Volleyball : Die Volleys empfangen den Meister

Der gebürtige Berliner Marcus Böhme spielt am Sonntag mit Friedrichshafen in der Schmeling-Halle (16 Uhr) das zweite Halbfinale der Play-offs zwischen dem Meister aus Friedrichshafen und den BR Volleys aus Berlin.

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Siegesgewiss. Böhme will auch das zweite Spiel gegen die Volleys gewinnen.
Siegesgewiss. Böhme will auch das zweite Spiel gegen die Volleys gewinnen.Foto: picture alliance / dpa

Wenn Marcus Böhme mal wieder so „ein richtig cooles Gefühl“ spüren möchte, dann muss er nur in der Innenstadt von Friedrichshafen am Hafen entlang laufen. Die Promenade ist voll mit kleinen Läden, und in jedem dritten sieht sich Böhme selber. Er lächelt dann von einem Plakat, auf das irgendwo auch noch der Schriftzug des VfB Friedrichshafen gedruckt ist. Volleyballer sind kleine Stars in der Stadt am Bodensee. Es gibt Plakate mit allen Spielern, regelmäßig wird ein anderer präsentiert. Dass der Mittelblocker Böhme gerade jetzt überall lächelt, hat einen einfachen Grund. Jedenfalls vermutet das Böhme: „Ich bin ein Berliner, und jetzt spielen wir gerade gegen Berlin.“

Am Sonntag findet in der Schmeling-Halle (16 Uhr) das zweite Halbfinale der Play-offs statt, das erste Duell haben die Schwaben 3:1 gewonnen, und Böhme geht natürlich davon aus, „dass wir auch in diesem Spiel siegen werden“. Der 26-Jährige sagt das ganz nüchtern, er ist Profi, er leistet sich keine Sentimentalitäten. Trotzdem ist es kein normales Spiel für ihn. Er hat früher für den SC Charlottenburg gespielt, er ist beim VC Olympia ausgebildet worden, seine Lieblingsstadt „ist immer noch Berlin“.

Seit 2009 spielt er nun in Friedrichshafen, und in den drei Jahren hat er sich verändert. Der Mann, der an den Bodensee gewechselt ist, „um sich weiterzuentwickeln“, ist mittlerweile einer der Leistungsträger des Deutschen Meisters. „Man spielt schon eine entscheidende Rolle“, sagt der Nationalspieler. „Man“ – nicht „ich“. Böhme donnert inzwischen die Bälle bei Aufgaben über das Netz, als würde er mit einem Vorschlaghammer zuschlagen, er ist im Angriff stärker geworden, aber er ist keiner, der sich in den Vordergrund rückt. Wenn er von sich redet, sagt er oft „man“. Das passt zu seiner Einschätzung, dass er zwar in bestimmten Situationen auch zu denen gehört, die die Mannschaft aufbauen, aber er ist nicht „dieser emotionale Typ, der ganz aus sich herausgeht“. Der Brasilianer Idner Lima Martins, genannt Idi, ist so ein Typ. Ein Showman, der den großen Antreiber gibt.

Die Berlin-Verbundenheit von Marcus Böhme hat ihre Grenzen. In seiner Heimatstadt bauen sie jetzt das Projekt BR Volleys auf, die Kombination von Spitzensport mit Show, schön und gut, aber der Ex-SCC-Spieler Böhme nimmt das eher hin wie das Schwappen der Wellen gegen das Hafenbecken in Friedrichshafen. „Ich habe da eher eine nüchterne Sicht“, sagt er. „Ich lese in der Zeitung und im Internet darüber, aber ich verfolge nicht jedes Gerücht.“ Reizvoller wird ein Wechsel nach Berlin durch das Projekt nicht, das ist die Botschaft. Böhmes Vertrag läuft am Saisonende aus, ob er am Bodensee bleibt oder wechselt, ist noch völlig unklar. Aber das Ausland, sagt er, das ist durchaus eine Option.

Das heißt ja nicht, dass er das Berliner Projekt für falsch hält. In Berlin mit seinem riesigen sportlichen Angebot, „da ist die Show sogar ein Muss“. Das heißt auch, dass ihn 8045 Zuschauer in der Schmeling-Halle, wie beim Duell des VfB mit dem SCC Ende der vergangenen Saison, nicht sonderlich beeindrucken. „Mit der Nationalmannschaft haben wir in der Schmeling-Halle ja auch schon vor mehreren tausend Zuschauern gespielt.“ Doch so einfach übertragen lässt sich diese Show auf Friedrichshafen nicht. Volleyball ist dort zwar Sportart Nummer eins, aber die Fans, die haben es nicht so mit Glamour und Glitzer. „Es ist ein eher betagtes Publikum“, sagt Böhme.

Andererseits trifft Böhme in Friedrichshafen auch immer wieder auf Menschen, die ihm spontan fürs nächste Spiel „alles Gute wünschen“. So etwas ist ihm in Berlin nicht passiert. Und trotzdem: Bei der Begeisterung für die Spieler gibt es eine klare Rangfolge. Das mit Abstand größte Plakat eines Spielers, das in Friedrichshafen hängt, zeigt den Publikumsliebling des VfB. Böhme ist es nicht. Übergroß lächelt von dort Idi, der Emotionale.

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