Volleyball-EM der Frauen : Deutschland steht im Halbfinale in Berlin

Die deutschen Volleyballerinnen besiegen Kroatien mit 3:0 und spielen nun am Freitag in der Max-Schmeling-Halle gegen Belgien um den Einzug ins EM-Finale.

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Vier Hände fürs Halbfinale. Die deutschen Nationalspielerinnen beklatschen ihren Erfolg über Kroatien.
Vier Hände fürs Halbfinale. Die deutschen Nationalspielerinnen beklatschen ihren Erfolg über Kroatien.Foto: dpa

Am Ende wollte Bundestrainer Giovanni Guidetti gar nicht mehr weg. „Ich bin ein bisschen traurig, dass wir aus diesem Stadion rausgehen“, sagte der deutsche Volleyball-Bundestrainer, so begeistert hatte ihn die Stimmung in der umfunktionierten Tennisarena in Halle/Westfalen. Doch der Spielplan der Volleyball-EM sieht nun einen Umzug in die Berliner Max-Schmeling-Halle vor, weshalb Guidetti sagte: "Ich hoffe, dass wir die gleiche Atmosphäre in Berlin kriegen, dann ist alles möglich.“ Er meinte den ersehnten EM-Titel.
Am Mittwoch ist die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen mit ihrem Projekt Gold auf die Zielgerade eingebogen. Vor 6600 euphorischen Zuschauern im ostwestfälischen Halle ebnete sie im Viertelfinale mit einem überzeugenden 3:0 (25:23, 25:23, 25:18) über Kroatien den Weg ins Halbfinale in Berlin. „Wir sind einfach nur glücklich“, sagte Heike Beier nach dem Matchball, „diese Stimmung ist ganz schwer zu toppen.“

Am Donnerstagmorgen machten sich Guidetti und sein Team auf den Weg nach Berlin, wo am Freitag mit Belgien der nächste Gegner wartet. Wie es nun weiter geht, weiß Heike Beier genau: „Gut regenerieren und dann wieder alles raushauen.“ Es soll die vorletzte Etappe auf dem Weg zum Titel sein, und nach vier Siegen in Folge gibt es niemanden mehr, der diesem Team den großen Wurf nicht zutrauen würde.

Was auf die deutsche Mannschaft an diesem Abend im zukommen würde, hatte Mittelblockerin Christiane Fürst nach dem Studium des 3:2-Siegs der Kroatinnen im Achtelfinale gegen die Niederlande so formuliert: „Das ist ein starker Gegner mit erfahrenen Spielern, aber auch einigen jungen Krachern.“ Die feine Klinge war es jedenfalls nicht, die der Gegner vom Balkan schwang.

Kroatien schickte ein athletisch enorm starkes Ensemble aufs Feld, das versuchte, seine Größenvorteile gewinnbringend einzusetzen. Darauf waren die deutschen Spielerinnen von Bundestrainer Giovanni Guidetti jedoch eingestellt worden und fanden die geeigneten Gegenmaßnahmen. Es ging im ersten Satz zwar ein wenig holprig los – eine schlechte Annahme von Heike Beier und ein verschlagener Angriff von Maren Brinker sorgten für einen 0:2-Rückstand – doch schnell fanden die Gastgeberinnen in die Spur. In der Folgezeit zeigten die gefährlichen Aufschläge und die schnellen Kombinationen am Netz immer mehr Wirkung. Anschließend schienen Spielführerin Margareta Kozuch und ihre Kolleginnen alles im Griff zu haben (17:12), doch dann brachten sie die Kroatinnen durch Nachlässigkeiten zurück ins Spiel.

Beim Spielstand von 20:22 stachen die Trümpfe, auf die sich die deutschen Volleyballerinnen fast immer verlassen können: Leidenschaft, Glaube und ein nie nachlassender Kampfeswille. Deutschland drehte den Satz. Die Kroatinnen zeigten sich beeindruckt von der Moral ihres Gegners, zudem war dem Team nun mehr und mehr anzumerken, dass es beim Qualifizierungsspiel am Vortag gegen die Niederlande fünf harte Sätze absolviert hatten, während die Deutschen als Gruppensieger direkt ins Viertelfinale gesprungen waren.

Im zweiten Satz dominierten die Frauen in Schwarz das Geschehen, um es am Satzende doch noch mal spannend zu machen: Erst als es nach sechs vergebenen Satzbällen richtig eng wurde, versenkte Margareta Kozuch den einen Angriff, der zur 2:0-Satz-Führung nötig war. Es war ein großer Schritt, aber noch nicht die Entscheidung.

Es blieb in jedem Ballwechsel knallharte Arbeit, die sich jedoch auszahlte: Nach 86 Minuten Spielzeit Ball unter dem Jubel der Fans zum Matchgewinn im kroatischen Feld zu Boden. Die Hauptstadt darf sich auf eine Endrunde mit deutscher Beteiligung freuen, nach dem Spiel brüllten Deutschlands Volleyballerinnen den Klassiker ins Hallenmikrofon: „Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin.“

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