Sport : Volleyball-EM: Ein Optimist will nicht schwarz sehen

F. Meininghaus/E. Podeswa

"Unsere Mannschaft ist stark genug, bei der EM das Halbfinale und eine Bronzemedaille zu erreichen." Grit Naumann und Maike Arlt waren sich bei der Auslosung für die WM im Frauenvolleyball 2002 in Deutschland in der Vorwoche einig: Ihre Nachfolgerinnen würde aus Bulgarien eine gute Ausgangsposition für die WM 2002 in Deutschland mitbringen. Ähnlich zuversichtlich äußerten sich Bundestrainer Lee Hee Wan und die Spielerinnen von Angelina Grün bis Judith Sylvester.

Doch nach dem gestrigen 1:3 gegen die Ukraine, vier Niederlagen und nur einem Sieg sind die Deutschen bei der Europameisterschaft nicht mal mehr in der Platzierungsrunde bis Rang acht dabei. Ein krasser Abrutsch zur Ära der beiden Berlinerinnen Maike Arlt und Grit Naumann, die sich in den 80er Jahren mit zwei Europameister-Titeln und WM-Rang vier in der Weltelite sonnen durften. Bis auf die Angreiferin Angelina Grün, die von Münster nach Modena in die italienische Liga gewechselt war, enttäuschten bei der EM fast alle im deutschen Team. Darin standen übrigens so viele im Ausland engagierte Spielerinnen wie noch nie.

Und so klagte die gleichfalls in Italien schmetternde Sylvia Roll: "Unser Spiel ist zu einfach, zu leicht ausrechenbar." Auch dem Trainer war aufgefallen, "dass wir mit dem schnellen Spiel durch die Mitte große Probleme haben". Was vor allem daran liegt, dass die etatmäßige Zuspielerin Tanja Hart in Bulgarien nur zweite Wahl war. Weil die Karbacherin aus Studiengründen sich nur drei Tage mit der Mannschaft einspielen konnte und so die Ex-Berlinerin Beatrice Dömeland als erste Zuspielerin fungierte. Lee blieb auch nicht verborgen, "dass die Rolle als Favorit der Mannschaft nicht behagt". Und die Gegnerinnen hätten sich weit stärker präsentiert "als in der Vergangenheit".

Die EM-Bilanz fällt besonders ernüchternd aus, weil ein verjüngtes Aufgebot vor zwei Jahren mit EM-Rang vier große Perspektiven verhieß und die komplette Formation in Sydney mit der sechsten Olympiaplatzierung und als Europas Nummer zwei hinter Russland in Tuchfühlung zur Weltspitze blieb. In Sofia jedenfalls zeigte sich sogar der Koreaner Lee Hee Wan frustriert: "Für die Weltmeisterschaft im nächsten Jahr sehe ich schwarz."

Gut, dass Werner von Moltke nicht anwesend war. Denn der hätte energisch protestiert. Weil der Verbandspräsident von Natur aus kein Schwarzseher, sondern eher ein Optimist ist. Deshalb hatte er bis zuletzt auf "zwei kleine Wunder mit Siegen gegen Italien und die Ukraine" gehofft und seinen Flug nach Sofia erst gestern stornieren lassen. Der "Volleyball-Graf" lässt aber von seinen Zielen nicht ab: "Wir brauchen im nächsten Jahr bei der WM eine Topmannschaft, die mindestens die Finalrunde der besten Acht in Berlin erreicht." Das sei nach wie vor mit "konzentrierter Arbeit im Training machbar". Das gelte auch für die gleichfalls bei der EM vorzeitig gescheiterten Männer, denen der Sprung nach vorn spätestens bei der Heim-EM 2003 gelingen soll.

Hinter allem steht das "Modell von Moltke", mit allem finanziell möglichen Aufwand die Nationalmannschaften als Flaggschiffe mehr ins Blickfeld zu lotsen, um so die Randsportart Volleyball stärker ins Blickfeld zu holen. Der einstige Mehrkampf-Europameister unverdrossen: "Es geht mit vollem Risiko und Einsatz zumindest ein Jahr lang weiter. Wir stehen wie im Zehnkampf erst am Beginn des entscheidenden zweiten Tages."

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