Volleyball : Der ewige Meister

In der Volleyball-Bundesliga der Männer geht es in diesem Jahr mehr denn je nur darum, wer im Endspiel dem VfB Friedrichshafen halbwegs ehrenvoll unterliegen darf. Karsten Doneck wünscht sich eine spannendere Veranstaltung.

Karsten Doneck

Ziel sei „die Finalteilnahme“. Das verkündeten die Volleyballer des SC Charlottenburg vor der Saison. Vom Gewinn der deutschen Meisterschaft war nie die Rede – seit Jahren nicht mehr. Falsche Bescheidenheit? Oder eher die realistische Einschätzung unumstößlicher Kräfteverhältnisse? Spannungstötend, aber wahr: In der Volleyball-Bundesliga der Männer geht es in diesem Jahr mehr denn je nur darum, wer im Endspiel dem VfB Friedrichshafen halbwegs ehrenvoll unterliegen darf. Heute beginnen die Play-offs, in der Viertelfinale-Serie „Best of three“ ist die SG Eltmann für den SCC der Gegner (20.15 Uhr, Sömmeringhalle). Eine lösbare Aufgabe. Danach kommt das Halbfinale, möglicherweise gegen den Moerser SC – dann das Endspiel.

In den letzten zehn Jahren wurde der VfB Friedrichshafen acht Mal Deutscher Meister. Die Mannschaft von Trainer Stelian Moculescu beherrscht die Liga, sie hat von 22 Saisonspielen keines verloren, dabei ganze acht Sätze abgeben müssen. Die Strukturen des Klubs sind derart gefestigt, dass sich an der Übermacht so bald nichts ändern wird. Die regionale Wirtschaft steht am Bodensee fest hinter dem VfB, der Etat des Vereins soll doppelt so hoch liegen wie der des SCC, die internationale Erfahrung aus vielen Champions-League-Spielen hat der Mannschaft sportlich einen Vorsprung verschafft, der für den Rest der Bundesliga langfristig nicht einholbar ist. Dazu kommt die Infrastruktur in Friedrichshafen mit einer hochmodernen Halle.

In der Liga ist damit für die anderen Platz zwei das Maß der Dinge. Auch für den SCC. Der Klub investiert in diese Saison 850 000 Euro. Ein hoher Preis für – maximal – Platz zwei. Und selbst wenn der SCC den Etat verdreifachen könnte, wären damit nicht alle Wettbewerbsnachteile gegenüber Friedrichshafen auf einen Schlag aufgeholt. Eine Konsequenz wäre: resignieren, einfach aufgeben. Die andere Möglichkeit: Geduld haben, warten, auf Schwächen des Starken lauern.

Der VfB siegt und siegt. Einer Liga, die hart um die Publikumsgunst kämpft, könnte mehr Spannung nicht schaden.

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