Volleyball-EM der Frauen : Für Pfeffis und Vaterland

Deutschlands Nationalspielerinnen wollen dem Volleyball bei der Europameisterschaft im eigenen Land zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen - und idealerweise den eigenen Marktwert steigern.

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Gold soll mehr Interesse bringen. Bei der Volleyball-Europameisterschaft 2011 gewannen die deutschen Frauen Silber, bei den Titelkämpfen in Deutschland im September soll es beim Finale in Berlin nun noch mehr werden. Foto: dpa
Gold soll mehr Interesse bringen. Bei der Volleyball-Europameisterschaft 2011 gewannen die deutschen Frauen Silber, bei den...Foto: AFP

Am Montag wartete bei der Ankleidung der deutschen Volleyball-Nationalspielerinnen eine schwere Aufgabe auf Corina Ssuschke-Voigt. Die vom offiziellen Ausrüster zur Verfügung gestellten Bekleidungsstücke waren schön, doch die an anderer Stelle im Berliner Laden hängende Kollektion war schöner. Nun galt es, den Ausrüster davon zu überzeugen, die interessanteren Stücke bereitzustellen und anschließend die Gestaltungswünsche der 14 Spielerinnen so zu moderieren, dass sie nicht als zu unverschämt empfunden werden. Eine Aufgabe für die älteste Spielerin mit dem ungewöhnlichen sorbischen Doppelnamen. Corina Ssuschke-Voigt sagt: „Das war ein sehr harter Fall.“

Die Bekleidung zählt zu den wenigen materiellen Dingen, die Deutschlands Volleyball-Nationalspielerinnen für die Teilnahme an der Europameisterschaft in Deutschland und der Schweiz (6. bis 14. September) erhalten. „Wir kriegen kein Geld“, berichtet Corina Ssuschke-Voigt. Selbst wenn die Mannschaft im EM-Finale in der Berliner Max-Schmeling-Halle die Goldmedaille gewinnen sollte, ist unklar, ob es eine Prämie geben würde. „Da gibt es noch keine klare Ansage“, sagt Spielführerin Margareta Kozuch. Deshalb geht es den Spielerinnen vor allem um die Ehre, für Deutschland spielen zu dürfen – und die Steigerung des eigenen Marktwertes. „Wenn man in der Nationalmannschaft spielt, kann man im Winter mehr verdienen“, sagt Corina Ssuschke-Voigt. Das betrifft nicht nur die beiden vereinslosen Nationalspielerinnen, Margareta Kozuch und Lisa Thompsen.

Ihrem Marktwert würde es mehr als guttun, gewänne die deutsche Mannschaft den EM-Titel. „Es gibt keinen Gegner, der unmöglich zu schlagen wäre“, sagt Bundestrainer Giovanni Giudetti, „wir können und wollen die Goldmedaille gewinnen.“ Als EM-Silbermedaillengewinner 2011 und EM-Gastgeber lastet ohnehin die Favoritenrolle auf dem deutschen Team. Allerdings hat die Mannschaft von Giovanni Giudetti im vergangenen Jahr die Qualifikation für die Olympischen Spiele verpasst.

Zuletzt aber überzeugte sein Team mit dem erstmaligen Titelgewinn in der Europaliga. Eine wichtige Erfolgserfahrung für die EM, wie der Bundestrainer findet, er sagt: „Gold bringt mehr Gold.“ Ein Junktim, das auch Kathleen Weiß einleuchtet. „Wenn man einmal auf dem Podium steht und die Hymne hört, will man das wieder erleben“, sagt die Zuspielerin, die für Bergamo spielt. Vor der EM warten ab dem 2. August mit den Grand-Prix-Turnieren in Italien, Polen und Thailand weitere Härtetests auf das deutsche Team. Besonders anstrengend wird es, sollten sich die Volleyballerinnen für das Grand-Prix-Finale in Japan qualifizieren. Dieses endet erst am 1. September, fünf Tage später beginnt die EM für das deutsche Team mit der Vorrunde in Halle/Westfalen. Die übrigen Gruppen spielen in Schwerin, Dresden und Zürich. Halbfinale und Finale finden dann in Berlin statt.

Von der Heim-EM erhoffen sich Verband und Spielerinnen die öffentliche Aufmerksamkeit, die dem Volleyball sonst oft versagt bleibt. „Wir wollen den Sport populärer und interessanter machen“, sagt die Spielführerin Margareta Kozuch, „es wäre schön, wenn wir ihn durch Erfolge mehr ins Bewusstsein bringen können.“ Immerhin werden alle deutsche Spiele live im Fernsehen auf Sport 1 übertragen, das Finale ebenfalls. „Wir hoffen, dass wir viel mehr Fernsehzeiten bekommen, auch für die Liga im Winter“, sagt Corina Ssuschke-Voigt, die für Lokomotiv Baku in Aserbaidschan spielt. Es gibt im Volleyball ohnehin Bestrebungen, fernsehfreundlicher zu werden. Bei der Europaliga wurden die Sätze bereits auf 21 Punkte beschränkt, pro Satz stand nur noch eine Auszeit zur Verfügung.

Am meisten Aufmerksamkeit dürfte allerdings EM-Gold bringen. Und womöglich mehr Zuwendungen als nur die Döschen mit Pfefferminzbonbons bei der Pressekonferenz in einem Berliner Hotel. Doch Corina Ssuschke-Voigt kann sich auch darüber freuen. „So schöne Pfeffis bekommen wir sonst nicht“, sagt die ehemalige Dresdnerin. Bevor sich Mitleid breitmacht: War ein Scherz.

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