Sport : Volleyball: Ausländer rein

Karsten Doneck

Das Konzept ist fertig. Es existiert aber vorerst nur in den Köpfen. Nichts ist beschlossen, geschweige denn finanziell abgesichert. Erst Mitte April soll das Denkmodell abgesegnet sein, aber dann schon für die nächste Saison in die Praxis umgesetzt werden. Fest steht: Der SC Charlottenburg ist es leid, in der Volleyball-Bundesliga stets nur im Schatten des übermächtigen VfB Friedrichshafen die Bälle übers Netz zu schmettern. "Wir würden gerne zwei, drei wirklich gute Leute in die Mannschaft hineinholen", erklärt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Und die Charlottenburger, die sich bisher als Sammelbecken von deutschen Nationalspielern verstehen, wären dabei dann auch wieder bereit, ihre Türen für ausländische Akteure zu öffnen.

Doch der beabsichtigte Wandel vollzieht sich in Maßen. "Acht Ausländer auf dem Feld wie in anderen Klubs - das wollen wir auf keinen Fall", schränkt Niroomand ein. Schließlich bereitet der SCC in seinem bundesweit höchste Anerkennung findenden Nachwuchs-Center in Marzahn junge deutsche Spieler auf eine erfolgreiche Volleyball-Karriere vor. Diese Talente sollen beim Übergang in den Männerbereich nach wie vor im eigenen Verein eine sportliche Perspektive sehen und sich nicht von vornherein nur als Reservisten mit Anschauungsunterricht bei einem Starensemble begnügen müssen.

"Ziel ist es, unser Konzept zu optimieren", beschreibt Niroomand den schwierigen Spagat zwischen Volleyball auf höchstem Niveau und gleichzeitiger Integration des Nachwuchses. Der SCC-Manager weiß aber auch, dass das Abweichen vom bisherigen Kurs durchaus als Scheitern des Modellversuchs SCC ausgelegt werden könnten. "Wenn wir das jetzt so darstellen, mag das für manchen vielleicht Alibifunktion haben", weiß Niroomand, "aber dem ist nicht so. Wir wollen nur sicherstellen, dass die Mannschaft erfolgreicher wird."

Heute (15 Uhr, Sömmeringhalle) kämpft der SCC gegen den ASV Dachau im letzten Bundesligaspiel vor den Play-offs Dachau erst einmal um eine möglichst günstige Ausgangsposition für das Viertelfinale. Unabhängig vom Ausgang der Partie sind in der Runde der letzten Acht die Dachauer wiederum der Gegner. Gewinnen die Charlottenburger aber heute, dann hätten sie in einem eventuell notwendigen dritten Play-off-Spiel wenigstens zum zweiten Mal Heimrecht. "Zwei Mal in der kleinen Dachauer Halle anzutreten, das würden wir uns gerne ersparen", sagt Niromand.

Dass der SCC in der Bundesliga in dieser Saison bisher nicht so recht in die Strümpfe kommt, erleichtert den Verantwortlichen eine mittlerweile als dringend erachtete Maßnahme. "Es wird am Ende der Saison eine Zäsur geben", sagt Niroomand, will aber - um "jetzt vor den Play-offs niemanden zu beunruhigen" - noch keine Namen nennen. Klar, dass da auch manches SCC-Talent als ewiges Talent auf der Strecke bleiben wird. Und auch über Trainer Brian Watson wird der SCC möglicherweise nachdenken. "Er macht gute Arbeit, gilt weltweit als absoluter Fachmann. Über ihn gibt es keinerlei Diskussionen", behauptet Niroomand zwar nach wie vor. Aber nach drei Jahren unter dem Kanadier Watson, der sich in seiner Zeit in Berlin erfolgreich dagegen gewehrt hat, überhaupt nur ein paar Brocken Deutsch zu lernen, könnten vielleicht neue Impulse von der Trainerbank dem ein oder anderen Spieler auch nicht schaden.

Nun haben hochkarätige Verstärkungen auch im Volleyball ihren Preis. Und seinen Saisonetat von derzeit knapp einer Million Mark deckt der SCC Jahr für Jahr nur mühsam. Eine weitere Aufstockung des Haushalts scheint nahezu ausgeschlossen. "Der Etat muss nicht zwangsläufig wachsen, wenn wir uns ganz gezielt mit ausländischen Spielern verstärken", sagt Niroomand, der sich durch die Gründung eines Sponsorenpools die nötige Finanzsicherheit erhofft.

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