Mittwoch wird erst mal noch gefeiert. Da findet der Saisonabschluss des SCC statt.

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