Volleyball : Ein Titel, der verpflichtet

Nach der zweiten Meisterschaft in Serie träumen die BR Volleys von der Finalrunde der Champions League.

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20 Kilogramm schwer und unheimlich begehrt. Roko Sikiric lässt sich von seinen Kollegen für das Stemmen der Meistertrophäe bejubeln. Foto: dpa
20 Kilogramm schwer und unheimlich begehrt. Roko Sikiric lässt sich von seinen Kollegen für das Stemmen der Meistertrophäe...Foto: dpa

Berlin - Eine ganze Volleyball-Saison lang hat Kaweh Niroomand nach der Meisterschale gestrebt, doch als der Manager der BR Volleys sie am Sonntagabend in Friedrichshafen endlich in die Höhe stemmen durfte, gefiel sie ihm nicht. 20 Kilogramm wiegt der 1987 geschaffene ovale Bronzekoloss des Bildhauers Anselm Treese, dessen Design sich auch auf den zweiten Blick nicht erschließt. Sind es Finger, die aus der Schale ragen? Arme? Zapfen? „Zu altbacken“, sagt Niroomand über das Objekt der Volleyballerbegierde, „es wird Zeit, dass eine zeitgemäßere Schale oder ein Pokal verliehen wird.“

Das ist wieder typisch für den Macher der Berlin Recycling Volleys. Kaum haben seine Volleyballer das wichtigste Ziel erreicht, denkt Kaweh Niroomand schon an Verbesserungen. Natürlich hat der Berliner Manager den zweiten Meistertitel in Folge und insgesamt fünften der Vereinsgeschichte genossen. Zumal der 3:2-Erfolg beim VfB Friedrichshafen nach 2:0-Satzführung und 5:9-Rückstand im fünften Satz auf äußerst dramatische Weise zustande gekommen ist. Angesichts der überschaubaren Ausgehmöglichkeiten in Friedrichshafen an einem Sonntagabend feierten Mannschaft und Fans in einem italienischen Restaurant.

Am Mittwoch wird die Mannschaft im Roten Rathaus empfangen

„Anschließend haben wir die Hotelbar gestürmt und durchgemacht“, berichtet Niroomand. Die Mannschaft flog mittags zurück und wollte Montagabend in Berlin weiterfeiern. Niroomand aber ging von der Hotelbar über die Zimmerdusche direkt zum Gate am Züricher Flughafen, wo sein Flug nach Berlin um 6.20 Uhr abhob. Denn so ein Meistertitel bringt auch Verpflichtungen.

Da sind die schönen wie der Empfang am Mittwoch für das Meisterteam beim Regierenden Bürgermeister im Roten Rathaus. Oder die Saisonabschlussfeier am Freitag in der Max-Schmeling-Halle. Und die schwierigeren: Die Entscheidungen für die Zukunft. „In erster Linie wollen wir unser Projekt weiterführen“, sagt Niroomand, „wir müssen nicht jedes Jahr Deutscher Meister werden, aber die Teilnahme an den Finalspielen muss unser Ziel sein.“ Dafür setzt er weiter auf das aktuelle Meisterteam um Trainer Mark Lebedew und will, wenn überhaupt, maximal zwei Spieler auswechseln. Der Etat von 1,4 Millionen Euro dürfte in der kommenden Saison nur etwas gesteigert werden.

Vielen Bundesligaspielen fehlt es an Spannung

Vor allem aber will er Volleyball in Berlin und Umgebung noch populärer machen. Die zwei Finalspiele in der Max-Schmeling-Halle, zu denen insgesamt mehr als 16 000 Zuschauer kamen, waren ein großer Schritt nach vorne. „So viele Zuschauer hatten wir vor drei, vier Jahren nach der Normalrunde“, freut sich der Manager. Zum zweiten Finalspiel war die Berliner Halle erstmals bei einem Volleyball-Bundesligaspiel ausverkauft. „Wir kommen so langsam dazu, dass die Heimspiele auch die Kosten der Halle tragen“, sagt Niroomand. Noch zu selten kommen mehr als 5000 Zuschauer, vielen Bundesligaspielen fehlt es an Spannung. Weshalb Niroomand auch die gesamte Bundesliga voranbringen möchte.

„Wenn man das Drumherum ordentlich macht, kann Volleyball populärer werden, als es heute ist“, sagt Niroomand. Er denkt an einheitliche Standards in der Deutschen Volleyball-Liga, wie sie etwa die Basketball-Bundesliga eingeführt hat: Mindestetats, Mindesthallengrößen, Lizenzierungsverfahren, Vereinsstrukturen. „Man kann das aber nur machen, wenn man den Vereinen durch eine zentrale Vermarktung auch Einnahmen bietet“, erklärt Niroomand, „nur sagen: macht mal größere Hallen und seht mal, ob das funktioniert, das geht nicht.“ Er setzt seine Hoffnungen auf den neuen Geschäftsführer der Deutschen Volleyball-Liga, Klaus-Peter Jung.

Nach der erfolgreichen Saison in der Bundesliga mit nur zwei Niederlagen gehen den Berliner national die Ziele aus. International aber gibt es noch etwas zu gewinnen: die Champions League. „Es ist noch ein ganz langer Weg in die europäische Spitze“, sagt Niroomand, „dort sind die Gegner mit Weltmeistern und Olympiasiegern bestückt.“ Trotzdem werde sein Team in den nächsten Jahren weiter die teuren Auswärtsreisen nach Kasan oder Nowosibirsk buchen. „Das bringt uns sportlich voran“, sagt Niroomand. Außerdem hat er schon die nächste Idee: eine Bewerbung um die Ausrichtung der Endrunde der Champions League in Berlin. Als Veranstalter stünden die Berliner automatisch unter den besten vier Klubs Europas. „Die Ausrichtung muss unser Ziel sein“, sagt Niroomand. Denn man kann immer etwas noch besser machen.

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