Volleyball : Ein Satz reicht schon – vielleicht

Die Volleyballerinnen sind heute gegen Holland gefordert. Die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking hängt davon ab.

Felix Meininghaus[Halle/Westfalen]

Bundestrainer Giovanni Guidetti gehört zu den Zeitgenossen, die sich von Widrigkeiten wie einer Niederlage nicht so schnell aus der Bahn werfen lassen. Nach dem 2:3 (25:22, 21:25, 25:14, 19:25, 8:15) gegen Polen saß der Italiener im Tennisstadion von Halle und referierte in einer Mischung aus Deutsch und Englisch, warum seine Volleyballerinnen trotz des Rückschlags weiter alle Möglichkeiten haben, den Sprung zu den Olympischen Spielen in Peking zu schaffen. „Das Spiel gegen Holland ist das wichtigste“, verkündete Guidetti überzeugt. „Unsere Gruppe ist erst am Freitagabend beendet.“

In der Tat: Wenn das Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) heute um 20 Uhr sein abschließendes Vorrundenspiel gegen Holland gewinnt, ist das Nahziel, das Halbfinale, schon mal erreicht. Gestern Abend schuf dann der überraschende 3:1-Sieg der Türkei über die Holländer sogar eine noch bessere Ausgangslage für die Deutschen. Bei einem Erfolg der Polen zum Vorrundenabschluss gegen die Türkei könnte sich die deutsche Mannschaft gegen die Niederlande sogar eine Niederlage leisten, müsste dann aber zum Weiterkommen mindestens einen Satz gewinnen. Womit aber der Weg nach Peking noch immer nicht geebnet wäre: Nur der Sieger des Achterturniers darf sich im August aufmachen zu den Olympischen Spielen.

Am Mittwoch gegen Polen gab es einige Indizien, die darauf hindeuten, dass die deutschen Volleyballerinnen mit gestiegenen Aussichten in das entscheidende Duell gegen Holland gehen. Dreieinhalb Sätze lang spielte das Team um Spielführerin Angelina Grün stark und beeindruckte seine körperlich überlegenen Widersacher mit ungeheurer Abwehrstärke und großem Eifer. Bis dahin hatte Guidetti „unser bestes Spiel seit vier oder fünf Monaten“ gesehen. „Bis zum 12:8 im vierten Satz war alles gut, dann haben wir nachgelassen.“

Zudem geriet zum Ende des Satzes ein Mann ins Blickfeld, der dort nicht stehen sollte: Schiedsrichter Juraj Mokry (Slowakei) traf drei Fehlentscheidungen gegen die Deutschen. Anschließend bestrafte er den protestierenden Guidetti noch mit der Gelben Karte und dessen Team mit einem Punktverlust. „Der Schiedsrichter war zu sehr Protagonist“, bemängelte Angelina Grün, gab sich jedoch auch selbstkritisch: „Es war unser Fehler, sich darauf einzulassen.“ Ihre Mitspielerin Corina Ssuschke vom Deutschen Meister Dresdner SC stellte fest: „Bis Mitte des vierten Satzes haben wir als Mannschaft super funktioniert.“ Wenn es gelänge, „gegen die Holländerinnen noch eine Schippe draufzulegen, müsste es mit dem Teufel zugehen, wenn es nicht klappt“. Allerdings kämpft auch der Kontrahent um seine letzte Olympiachance. Ein Umstand, der ein verbissenes Ringen erwarten lässt.

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